Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1885)
- Date
- 1885-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449507--21470-2511047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wie die Lehrer erwarten einen Plan scitvielen Jahren; mit generellen Grundsätzen können sie nichts anfaugen." Dr. Bär Wald: „Vorgestern Abend war eine Vorversammlung bis zwei Uhr und gestern bcriethen wir uns bis ein Uhr Nachts. Ich habe viel aus den Verhandlungen gewonnen, ich bin zufrieden mit dem bisherigen Gange derselben. Verschiedene Pläne sind uns vorgelegt worden, die mit großem Ernste ausgearbcitet sind; nehme sich daraus jeder einzelne Lehrer für seine Schule, was das Rechte ist. Ich beantrage daher, nur die generellen Gesichtspunkte festzusetzen, die vorliegenden Normalpläne aber incl. des Referentcnplancs nach betreffender Veränderung an sämmtliche Lehrer Deutschlands zu versenden, damit diese bei dein Unterrichte von den in den Plänen gegebenen Winken Gebrauch machen." Für diesen Antrag tritt Dr. Maybaum ein. Dr. Jakobsohn (Leipzig): „Wir wollen keine verschiedene Pläne in die Welt senden, denn dann haben wir keinen Normalplan mehr. Alles Menschliche ist unvollkommen und, wenn wir noch vier Wochen hier sitzen, bringen wir doch keinen allseitig befriedigenden Normalplan fertig. Setzen Sie.eine Commission nieder; wenn dann das Resultat der Commissionsarbcit innerhalb drei bis vier Jahren in den Händen der Lehrer sich nicht bewähren wird, so kann der D. I. G. B. eine neue Versammlung berufen, wo vielleicht die Lehrer selbst das Wort ergreifen. Dr. Jutrosiusky bemerkt, daß beide Anträge denselben Endzweck verfolgen, nämlich, daß nach mehreren Jahren die Lehrer uns das Resultat ihrer Systeme mitthcilen. Wir werden neue Gesichtspunkte erfahren und auf Grund praktischer Erfahrungen werden wir einen Plan erhalten, der ein Normalplan genannt werden kann. Dr. Jakobsohn: „Wollen Sic, m. H., 5—6 Normalpläne versenden? Es ist unmöglich mit einem solchen Vorhaben an die Oeffentlichkeit zu treten. Jeder Lehrer würde den Kopf darüber schütteln, denn der eine Plan hebt vielleicht de» andern auf und die einklassigen Volksschulen haben ein einheitliches System zu bewahren. Dr. Stein: „M. H.! Vertheilen Sie die Lehrpläne noch einmal, dann erhalten Sie anstatt der bisherigen 70 Gutachten tausend. Es bleibt nichts anderes übrig, als von den vorliegenden Plänen den relativ besten zu wählen und nach den Gutachten die Verbesserungen vorzunehinen. Dr. Kirschsteiu: „Wir in Berlin haben von vornherein daran gezweifelt, daß ein Normalplau zu Stande kommen könne, ja, wir hatten sogar darüber Gewißheit. Wir habe» mit Berücksichtigung der verschiedenen Nichtuugeu und Verhältnisse die Möglichkeit eines Nsrmalplancs nicht zugebcu wollen. Gestern beriechen Vertrauensmänner über den hebräischen llntcrricht und Gcbetübcrsetzcn und kamen zu dem Resultate, eine Einigung würde unmöglich sein. Ich sage Ihnen: nicht bloß über die einzelnen Punkte, sondern nicht einmal über die generellen wird eine Einigung möglich sein. Ich halte es für kein Unglück, sondern für etwas Gntes im Judenthum, daß jede Richtung ihre Vertreter habe und frei nach ihren Prinzipien sich enwickcln. Wir wollen keinen Zwang, nichts obligatorisches. Die niederznsetzcnde Kommission wird sich ebensowenig einigen, wie wir es können. Das günstigste Resultat der Verhandlung ist es, daß wir keinen Normalplan zu Stande bringen. Ein solcher ist nicht möglich, nicht nützlich, nicht nöthig." Die Versammlung schreitet zur Abstimmung. Ter erste Antrag, von dessen zwölf Unterzeichnern vier ihre Unterschrift zurnckziehcn, wird von der Majorität abgclehnt. (Dafür stimmen: Bin men au (Bielefeld), Eschelbach er (Brnchsal), Fauerbach (Hildcshcim) Jako b s o h n (Leipzig), Krone r (Erfurt), P r a g e r (Hannover), Werner (Danzig), Zuckermandcl (Trier). Dagegen wird der Antrag Bärwald angenommen; acht Herren stimmten dagegen. In längerer Rede refcriren nunmehr Dr. V og el ft e i n (Stettin) über Hebräisch Lesen und Gcbetübersetzen und Dr. Kroner (Erfurt) über den Pentateuch. Dr. Voge (stein: „Das Ziel des Unterrichtes sei geläufiges, grammatisch richtiges Lesen der Gebete, vcrständnißvollcs Ucbcrsctzcn der wichtigsten Gebetstückc und völlige Vertrautheit mit dem Gcbctritus. Beginn des Unterrichtes zu Anfang des zweiten Schuljahres, wenn das Kind Deutsch lesen kann; Dauer des Unterrichtes sieben Jahre. Stundenzahl in der einklassigen Elementarschule wöchentlich 6 Stunden (1 für jede Stufe), für die einkl. Religionsschule 5 Stunden, in der mehrklass. Religionsschulc in jeder Klasse 2 Stunden. Der Besuch des Gottesdienstes ist den Schülern eindringlich zu empfehlen, zugleich ist von Zeit zu Zeit (!) in Anschluß an den Nachmittagsunterricht das Minchagebet zu verrichten. Das Streben der Commission geht dahin, daß der Lehrplan dem Gedanken Rechnung trage, die Schüler sollen mit den Gebeten vertrant werden und besonders die Pflichtgebete kennen, von dem Ucbrigen das „Schönste und Beste." Dieser Thcil des Planes wird, soweit er sich auf das Generelle bezieht, auf einen Antrag Dr. Maybaum en bloc angenommen. Dr. Kroner (Referent über Pentateuch): „Um das Kind in der Religion zu erziehen, ist es