Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1885)
- Date
- 1885-01-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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62 tonen, das; das „glänzende Fiasko" doch nicht eine so ausgemachte, unbestreitbare Thatsache ist, als der Herr Korrespondent vorausznsetzeu scheint. Mag auch ein Normalplan nicht zu Stande kommen — was gleichfalls noch keineswegs festftcht — die Resultate der Konferenz sind in keinem Falle bedeutungslos oder einem Fiasco gleich zu erachten. Bon diesem Standpunkte aus würde der Nutzen sämmtlicher Lehrerconferenzen Deutschlands zienilich vollständig illusorisch sein. Genügt es nicht, daß etwa dreißig der hervorragendsten jüdischen Lehrer einmal zusammengekomme» sind, um über den jüdischen Religionsunterricht an sich ihre Meinungen anszutanschen? Und ist es ein Fiasco, wenn bei diesem Meinungsaustausch in einer zweitägigen Debatte zwischen den Vertretern der verschiedensten religiösen Richtungen die religiösen Gegensätze fast gar nicht, bis auf eine sofort rcctificirtc Aenßerung hervortreten, das; sich vielmehr in Bezug auf die Cardinal fragen des Unterrichts, in Bezug auf das Hebräische, den Unterricht in der bibl. Geschichte n. s. w. eine erfreuliche Eininnthigkelt prineipieller Natur heransgcstellt hat? Ist das ein Fiasco? Wir glauben nicht. Aber nicht dies allein war cs, was uns zu diesen Gegenbemerkungen veranlaßt hat, sondern etwas ungleich Wichtigeres, nämlich die Stellung des Deutsch-Jsr. Gemciudebundes zu jener Eoufcreuz. Zwar hat schon Ihr Correspondent in seinem sonst sehr sachgemäßen und objectiveu Berichte — der nur die Herren Introsinsky und Golm zu Telegirten des D.-I. G.-B. macht, tvas sie aber nicht sind, die entschiedene Ansprache des Vorsitzenden, Geheimrath Kristeller, mitgetheilt, daß der Bund als solcher mit dein Normalplan absolut nichts zu thun habe, da er keine religiöse Richtung verfolge, sondern die ganze deutsche Judenhckt umspänne; aber cs kann dies nicht scharf und ausdrücklich genug betont und hervorgchobcn werden. Und darum möchten wir uns noch die folgende Bemerkung .erlauben: Auch selbst, wenn der D.-I. G.-B. oder vielmehr dessen Ausschuß von der absoluten Resultatlosigkeit dieser Delegirtenconferenz, von dem „glänzenden Fiasco" im Voraus fest überzeugt gcweseu wäre, so wäre es doch seine unbedingte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, diese Konferenz einzuberufeu, und den Versuch zu wagen, einen einheitlichen Rormalplan 3111* Berathung zu bringen. Das war der D.-I. G.-B. den zahlreichen Gemeinden, den vielen Rabbinen, Lehrern der verschiedensten Züchtungen und außerordentlichen Mitgliedern schuldig, die an ihn wegen eines solchen Rormalplanes seit Jahren appellirleu; das war er aber noch mehr seinem Zwecke schuldig, der die Pflege des Religionsunterrichts in erste Reihe gestellt hat. Daß es den Zwecken des D.-I. G.-B. am Meisten entsprochen hätte, wenn ein Rormalplan zu Stande gekommen wäre, der alle Richtungen gleichmäßig befriedigt hätte, ist mehr als begreiflich. In ersten! Falle aber hat derselbe seine Pflicht erfüllt; au den erwählten Lehrern ist es, nun zu zeigen, ob diese Aufgabe überhaupt zu lösen, oder ob die Unmöglichkeit, einen einheitlichen Rormalplan zu schaffen, wirklich eine so evidente ist, wie Ihr Herr Correspoudeut anzunehmcn scheint. In keinem Falle aber, ob das Eine oder das Andere zn Tage tritt, kann man von einem „glänzenden Fiasco" der Versammlung sprechen, noch weniger aber darf man behaupten, daß „die religiösen Gegensätze in dcrVerfammlung so scharf in die Erscheinung traten." ^miti. Berlin, 12. Januar. In den beiden letztvergangenen Wochen hielten im Verein „Sephat- E m e t" Vorträge die Herren Studirendcn S. Goldschmidt über „Die erste Judenverfolgung in England" und H. Biberseld über „Nathan und Shylock". Der erste Redner behandelte in seinem interessanten Vortrage eine Scene aus der „großen Nationaltragödie des jüdischen Volkes", die ans einer geringfügigen Ursache veranlagte Judenhetze am Krönungstage von Richard Löwenherz und den Heldentod der Aorker Juden. Herr Biberfeld beleuchtete die specifisch jüdischen Züge, welche in dem Eharakterbilde von Nathan und Shylock gemeinsam hervortreten, wozu in erster Linie die innige Liebe zu dem Kinde gehört, und wies dann nach, wie weit sowohl der Vertreter der Humanität kn der Philosophentoga, als auch der. schmutzige Wucherer aus Venedig davon entfernt wären, das wahre Judenthum zn repräsentiren. Beide Vorträge fanden den lebhaften Beifall der Versammlung. Berlin, 12. Januar. Der jüngst hier gegründete „Israelitische Fortbildungsverein M 0 nt e f i 0 r e" entwickelt sich mit jeder Woche immer erfreulicher. Die Mitgliederzahl des Vereins wächst stetig und geht derselbe einer frohen Zukunft entgegen. —- Auch der Verein „ESra", welcher bekanntlich mit der Tendenz ins Leben gerufen worden ist, unsere unglücklichen, in die Hände der seelenfängerischen Misston gefallener.' Bruder zu befrekerr, darf auf einen beispiellosen Erfolg zurückblicken. Der Verein zählt gegenwärtig s e ch s t a u s e n d dreihundert Mitglieder. Abgesehen von dem finanziellen Erfolge ist es kn erster Reihe der Triumph der Idee, welche der Verein verfolgt und die in