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Der Israelit · 1885-01-12 · Heft 3 (12.1.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 3 (12.1.1885)
Date
1885-01-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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43 30000 Mann auf die Dauer Widerstand entgegenzusetzen, hatte der Prinz sich doch entschlossen, mit Benutzung aller Vortheile, welche die gebirgige Gegend gewährte, den Feind so viel als möglich an der Entwicklung und am Vorrücken zu hindern. Das Korps des Prinzen hatte einen Verlust von 15—1800 Mann erlitten und war der Prinz, da er trotz seiner dringenden Bitte, ohne Verstärkung blieb, nachdem er mit der größten Ausdauer gekämpft, doch endlich gezwungen, sich auf Zehista zurückzuziehen, wo er sich mit den Truppen des Generallieutenant Jermolow, des Generalmajors Baron Rosen und einiger Reiterei unter dem General Knorring vereinigte, lieber diese gesammten, 17500 Mann zählenden Truppen hatte -General Ostermann den Oberbefehl übernommen; aber auch dieser hatte sich nach heftigem, fast den ganzen Tag dauernden Gefechten nach Kulm zurückziehen müssen. In dieser bedenklichen Lage fand unser Oberst den General Ostermann. Wir hatten nicht lange Zeit uns von dem ermüdenden Eilritte auszuruhen, vorgestern Sonntag am 29., Morgens, begann die Schlacht. Graf Ostermann stellte mit großer Umsicht und mit Benützung aller Vortheile der Gegend, seine Truppen hinter Kulm in Schlachtordnung auf. Die Reiterei marschirte in zwei Linien, unser Regiment stand in der Mitte des zweiten Treffens. Es gab an diesem Tage einen wüthenden Kampf. Aus beiden Seiten laugten Verstärkungen ein, ohne das Truppenverhältniß zu unfern Gunsten zu ändern. Der Kampf um das Dorf Priesten wird mit der größten Heftigkeit geführt; nachdem das Dorf zweimal verloren und zweimal wiedergewonnen, muß sich das russische Fußvolk das Drittemal im stärksten Kartätschen-und Kleingewehrfener zurückziehen. In diesen! kritischen Augenblicke riß eine Kanonenkugel dem General Ostermanu den rechten Arm weg, beraubt die Truppen ihres Führers. Zum großen Glücke für uns erscheint jetzt der russische Generalqnartiermeister Diebitsch mit den Gardedragonern ans dem Schlachtfelde, wirft sich mit voller Wuth auf den anstürmen- .den Feind und es gelingt ihm, diesen zurückzuwerfen. Etwas später erscheint eine russische Grenadier-Division unter Kommando des Grafen Milradowitsch, der auch an der Stelle des verwundeten Ostermann den Oberbefehhl übernimmt. Tie cinbrechende Dämmerung macht dem ersten Schlachttage ein Ende. Am Abende langt der Generalissimus Fürst Schwarzenberg in Begleitung des russischen Ober- Generals Barclay de Tolly an. Mein Oberst und ein russischer Oberst, von einem Wachtmeister begleitet, reiten den beiden Feldhcrrn entgegen. Ich habe da eine denkwürdige Scene erlebt und die Erinnerung an diese, wird mir bis an mein Ende erhalten bleiben. General Barclay de Tolly befand sich offenbar in der furchtbarsten Aufregung, die er vergebens zu bemeistern suchte, allein Fürst Schwarzenberg zeigte eine geradezu bewundernswürdige Ruhe. Der russische Oberst berichtet die Vortheile , welche Bandamme bereits errungen und schildert die Lage des Heeres als hoffnungslos. „Viertausend Garden," schließt er seine Mittheitungen, „liegen auf dem Schlachtfelde, Graf Ostcrmann so viel als todt, eine Kanonenkugel hat ihm den Arm zerschmettert!" Fürst Schwarzenberg hört diese Hiobsposten ohne Wimperzucken an. „Halten die Garden noch?" fragt der Fürst, „ja jetzt noch," erwidert der russische Oberst, das zweite Wort seines Satzes schwer betonend. „Nun," führt der Fürst mit einem stolzen Lächeln fort, „daun ist nichts verloren, beim jetzt sind wir da ... . Ich werde noch heute General Kleist, der bei Fürstenwalde steht, einladen, an der für morgen bestimmten Schlacht mitzuwirken. Morgen früh werden nach meinen Anordnungen, unser österreichisches Fußvolk unter Feldmarschalllieutenant Collaredo, österreichische Reiterei unter Generalmajor Prinzen Philipp von Hessen-Homburg mit ihren Batterien angelangt sein, dann werden wir den stampf mit frischen Kräften aufnehmen können. Wir sind im Besitze einer guten Stellung. Eilen Sie zu Ihrem Monarchen, dem Kaiser Alexander, und sagen Sie ihm, daß ich ihn beglückwünschen lasse, denn morgen wird, einer der schönsten Tage dieses Krieges sein!" Der russische Oberst, sprengte von seinem Wachtmeister begleitet, fort, um den ihm gewordenen Befehl ansführen, so daß bloß General Barclay de Tolly, mein Oberst und ich, beim Fürsten zurückblicben. Run wandte sich dieser an den russischen Oberbefehlshaber und sprach in hoheitsvollem Tone: „Herr General der Infanterie! ich übertrage Ihnen für morgen die spccielle Leitung der Schlacht. Es ist dies einestheils der Ausdruck der Anerkennung für die bewundernswerthe Tapferkeit und Ausdauer der Russen, daß ich einem ihrer Generäle, die Vervollständigung dessen was sie so rühmlich begonnen, übertrage, anderseits aber will ich Ihnen, Herr General, Gelegenheit geben, Ihren sträflichen Ungehorsam gegen mich, dem von den Monarchen ernannten Generalissimus der „Armee der hohe» Verbündeten", durch einen glänzenden Sieg zn sühnen, ihren alten Ruhm als Feldherrn, der durch diesen Akt der Insubordination, stark verdunkelt wurde, neuerdings zu bewähren!" — Einen Augenblick war der russische General blaß wie ein Linnen geworden, aber schon im nächsten Moniente überlohte

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