Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1885)
- Date
- 1885-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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20 au« wenigen Jahrgängen bestehen zu lassen. Als Grenze der Schulzeit ist das 14. Jahr angenommen. Gleichzeitig sollen nur zwei Abtheilungen beschäftigt werden. Die Fassung des Referentenplanes wird nach kurzer Discnssion, au der sich Iraner (Erfurt), Treu (Münster) und Prager (Hannover) bctheiligen, angenommen. Dr. Zuckermandel (Trier) referirt jetzt über die Zeit, in der die einzelnen Lehrgegenstände vorgctragen 'werden sollen. Als Minimum seien acht Unterrichtsstunden in der Woche angesetzt worden. Die Negierung habe hiergegen kein gesetzliches Bedenken, wie der Schulrath Dr. B. in Erfurt Herrn Dr. Kroncr offiziell in seinem Namen zu erklären berechtigt hat. Für die Mittelstufe sind 2 halbe St.-Gebetübersetzen, für die Oberstufe 2 halbe Stunden bibl. G. (combinirt mit der Mittelstufe), 2 halbe St. heilige Schrift und 2 halbe St. Religionslehre angesetzt. Für die Unterstufe hat die Rcferenten- Eommission 2 halbe St. biblische Geschichte und 2 halbe Stunden Hebrvisch Lesen und Uebcrsetzcn bestimmt. D r. W e r n e r (Danzig) beantragt in der Unterstufe die Zeit für die bibl. Gesch. auf eine halbe Stunde zu rcduciren und das Hebräisch Lesen auf 1 '!■> Stunden fcstzustellen, da bei zweistündigem wöchentlichen Unterrichte, also bei 80 Stunden jährlich, die Binder unmöglich Hebräisch Lesen und Ucbes. und bibl. Gesch. erlernten, so verlassen zahlreiche Kinder die Schule, ohne gehörig „dawncu" zu können und dies rühre nnr von der Vernachlässigung des Hebräischen in den Unterstufen her. Für Geschichte sei später mehr Zeit vorhanden, wenn das Kind entwickelt wäre und den Inhalt des Borgetragenen besser beherzigen könne. Biblische Geschichte lasse sich nachholc», nie und nimmer aber das Lesen. Dr. Bo ge Ist ein betont, das; auch das Gemüth durch die Geschichte angeregt werde; eine halbe Stunde Lesen genüge, zumal das Kind in der Unterstufe auch erst Deutsch Lesen lernen müsse. Dr. Eschclbacher beantragt: Hebr. Lesen 2 St., bibl. Gesch. und Religionslehre 2 halbe Stunden. K l i n g e n st ei n: Die bibl. Geschichte mit Lehr- und Nutzanwendung ist nach meiner religiösen Ueberzengnng die Grundlage des Unterrichts, denn cs macht das'Gemüth zur Annahme der relig. Lehren fähig. D r. Eschelba ch c r: Allerdings muß das Gemüth des Kindes gewonnen werden; cs handelt sich aber nicht um Gemüthsäußerung, das Gefühl erwächst erst aus einer genauen Kenntnis;. Dr. Int rosin sky: Im Namen der schwächlichen und unmündigen Kinder mache ich darauf aufmerksam, daß, wenn wir mit dem hebr. Unterrichte im 6. Jahre beginnen, durch die gleichzeitige Erlernung zweier Sprachen das Gehirn des Kindes ruiuirt wird. Verderben Sie dem Kinde nicht die Lust am hebr. Unterrichte! Im Anschluß hieran entwickelt sich eine Debatte über die Frage, ob der hebr. Unterricht mit dem ersten, zweiten oder dritten Halbjahre zu beginnen habe. Namens der Kommission erklärt Dr.Kroner, daß cs pädagogisch nicht rathsam sei, zwei Sprachen zugleich erlernen zu lassen. Zulässig sei bei begabteren Schülern der Unterricht im Hebräischen schon bei Beginn des zweiten Semesters. Und, wenn Sie m. H. noch so zeitig beginnen und 10 halbe St. wöchentlich unterrichten, so nützt alles nichts, sobald das Kind nicht in die Synagoge geht und nicht zu Hanse zum Beten angehalten wird. Lehrer Kohn: Unsere Vorfahren haben ihre.Kinder schon im Merten Jahre mit Hebräisch belästigt, wir sind davon adgekommcn. Wer Gelegenheit hat, ein Kind in der ersten.Schulzeit zu beobachten und zu sehen, wie es mit vollen, rothen Bäckchen in die Schule kommt, diese nach einigen Wochen immer dünner und blässer werden, der darf cs nicht verlangen, daß die Kinder so gequält und geschwächt werden. Wir begehen damit ein Verbrechen an der Jugend. Der Präsident verliest den Antrag der Kommission: „Der hebr. Unterricht beginnt erst, wenn das Kind deutsch lesen kann, frühestens im zweiten Semester." Während Dr. Bürwald, EorncliuS, Klingenstein sich gegen die gleichzeitige Erlernung zweier Sprachen wenden und cs als unpädagogisch hinstellen, protestkrt Seminardicector Tr. Prager mit Entschiedenheit dagegen, als ob hierdurch das Kind ruiuirt wurde. „Stünde es wirklich so, daß die Backen des Kindes verloren gehen, das Hirn angestrengt, die Gesundheit untergraben wird, dann können wir überhaupt den ganzen Religionsunterricht fallen lassen. Thatsache ist es, das; nach den Bestimmungen des Ministeriums für die unterste Stufe der einklaffigen christlichen Volksschule 20 Unterrichtsstunden angesetzt sind, von denen vier ans Religion fallen; man hat nicht befürchtet, daß Backen und Hirn darunter leiden. Trotzdem will die Kommission die vier Stunden auf eine einzige, nämlich 2 halbe Stunden biblische Geschichte, rcduciren. Sie haben also nicht nur die vorschriftsmäßige Stundenzahl angesetzt, sondern sogar drei Stunden davon genommen. Mindestens muß mit dem Hebräischen begonnen werden, sobald das Kind das deutsche Alphabet gelernt hat, das wäre mit dem Beginne des zweiten Semesters." Bei der Abstimmung wird ein Antrag auf sofortigen Beginn des Hebräischen im ersten Semester gegen.die Stimme des Dr. Eschclbacher abgelehnt, ebenso ein Antrag mit dem zweiten Semester zu beginnen; dafür stimmen: E s ch e l b a ch e r (Bruchsal), Fe ilchenfeld