Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1885)
- Date
- 1885-01-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449505--21428-2511003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXVI. Jahrgang. Beilage ju Nr. 1 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Dezember. Ein echt jüdische s Freudenfest war es, das der seminaristische Verein „Dibbuk Chawerim" in den Prachträumen des „Norddeutschen Hofes" am Dienstag Abend feierte, und dem Ihr Berichterstatter bciznwohnen die Ehre hatte. Die Leser Ihres geschätzten Blattes werden fragen: „Wer ist der Verein Dibbuk Chawerim?" Vor sechs Jahren haben Hierselbst in der richtigen Erkenntnis;, daß nur gemeinsame Kräfte zum Ziele führen, die Hörer des Rabbiner-Seminars eine Verbindung mit der Tendenz ins Leben gerufen, alle Genoß en durch ein auf gemeinsamer geistiger Anregung beruhendes Freundschaftsband zu umschließen und über die Studienjahre hinaus für das ganze Leben zu gemeinsamer, rüstiger Arbeit zu verbinden. In diesem Jahre nun hat der Verein die engen Grenzen seiner bisherigen Wirksamkeit überschritten und alle ehemaligen Schüler des Rabbiner- Seminars in seinen Kreis gezogen. Aus weiter Ferne waren viele Vereinsmitglieder von ihren Rabbinatssitzen herbeigeeilt, um das Stiftungsfest in freudiger Rückerinnernng mit den Commilitonen gemeinsam zu begehen. Als Vertreter der früheren Hörer des Seminars war Herr Pr ov i nzi alrabbin er Dr. Cahn aus Fulda erschienen. Das Fest, welches auf zwei Abende vertheilt war, nahm einen in jeder Beziehung gläilzenden Verlauf. Der auf's Prächtigste dccorirte Festsaal bot einen überraschend schönen Anblick. Mit rühmcnswerthem Eifer hatte der Besitzer des „Casselschen Hotels", Herr L. Peltesohn, der, nebenbei bemerkt, auch das vorzügliche Menu lieferte, alles aufgebotcn, um das RenommLe seiner Firma zu wahren. Der Saal schien in einen blühenden Garten verwandelt zu sein; Blumengewinde umranktcn die Tafel, Hunderte von Kerzen ließen den Festraum in einem Flammenmeer erstrahlen. Außer den auswärtigen Rabbinen nahmen alle Herren Docenten mit ihren Damen, sowie eine stattliche Anzahl erwählter Gäste am Feste Theil. Von den vielen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Nummern des Programms erwähnen wir nur die herzlichen Begrnßnngsworte des Vorsitzenden, an die sich ein schwungvoller Vortrag eines älteren Hörers über „Hellenismus und Judaismus" anschloß. Schon während dieser Rede war eine Fluth von Telegrammen eingelaufen, von denen eine herzliche Begrüßungs-Depesche des Rektors aus Altona stürmischen Jubel hervorrief. Auf einen Toast, welcher auf die Docenten ausgcbracht wurde, antwortete im Namen derselben Herr Rabbiner Dr. Salomon Cohn. In zündenden Worten wies der Redner auf die denkwürdigen Heldenthaten der Makkabäer hin und verherrlichte jene tapferen Kämpfer als die leuchtenden Vorkämpfer heiliger Begeisterung für die Sache unseres Glaubens. Mit einem feurigen Appell an seine „jungen Freunde", stets mit dem Muthe der Ueberzeugung für das göttliche Wort einzutreten, doch nie zu vergessen, das es auch ihr Beruf sei, das Samenkorn des Friedens ausznstreuen, schloß der gefeierte Kanzelredner seine Ansprache. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Kahn das Wort zu einer längeren Rede, bei welcher der Festesjnbel den Gipfelpunkt erreichte. Unmöglich können diese Zeilen den Gang der Rede auch nur in großen Strichen zeichnen und ebenso wenig die mächtige Wirkung wiedergeben, welche sie erzielte. Heitere und ernste Festgesäuge in hebräischer und deutscher Sprache würzten das Mahl, welches von acht bis zwei Uhr währte. Kurz vor dem Tischgebete feierte noch Herr D r.Be r l i u e r in glanzvoller Ansprache die Tendenz des Rabbiner- Seminars, indem er zwischen denk deutschen Jndcnthum der vierziger Jahre und der Neuzeit eine Parallele zog. Schließlich erhob sich Herr Rabbiner Dr. Baneth ans Krotischin zu einigen ebenso formvollendeten, wie tiefempfundenen Worten. Mit einem vorzüglich gelungenen Festspiel schloß um 3 Uhr Morgens des Stiftungsfestes „erster Theil". — Am Mittwoch Abend versammelten sich Mitglieder und Gäste zu einem solennen Festcommers im „Casselschen Hotel". Dem Commerse ging ein streng wissenschaftlicher, 1'/...stündiger Vortrag des Herrn Rabbiner D r. Baneth über die „M a s s o r a h" voraus. In eingehender Weise behandelte der Redner den Ursprung, die Bedeutung und die Geschichte der „Massorah". Der Vortrag wird voraussichtlich dem Drucke übergeben werden und nicht verfehlen,