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Der Israelit · 1885-01-08 · Heft 2 (8.1.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 2 (8.1.1885)
Date
1885-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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18 Eintritt erlangt hatten. Zwar erklärte der Vorsitzende des Gemcindebundes gleich bei Beginn der Verhandlungen, das; er jede Verantwortung für den Gang derselben ablehnen müsse. Was Sie Gutes wirken, ist Ihr Verdienst, erfahren Sie Tadel, so tragen Sie die Verantwortung, des D.-J. G.-B. weist jede Verantwortung zurück. Aber auch diese wirklich naive Auffassung des Leiters des Gemeinde- Bundes dürfte von allen logisch Denkenden nicht gebilligt werden. Wenn ein Führer ein Heer in einen Engpaß geführt hat, wo es unter ungünstigen Verhältnissen mit einem numerisch überlegenen Feinde kämpfen muß, so wäre cs ungereimt, wollte er die Verantwortung für einen ungünstigen Ausgang von seinen Schultern abwälzen; gerade so lächerlich scheint es uns, daß der Gemeindebund, der die Zusammensetzung der Versammlung verschuldet, und dafür gesorgt hat, daß die enrangirtestcn Reformer darin ihren Platz finden, jetzt mit uuschuldsvoller Miene — wohl in dem Gefühl, daß die Verhandlungen sein Ansehen zu discrcditiren geeignet sind — jeder Verantwortung für dieses sein eigenes Werk entsagt. Hat der Gemeindebund bei der Einladung zur Theilnahme an der Versammlung wirklich unparteiisch verfahren? Er lud die Direktoren der Lehrerseminare ein. Gut. Er erweiterte seine Einladung auf die Dcligirten der Lehrervereine. Gut. Was aber berechtigte ihn, noch die Vertreter der Großgemeinden — d. h. doch wohl nur Berlin, denn Hamburg z. B. war nicht eingeladen (vielleicht weil es gesetzestreue Delegirte entsendet hätte?!) zur Beschickung der Versammlung aufzufordern? Was hat die „Großgemeinde" Berlin mit dem Normalplan für einklassige Volksschulen, die es nur auf dem Lande gibt, zu thun? Was hatten insbesondere die drei Rabbiner in der Versammlung zu thun, deren ganze Schnlthätigkeit darin besteht, daß sie bisweilen über den Religionsunterricht predigen? Mit welchem Recht hat der Gemeindebund ferner „die Mitarbeiter an dem früheren — Berliner — Plan" — d. h. lauter Reformhelden — eingeladen? Freilich wäre das Gesammtresnltat durch eine andere Zusannnensetzung des Congreffes nicht beeinflußt worden; aber da, wo es zur Abstimmung kam, z. B. bei der Frage über Zerstückelung der Eapitel des Pentateuchs wäre die Entscheidung ganz anders ausgefallen. Daß es bei dieser Zusammensetzung der Versammlung an peinlichen Auftritten nicht fehlen würde, war für denjenigen von vornherein klar, der die Intoleranz und die fanatische Verfolgungswuth und die Selbstüberhebung der Berliner Reformer kennt. Die gesetzestreuen Mitglieder desEongresses mußten es mit anhören, daß der bekannte Dr. Maybaum sie bei der Frage, ob die einzelnen Kapitel der Thora zerrissen werden dürften (wie es der Berliner Plan forderte, der von einem Eapitel z. B. den 1, 10, 15, 27, 39. Vers gelernt wissen wollte) „im Namen der Humanität, im Namen der Sittlichkeit, im Namen der Moral" davor warnte Verse, wie ,ui mcrtf nin n« j?t dimi den Kindern zu lehren! — dieser Mann, welcher der Sittlichkeit und der Moral an jedem Sabbat, an jedem Festtag ins Gesicht schlägt, au welchem er von „göttlicher Offenbarung" redet, die er leugnet, von der „Gottesmission Mosis", den er in seinen Schriften für einen „Hieromanten" erklärt. Sie mußte es mit anhören, daß Prof. Steinthal mit salbungsvollem Tone den Wunsch aussprach, alle Kinder möchten so gute Juden werden wie er (wer lacht da?), derselbe Prof. Steinthal, der in einer seiner Schriften den Satz ausspricht; „die Begriffe Gottheit und Auferstehung sind mir wie lose Steine unter den Fingern zerbröckelt". Ter so lange in den Gemüthcrn gährende Unwille kam aber zum offenen lärmenden Ausbruch, als Dr. Kirsteiu den „Much" besaß, eine Versammlung von jüdischen Lehrern und Rabbinern gegenüber die Opfergesetze, einen Abschnitt der Thora, inhärirenden Bestandtheil des Religionsgesetzes, für abgetragen ('??) und „unzeitgemäß" zu erklären. „Werfen Sie in die Rumpelkammer, was dorthin gehört, und was tobt ist, wollen wir begraben. Wir bedauern es lebhaft, daß diesem Herrn, der die eigenthümliche Methode befolgt, schon unreifenKindern „die Sagen" von Abraham, Jsaac und Jacob, die „Legende" von Jona zu erzählen, nicht die gebührende Abfertigung zu Theil wurde. Noch mehr befremdet es uns, ja, es erscheint uns unerklärlich, daß die anwesenden Rabbiner die.Kühnheit des Prof. Steinthal unbeantwortet ließen, der als Gesinnungsgenossen seines Freundes Kirftein den Propheten Jeremias hinstcllen wollte, den er entweder nicht verstanden oder absichtlich mißdeutet hat. Daß die Versammlung resnltatlos verlaufen würde, wußten wir; daß sie sich aber so unsterblich blamiren würde, hätten wir nicht gedacht. Die jüdische Lehrerwelt wird cs also versuchen müssen, liod) eine zeitlang ohne Normalplan fertig zu werden und wird sich nur in Acht nehmen müssen, daß die fünf an sie mit Beschluß der Versammlung verschickten Normalpläne nicht in ihren Köpfen dieselbe heillose Verwirrung anrichten, wie sie während eines großen Theils der Verhandlungen geherrscht hat. Der größte Hohn, der aber der Versammlung angethan wurde, bestand in der Schlußrede des Ehren-

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