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Der Israelit · 1885-01-15 · Heft 4 (15.1.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 4 (15.1.1885)
Date
1885-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Siegesnachricht an seine Majestät den Kaiser nach Laur gesendet werden. Ter Kaiser wird sich in fieberhafter Spannung befinden," der Fürst sah ans die Uhr. „Es ist sieben und ich wünsche, daß er die Siegesnachricht so bald als möglich, noch bevor er sich zur Ruhe begibt, erhält. Der Weg ist ziemlich weit, da bedürften wir eines tüchtigen Reiters, der, damit er sich mit Nachfrage nicht unnöthig aufhält, des Weges kundig sein soll; und ein ausgernhtes Pferd; tout le moude ist zu Tode ermattet, die Reiterei stand heute stundenlang im Gefechte, die Offiziere und Adjutanten kamen seit 14 Stunden nicht aus dem Sattel .... Ihr wißt es, meine Lieben, ich bin kein aufdringlicher Mensch und schon im nächsten Momente begriff ich selbst meine namenlose Kühnheit nicht; aber wie von einer inner» unbezwingbaren Kraft getrieben, sprach ich mit vor Aufregung zitternder Stimme: „Durchlaucht, Herr Generalfeldmarschall! Ich bin in dieser Gegend zu Hause, kenne alle Wege und habe ein gutes Pferd. Wenn Hoch-Sie die Gnade haben, mir die Depesche anznvertrauen, hoffe ich sie in etwa drei Stunden, an das allerhöchste Hoflager nach Laur zu bringen. Als ich diese kühnen Worte beendet, überfiel mich eine große Angst: während ich ohne Zagen gegen eine Tod und Verderben speiende Batterie ansprenge, fühlte ich jetzt ein leichtes Beben durch meinen Körper laufen. Ich erkannte, daß es die höchste Dreistigkeit war, dem Manne, der nach dem Kaiser der Erste und Mächtigste im Staate war, dem Manne, in dessen Hand die drei mächtigsten Potentaten der Erde, ihre volle Machtfülle gelegt hatten, dem Manne, dessen Winke eine Million Soldaten, das ganze bewaffnete Europa, Prinzen von Geblüt, Thronerben, Köuigssöhne, widerspruchslos gehorsamten, mich zu so wichtigem Dienste vorzuschlagen. Am liebsten wäre ich mit sammt meinem Rosse in die Erde gesunken; — aber der Soldat ist im Dienste nur eine Maschine, wenn er vor seinem Vorgesetzten steht, hat er nicht einmal das Recht, sein eigen Auge nach Belieben zu gebrauchen; auch die Richtung seines Blickes ist ihm vorgeschrieben — er darf ihn nicht zu Boden senken, er muß seinem Obern unausgesetzt starr ins Auge blicken, und ich saß innerlich bewegt und aufgeregt, äußerlich ruhig, wie eine Statue, in vorgeschriebener Haltung auf meinem Rosse. Es war nur eine sehr kurze Pause eingctreten, aber mir erschien sie von endlos langer Peinlichkeit. In dem Atomente hätte ich meine rechte Hand darum gegeben, meine kühnen Worte ungesprochcn zu machen; aber der Fürst wandte sich nach kurzem Bedenken an den Oberst und frug in seiner knappen Weise kurz: „Guter Reiter?" „Der beste im Regimente," lautete die Antwort. „Wachtmeister Auritz halten Sic sich bereit, sobald die Depesche geschrieben, mit derselben unverzüglich an das kaiserliche Hoflager zu reiten — aber wo finden wir in der Nähe schnell Schreibmaterial?" „Herr Generalfeldmarschall!" meinte sein Flügeladjutant, der sich mit einer Schwenkung seines Pferdes an der Seite des Fürsten befand, „mit einem Blatt Papier und einem Bleistifte könnte ich allenfalls gehorsautst dienen," und holte so sprechend beides aus seinem Wasfenrocke; „aber ich weiß nur nicht, ob es passend erscheint, an Seine Majestät einen mit Bleistift geschriebenen Bericht zu senden." Der Fürst lachte. „Allerdings entspricht dies den Gesetzen der strengen Etikette nicht; lieber P r o k e s ch," hatte der Fürst erwidert, „aber c’est la guerre! Am Schlachtfeld hat man nicht die Bequemlichkeit des Salons; — «ul!» der Bericht eines solchen Sieges darf auch mit Bleistift geschrieben werden — allerdings besser wäre eS, wenn wir Tinte, Feder, Siegellack n. drgl. bei Händen hätten — wo diese so schnell herbeischaffen? Die Zeit drängt!" „Durchlaucht'" bemerkte Graf Eolloredo, „wir sind hier in der Nähe des Pfarrhauses,- da Licht aus den Fenstern schimmert, scheint der geistliche Herr in seiner Behausung zu sein; -- da werden Sie gewiß die nöthkgen Schreibrequisiten finden." „Ein guter Gedanke," entgcgncte der Fürst und wandte sein Roß nach der Richtung deS Pfarrhauses, „Wachtmeister Anritz folgen Sie uns!" Die beiden Generale und mein Oberst verabschiedeten sich, mein Regiment zog in die umliegenden Dörfer in die Quartiere, ich und der Reitknecht des Fürsten folgten diesem, der mit seinem Adjutanten das Pfarrhaus betrat. Ein Wink des Feldmarschalls befahl mir, auch mein Pferd der Obsorge des Reitknechtes zu überlassen und ins HanS zu kommen. — Der würdige greise Pfarrer Elisander empfing den hohen, wohl unerwarteten Besuch ehrerbietig und mit milder Freundlichkeit. Der Fürst thciltc ihm, wieder mit merkwürdiger Kürze, den Zweck seiner Anwesenheit mit, und der Pfarrer führte den Marschall und seinen Adjutanten in das zweite Zimmer, in welchem wie Dn, lieber Vater, weißt, sein Schreibtisch steht, ich wartete im Vorzimmer. Da die Zimmerthüre offen blieb, hörte ich jedes Wort, das drinnen gesprochen wurde. Der Fürst diktirte, der Adjutant schrieb und ich habe meinem Gedächtnisse den Inhalt dieser Depesche, um so schärfer einzuprägen vermocht, als der Adjutant jedes Wort wiederholte,

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