Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-01-15 · Heft 4 (15.1.1885) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 4 (15.1.1885)
Date
1885-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449508--21490-2511068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

58 Historische Erzählung von S. Ko hu. (Verfasser von „Gabriel.") (Fortsetzung.) „Es ist so eben von Ihnen nnd Ihrem prächtigen Rcgimcnlc die Rede," sprach der Fürst mit seiner wohlklingenden, wohltöncndcn Stimme. „Ich freue mich bei so hervorragenden Vertretern unserer tapferen Armee, Heldcnmnth mit Bescheidenheit gepaart zu sehen. Ich hatte es ausgesprochen, dag während gestern, am ersten Tage dieser glorreichen Schlacht, die wackcrn Russen unter ihrem ausgezeichneten Führer Graf Ostermann den Lorbeer errangen, sich an: heutigen Tage auch Oestcrrcicher nnd Preußen ausgezeichnet haben und namentlich Graf Eollcredo, der den rechten Flügel befehligte, den Sieg entschied. Der Fcldmarschall behauptet nun: die Ehre des Tages gebühre dem General Beanchi dessen Division Wunder der Tapferkeit verrichtete. General Bianchi. der uns so eben verlassen, versichert, das; General Sorbenbnrg mit seiner Brigade den Ansschlag gab; dieser" — des Fcldmarschalls ernste, edle Züge rvnrden von ctitctu lächeln wundersam belebt — „bleibt an Bescheidenheit nicht zurück und vindicirt Ihnen, Obeist Suck, das Hauptverdienft. Sie haben an der Spitze Ihres Regimentes durch eine brillante Attaqnc den feindlichen Rachtrab vertrieben und dadurch den heldcnmüthig kämpfenden, aber hart bedrängten, preußischen Kolonnen, unter dem tapfer« Kleist, Luft gemacht." „Durchlaucht," hatte unser Oberst vor Freude erröthcnd, geantwortet, „ich bin stolz auf die Worte, die Sie so eben ansznsprechen die Gnade hatten und sic werden mir bis an mein Lebensende unvergeßlich bleiben, aber daß der von mir geleitete Angriff ein so glänzendes Resultat ergab, ist das Verdienst meines wackeren Regimentes." „Daß Ihr Regiment ein vorzügliches ist, wird ja Ricmand bestreiten," hatte sich jetzt der Feldmarschalllientcnant Graf Eollcredo in das Gespräch gemischt, „aber der Trnppenkörper, mag dieser nun groß oder klein sein und sein Führer, gehören wie Leib und Seele zusammen, der Führer ist die Seele, die Mannschaft der Körper, das Werkzeug, welches den Willen der Seele ansführt. Wo der Führer, die Seele fehlt, ist die Truppe eine todte leblose Maffe, die wohl noch konvulsivisch aufzucken, aber nicht, durch ein einigendes Band gefestet, zielbewußt eine Aufgabe lösen kann. Ich habe es oft genug erlebt, daß eine siegreich vorrückende Truppe, deren Führer fiel oder schwer verwundet vom Kampfplatze getragen wurde, plötzlich von panischem Schrecken ergriffen, ihren Siegeslauf hemmte und dieser sich in lvilde regelose Flucht verwandelte. Sie gehen in Ihrer Bescheidenheit zu weit. Sie haben persönlich zum Siege beigetragen. Sie können mir's glauben; wären Sie während des Angriffs gefallen, er hätte ein anderes Resultat ergeben." „Herr Fcldmarschalllicntcnant," hatte mein braver Oberst darauf erwidert, „dann bin ich meinem Wachtmeister Auritz" — er wandte sich halb um und bezcichnctc mich minder Säbclspitze, „doppelt verbunden, denn er sing mit seinem Pallasch den wuchtigen Hieb eines feindlichen Kürassiers auf, der mich getödtct, im günstigsten Falle kampfunfähig geniacht hätte." „Brav, brav!" meinte der Marschall, dann rief er: „Wachtmeister Auritz!" . . . . Ich ritt einige Schritte ans der Linie; da auch der Fürst sein Pferd einige Schritte avancircn ließ, befand ich mich in seiner unmittelbaren Nähe. „Wo haben Sie das erworben?" frug er, auf die goldene Tapferkcitsmedaille auf meiner Brust deutend. „Bei Aspern, Herr Generalfeldmarschall! Ter Herr General Fürst Johann Lichtenstein hatte die Gnade mir die Medaille auf dem Schlachtfelde an die Brust zu heften," entgegnete ich und mein Oberst fügte hinzu: „General Fürst Lichtenstein, welcher den Kavaltericangriff gegen das Korps des Marschall Lannes leitete, war Augenzeuge gewesen, wie dieser Brave mich — ich war damals Major und Escadrons- Kommandant, — glücklich heraushieb, als ich gleichzeitig von drei Kürassiren attaquirt und durch einen Säbelhieb am rechten Oberarm kampfunfähig wurde. Wäre mir damals Korporal Auritz nicht rechtzeitig zur Hilfe gekommen, ich wäre, da ich mich nicht ergeben wollte, getödtet worden, er hat mir heute das zweite Mal das Leben gerettet!" „Gut, sehr gnt," sprach der Fürst, mich längere Zeit wohlwollend betrachtend. Plötzlich zuckte er im Sattel empor nnd sprach zu seinen Begleitern gewendet: „Ich habe da einige kostbare Minuten versäumt, aber ich konnte es nicht über mich bringen, ohne Sie anzusprechen, an Ihrem Negimente vorüberzurciten. Es muß sofort ein Eilbote mit der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.