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Der Israelit · 1885-01-05 · Heft 1 (5.1.1885) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 1 (5.1.1885)
Date
1885-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 Liebe gebracht, ist ein vergebliches; ans das Glück euch Beide zur Vereinigung unter den Trauhiunnel zu sehen, müssen wir verzichten .... Der Staat betrachtet meine Ehe mit Deiner Mutter als eine ungiltige, in seinen Angen bist Du ein unehelich Kind, Du wirst nie den Eheconsens erlangen können; — und jeden Augenblick erwarte ich, daß der Oberamtmann seinen Diener schickt. Deine Mutter zu vertreiben! .... Es ist das ein entsetzliches Elend, das mir sogar die schöne Stunde des Wiedersehens trübt!" Ein Helles, frohes, lautes, das Mutterohr entzückendes Lachen entquoll der mächtigen, breiten Brust des jungen Kriegsmanns. „Du irrst Vater," sprach er, „das Elend ist durch Gottes Gnade vorüber. Ich Hab' Dir's ja gesagt, ich bringe Glück, großes Glück für uns Alle, Du hast den Oberamtmann nicht zu fürchten. Es ist ein altes, gutes Sprichwort, es gibt Herren über Herren, — uns schützt ein viel Höherer'" „Du irrst, mein lieber Sohn," erwiderte Blochner tiefbekümmert, „uns kann und will kein Mensch auf Erden helfen; — nicht einmal der Kaiser!" Blochner seufzte tief auf, bei der Erinnerung an dessen letzte Aeußerung. „Ja, ja," fuhr Blochner seine Stimme senkend fort, „der Kaiser war bei niir, saß hier an dieser Stelle, aß hier an meinem Tische .... ich hatte schon geglaubt, der gütige Gott habe mir ein Wunder erwiesen mtb ihn zu meiner Rettung herbeigcführt: — aber er war ungnädig, er ließ mich hart an, — er wolle uns nicht helfen, sprach er, — noch jetzt zu hoffen, wäre Wahnsinn! .... „Lächle nicht, mein Sohn, ich scherze wahrhaftig nicht, bin auch nicht trunken, ich Hab' ja vor Angst weder Speis' noch Trank zu mir genommen; und mein Sohn, ich bin auch nicht verrückt, obwohl's kein Wunder war', wär' ich's geworden! Ah!" Blochner stöhnte tief auf und Eva und Lea blickten in höchster Spannung in Davids Gesicht, das unverändert heiter blieb. „Ich weiß, daß nufer Kaiser hier gewesen, aber als Du ihn um Gnade angefleht, da hatte er eine der schwersten Stunden seines Lebens zu überstehen, da war er ja selbst auf der Flucht, — es war nicht der geeignete Moment; er war erbittert und daher auch nicht geneigt, Deine Wünsche zu erfüllen; — aber ich — ich brachte ihm frohe Kunde; — als Botenlohn darf auch ich, euch frohe Kunde bringen! .... ich wiederhole das Wort, das ich beim Eintritte gesprochen: ich bringe Glück, so groß, daß ich's nicht schildern kann! .... Danken wir Gott, der wundervoll Alles zum Guten hat gewendet. Doch ich bin müde, ich habe einen scharfen Ritt hierher gemacht, und die Strapazen der letzten Tage waren außerordentlich groß und hart. Ein Glas Wasser, mein liebes, süßes Bräutchen! Gönnt mir nur eine kurze Erholung, ich habe seit drei Tagen keine ordentliche Mahlzeit abgehalten, — dann werde ich euch ausführlich berichten, zu welchen! hohen Dank wir gegen Gott verpflichtet." Lea schenkte David rasch ein Glas Wasser ein, dann brachte sie, so hurtig als sie es mit ihren vor freudiger Aufregung zitternden Füßen zu thun vermochte, das frugale Mahl, das sie für ihre Pflegeeltern bereitet, und das diese nicht berührt hatten und stellte es vor den lieben, unerwarteten Gast. Veit Blochner und seine Frau konnten sich gar nicht vorstellen, daß sich ihre Lage plötzlich zum Guten gewendet; sie glaubten zu träumen und fürchteten zu erwachen. Lea aber sprach: „Ich hatte stets, auch im tiefsten Elende, auf Gott vertraut, ich hatte nie verzweifelt!" (Fortsetzung folgt.) „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandluitgen und Postänrter nehnien Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rauin. — Oesterceichischc Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Zu Paraschath Schemoth. — Die Telegirtenkouserenz deutscher Schulmänner. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Schlüchtern. AuS Schlesien. Leivzig. — Rumänien: Bukarest. — England: London. — Rußland: Petersburg.— Amerika: New-2)ork.— Persien: Teheran.— Feuilleton: Der Courier. Inhalt dev Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Homburg. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Prag. 2mal Pesth. Neupest. Aus Erlau. — Frankreich: Paris..— England: London. Portsea. — Egypten: Alexandrien. — Afrika: Tanger. — - - Inhalt der Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse. ' /" Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 45. . Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz. / (Hierzu zwei Beilagen.) . - ■ ■ ■ ' * ■ ' - ' : ■ ■ . / '

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