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Der Israelit · 1885-01-12 · Heft 3 (12.1.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 3 (12.1.1885)
Date
1885-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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40 vom mechanischen Lesen fcrnznhalten nnd möglichst früh zum Ucbersctzen anznleiten. Schon im dritten Schuljahre muß der Unterricht im Pentateuch beginnen. Stundenzahl in einklass. Volksschule 2 halbe Stunden, in einklass. Religionsschule 3 halbe Stunden wöchentlich. Zur Auswahl kommen Stellen, welche für die Religionslehre wichtig sind. Die Kapitel dürfen nicht zerstückelt werden. Tie Abschnitte, welche an Fest- und Fastlagen öffentlich vorgclcsen werden, sind zu berücksichtigen. Allein ausgelassen haben wir den Thorahabschnitt vom Nachmittage des Versöhnungstagcs im Hinblick auf den Widerspruch, den wir zweifellos finden würden (Heiterkeit). M. H.! Ich persönlich hätte nicht das Geringste dagegen; eine Stelle in der Thora ist so heilig, wie die andere, ich kenne keinen Unterschied darin — der Pentateuch muß pädagogisch wie jeder andere Untcrrichtsgegenftand gelehrt werden. Hier macht die Richtung keinen Unterschied, auf beiden Seiten lehren Leute die Thora unrichtig. Gin Uebersetzen, das nicht seinen ganzen Werth auf Hebung des sittlichen nnd religiösen Denkens legen würde, wäre ein Mißtrauen unserer ganzen Zeit. Wir lehren den Kindern die Thora, damit sie von Ehrfurcht ergriffen vor der Quelle stehen, <tu§ der wir seit Jahrtausenden schöpfen. Auf das correcte Dcutschlcsen ist Rücksicht zu nehmen. Verse, die für die Religionslehre wichtig sind, werden memorirt. Die Grammatik sei elementar zu lehren. Alljährlich seien ca. 50 Verse aus jedem der 5 Bücher Mosis, also ca. 250 Verse, durchznnehmen. Unter den berücksichtigten Stellen befinden sich auch solche, die von dem Opferdienste handeln, da sie auf die Festtage Bezug haben." Prof. Dr. Steinthal: „Ich erfahre soeben, daß Sic beschlossen haben, über die Auswahl der Stücke nicht zu debattiren; hätte ich das gewußt, so hätte ich das Wort nicht verlangt. Erlauben Sie mir eine persönliche Bemerkung ans meiner Lebenserfahrung. Ich bin auch erzogen und groß geworden in der Ansicht, daß in der Thora alles wichtig ist vom ersten bis zum lebten Worte. Ich habe von meinem alten Rabbi ein Gebot gelernt, ich weiß nicht, ob es unter den 613 Geboten ausgcführt tvird, ich habe es im Leben gelernt *121 7812" '22 78. Ich würde nicht so oft vor Juden reden, wenn nicht dieses Wort mir so oft in den Ohren tönte. Ein anderer Rabbi sagte mir ein anderes Wort: uiy 8L22 T2' 87 282. Ich hege den sehnlichsten Wunsch, daß die jüdischen.Knabcn, für die Sie den Normalplan ausarbciten, mindestens ebenso Pentateuch lernen nnd ebenso w a r m e nnd gute Juden werden mögen, wie ich es bin" (!!) (Sensation). Dr. Kirchstein: „250 Verse jährlich durchzunehmen, erkläre ich für unmöglich. Es ist gesagt worden, der Unterricht aus der Thora sei nur darin wichtig, weil er dazu beitragen soll, die Verehrung der 'Religion in den Kindern zu wecken. Soll dies geschehen, dann werden wir noch mehr bedacht sein müllen: multum, non multa! Je mehr Sie lesen, desto weniger werden Sie erreichen, was Sie wollen. Soweit es die Wichtigkeit für die Religionslehre anbetrifft, erkläre ich mich mit der Wahl des Referenten einverstanden. Was Sie aber als Religionslehre bezeichnen, können wir nicht anerkennen. Wollen Sie die Religion schwächen, so lesen Sie die Opfcrgesetze! Wollen Sie die Religion stärken, so lassen Sie die Opfergesetze fallen! Wozu unsere Kinder mit Dingen belästigen, die für uns nicht den geringsten Werth besitzen. Was todt und gestorben ist, muß begraben werden ....*) (Großer Lärm. Stürmische Rufe: Zur Ordnung! Zur Ordnung! Glocke des Präsidenten. D r. S a m u e l s 0 h n (Breslau, zweiter Vicepräsident, in großer Erregung): „Zur Ordnung!" (Glocke des Präsidenten.) Präsident Dr. B amberg er: „Herr Dr. Samuelsohn , darf ich Sie um Ruhe bitten?" (Dr. Samuelsohn: „Erst muß er zur Ordnung gerufen werden!" Glocke des Präsidenten. Präsident Dr. Bamberger fährt fort : „Ich bedaure, daß der Redner Dinge vorgebracht hat, die nicht hieher gehören und werde es nicht dulden, daß ein Redner unserem Principe entgegenhandelt und bei der Lösung unserer Aufgabe ein religiöses Moment in die Debatte wirft." (Dr. Samuelsohn: „Todt und abgestorben'! Unerhört!)" Prof. Steint hat: „Mein Freund Kirchstein hat noch lange nicht Das gesagt, was jener Prophet Jeremia gegen den Opfcrdienst geredet hat." (Große Erregung. Ruf: „Den verstehen Sie ja gar nicht!"**) D r. K i r ch ft ein: „M. H.! Die Opferlehre ist nicht für die Religion wichtig." Neuer Lärm. Ruf: Pfui! Glocke des Präsidenten.) *) Tr. Kirschstein ist Direktor der Religionsschule der hiesigen Lynagogengemeinde und jüdisch er „R e l ig io ns lehr er" ain S op h ien-Gymn asi u m. **) Allerdings scheint die schier unbegreifliche Äeußernng des Pros. Steinthal aus einem groben Mißverständniß;u beruhen? Wo in aller Welt hat ein Prophet auch nur ein Wort gegen den Opserculms geredet? (."egen den Opferdienst haben sie geeitert, wenn er mit Uuthaten und Frevel verbunden ist, den Lippendienst haben ne verdammt, dem die wahre Herzensempsindnng mangelt.

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