Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1885)
- Date
- 1885-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 sollte, konnte man nichts Gedeihliches schassen, sodann aber haben die religiösen Gegensätze, die in der Versammlung so scharf in die Erscheinung traten, die Unmöglichkeit eines Normalplancs, der allen Richtungen gleich genehm ist, zur Evidenz erwiesen. Und es ist gut, das; es so gekommen. Wir lassen zunächst ein o b j c c t i v e s eingehendes Referat über die Verhandlungen folgen und behalten uns einen kritischen Ueberblick vor, wenn der ganze Bericht unseren Lesern vorliegcn wird.. ' U. Berlin, 29. Dezember. Heute, Montag, Vormittag um in llhr wurde in der Aula der jüdischen Gemeinde-Knabenschule die Delegirteukonferenz deutscher Lehrer behufs Ausarbeitung eines Normalplancs für die einklassige Volksschule vom Geh. Sanitätsrath Dr. K r i st e l l e r im Namen des Deutsch-Israel. Gemcindcbnndes, aus dessen Beschluß die Versammlung angeregt und einberufen worden war, eröffnet. Im Zuschancrraum bemerken wir u. a. die Herren Dr. Rahmer, Dr. Levin (Prediger an der Rcformgcmeinde), Gustav Karpelcs, Dr. Dentschländer. Anwesend sind nach den Mittheilungen des Redners, Herrn Dr. Kristeller, 26 stimmberechtigte Mitglieder. Von den eingeladenen Mitgliedern sind theils wegen der weite» Reise, thcils ans Gesundheitsrücksichten, theils durch Bcrufspflichten verhindert, nicht erschienen: Die Herren Rabbiner Dr. Feilch en sc ld (Posen), Dr. Plato-(Köln), N. Ba m b erg er(Würzbnrg), Tr. Bloch (Posen), Scminardircctor S t ei n b e r g (Münster), D r. E o h n (Potsdam.) „Die Delcgirtcn des Ausschusses des D.-J. G.-B., die Herren Dr. Jutrosinsky und Cohn, sind wohl berechtigt mitznberathcn, aber nicht mitzustimmen." *) Wir alle kennen das herrliche Wort unserer Weisen: „Auf dem Hauche der lernenden Jugend ruht die Welt" — nicht die Welt von Staub und Stein, sondern die Culturwelt. Tragen Sie dazu bei, unsere erhabene Aufgabe zu verwirklichen." Nach dieser Rede conslitnirte sich das Büreau. Auf Vorschlag Dr. Vogelstcins (Stettin) werden per Acclamation gewählt zu Präsidenten: D r. B a m b e r g e r (Königsberg), D r. B ä r w a l d (Frankfurt a. M.),Dr. Samuel so hu (Breslau); zu Schriftführern Dr. Eschelbacher (Bruchsal) *) Diese beiden Herren haben sich trotzdem fast bei allen Abstimmungen betheiligt. Dr. jutrosinsky ist Direktor des unter der Verwaltung der hiesigen Synagogengemeinde stehenden Rcichenheim schen Waisenhauses. Herr tsohn ist Lehrer an der Knabenschnlc der hiesigen Synagogrngemeinde. Das Urtheil über die Handlungsweise dieser beiden Herren überlassen wir der Oesscntlichkeit. und Gutkind (Cassel); zum Quästor Klingenstein (Ober-Ingelheim). Hierauf begrüßt Justizrath Dr. Mayer im Name» des Vorstandes der Berliner Synagogeugcmeinde und des Schul.erbandcs die Anwesenden mit herzlichen Worten. Die Versammlung sei ein sprechender Beweis dafür, daß alle von den gleichen Gesinnungen durchdrungen, herbcigecilt wären aus allen Gauen des lieben Vaterlandes, um ein deutsches Werk zu vollenden, um einzutreten für eine systeinatische Gestaltung unseres Religionsunterrichtes. Unser Werk ist für ganz Deutschland von hervorragendes Bedeutung und Wichtigkeit: wir wollen unsere Kinder ausrüstc», damit sie einst ekutreten können für das Vaterland und für die Erbgüter unseres heiligen Glaubens." Prof. Dr. Steinthal hält nunmehr seinen einleitenden Vortrag. „Ich mutz gestehen, ich bin ergriffen von der Thatsache, daß wir alle hierher gekommen mit den; Wunsche, eine Einigung herbeizuführen, leider aber stimmen Wunsch und 'Ausführung merkwürdig in diesem Falle so wenig überein. Lassen wir die Befürchtungen fallen und versuchen wir, wie weit wir den Weg gemeinsam fortsctzcn können, wie fern der Punkt liegt, wo etwa unversöhnliche Gegensätze auf einander stoßen. Unsere Aufgabe ist eine rein technische, wir sind eine Versammlung von Lehrern, wir bilden kein Concil von Theologen, keine Rabbincrvcrsammlnng. Allerdings ist der Lehrgegenstand die Religion, die religiöse Ucberzcngnng wird gewiß ans die Ansichten des Einzelnen Einfluß üben, ich bitte sie aber, diese religiöse Ucbcrzcngnng nicht in die Debatte zu ziehen. Bedenken Sie bei der Festsetzung des Normalplancs: jedes Kind hat heute allerlei Sprach- und Nealwissenschaft zu lernen, auch Künste zu studiren. Die Lehrer in den Provinzen erwarten etwas von uns, erwarten,daß eine schwere Arbeit, die noch auf ihnen liegt, von ihnen genommen werde: dasjenige auszusuchen, was das geeignetste ist, Religiosität zu erwecken. Möge es Ihnen gelingen, etwas beizntragcn zum Unterrichte der jüdischen Jugend." Im Namen des Gemeindebuudcs gibt Dr. Kristeller folgende Erklärung ab: „M. H.! Die Gcsammtarbcit des D.-J.G.-B., seine Existenz und Lebensfähigkeit ist wichtiger als jede Einzelarbeit innerhalb der Abthcilnugen. Wir müssen uns daher hüten, irgend etwas zu thun oder zu lassen, was den Bestand des D.-J. G.-B. gefährden könnte. Wir erklären hiemit: Der D.-J. G.-B. vertritt keine Partei, sein Bestreben ist es vielmehr, die ganze Jndenheit Deutschlands zu umfassen. Da er nun, weder rechts noch links stehend, keine Sonderinteresscn zu vertreten hat, so lehnt er