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Der Israelit · 1885-01-12 · Heft 3 (12.1.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 3 (12.1.1885)
Date
1885-01-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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42 liruav vor dem (5affatioiiöljofc zur neuerlichen Verhandlung. 91 mit ä n i e n. Aus Rumänien gelangen Nachrichten über Geschehnisse in die Welt, welche ans Grausamkeit den mittelalterlichen Judenverfolgungen nicht nachstehcn. In Tarabani (Distr. Dorochoi) war im verflossenen Herbste, wie die in Bukarest erscheinende „Fraternitatc" berichtet, welcher wir die nachstehende Mittheilnng entnehmen, die Nindcrpeft, aber nur in einzelnen Fällen, ausgebrochen. Der vom Prüftet Mornzi nach diesem Platze abgesandtc Polizeicommissär Filipcscn, um die nöthigen Maßregeln gegen die Verbreitung der Seuche anzuordnen, entledigte sich feines Auftrages in folgender höchst grausamen Weise: Er zwang zehn Juden zum Frohndienste, tvelchc beinahe unaufhörlich zehn Tage lang einen hohen Wall um die Stadt aufführen mußten, wobei cs an harten Schlägen nicht fehlte. Weitere dreißig Inden mußten hierauf Taglöhnerdienste versehen und hatten selbst bei Nacht trotz des heftigen Regens und großer Kälte kein schützendes Obdach. Zu all diesem beobachtete der hievon benachrichtigte Prüftet tiefstes Stillschweigen. Damit die Juden kein Geflügel (Rindvieh zu schlachten war überhaupt nicht erlaubt) schlachten können, ließ der Potizeicommissär am Tage vor dcm Bersöhnnngstage dcm Schlächter das Schlachtmeffer abnehmen; und erst nach dem Feste znrückstelten; das Fleisch des nunmehr geschlachteten Geflügels wurde derart mit Schwefel und Karbol durchdrängt, daß es absolut ungenießbar wurde. Auch am Versöhnungstage mußten Juden am Walle arbeiten. Nicht weniger schlimm erging es den in der Synagoge versanunelten Israeliten. Der Polizeicommissär umstellte mit seinen Leuten das Gotteshans, damit jeder Verkehr nach Außen unmöglich war luib ließ dann im Innern desselben eine Menge Schwefel anzündcn, um nach seiner Angabe das Gebäude 311 desinsiciren. Was auf diese Maßregel erfolgte, läßt sich leicht denken; es kamen Erstickungsanfälle vor, Frauen wurden ohnmächtig, und dies grausame, entsetzliche Verfahren setzte dieser Unmensch stnndenlang fort, bis er endlich, weil doch für das Leben der Versammelten fürchtend, seine Leute abcommandirte. Während dieser traurigen Scene in der Synagoge wurden die Häuser der Inden von umherzichenden Banden geplündert und die in denselben anwesenden Personen mißhandelt. In Folge der ausgestandenen Aengstcn sind viele Frauen am Typhus erkrankt, andere vor Schrecken gestorben. Auch bei den am Wall arbeitenden, unter welchen 70 Jahre alte Männer sich befanden, erlagen einige. Erst nachdem der Veterinärarzt die Erklärung abgab, daß ein Wall gar nichts nütze, um die Verbreitung der Rinderpest zu verhindern, wurden die armen Opfer einer Willkührhcrrschaft entlassen, aber noch auf dem Heimwege dadurch gepeinigt, daß man sie mit Carbolsänre begoß, wodurch manche von ihnen große Brandwunden davontrugen. Eine von zwölf in diesem Districte wohnenden Juden in der „Fraternitatc" versuchte Ehrenrettung des säubern Polizeicommiffärs F. trägt zu deutlich den Stempel des Gezwungenen au sich, als daß es nöthig wäre, dieselbe weiter zu widerlegen. Aer Konricr. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser vo» »Gabriel.") (Fortsetzung.) „Hier in unserer Stube, an der Stelle, au der Du sitzest, hatte der Kaiser seinen Adjutanten diesen Befehl ertheilt," sprach Lea, welche Davids Mittheilungcn mit gespanntester Aufmerksamkeit gefolgt war, „dadurch erfuhren wir auch, daß Dein Regiment hier in der Nähe stand, und daß dasselbe fast dcm sicheren Verderben, jeder einzelne Mann desselben einem gewissen Tode entgegengehe .... Du kannst Dir denken, in welche trübe Stimmung wir versenkt, wie wir um Dich besorgt waren." „Du hast recht, wir gingen voraussichtlich einem sicheren Tode entgegen! .... Als wir in Kulm anlangten, wurden wir von den Russen mit stürmischen Jubel empfangen; wir waren die ersten Truppen, die zu ihrer Verstärkung anlangten. Wie wir erfuhren, war das schwache Korps des russischen Generals Prinz Eugen von Württemberg schon seit Dienstag den 26. dieses Monats in fortwährenden.Kämpfen mit Vandamme verwickelt gewesen. Obwohl viel zu schwach einem Korps von 1

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