Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1885)
- Date
- 1885-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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2 lehre? Diese Zunge, der die köstlichsten Perlen göttlicher Lehren entströmten, wird von Hunden verzehrt!" In eineni anscheinend unverständlichen Midrasch belehren uns unsere Weisen, wie wir im Hinblicke aus derartige Vorkommnisse zu denken haben. Gleich beim Beginne des zweiten Luches Moses heißt es im Midrasch Thanchuma (angeführt im Jalkut) -,ecr zinzn icNir nt, '?hw'V' '22 mctr •.“jrflnn p ch1?« „Und dieses sind die Namen der Söhne Israels. Das ist's, was die heilige Schrift sagt: Wie Dein Name, 0 Gott, so ist Tein Ruhm." (Ps. 48. V. 11.) Die weisen Erklärer belehren uns in Bezug auf den Sinn dieses schwerverständlicheu Midrasch. Der Gottesname ist die Bezeichnung des strengen Richters, während der <v;n Dir der Ausdruck des Erbarmens ist. Im Anfänge der Schöpfungsgeschichte finden wir nur den Namen cn?» erwähnt. Als aber der Mensch erschaffen war, dem Gott die Freiheit des Willens verliehen, da verband Er mit dem strengen Gerichte das Erbarmen, damit der irrende Mensch nicht sofort erliege, sondern sich wieder aufzurichten Gelegenheit finde an der Gnade des allbarmherzigen Gottes. Nur mit den Frommen, die unverbrüchlich fest an Ihm halten, verfährt Gott in dieser Welt nach strengem Recht, um ihnen die Herrlichkeit und Seligkeit der zukünftigen Welt voll und ganz zu Theil werden zu lassen. Und diese Frommen sind es, die den Ruhm Gottes ans Erden verkünden. Sie gereichen znm Muster und Beispiel der Mitwelt und den kommenden Geschlechtern. Sic leiden und dulden und werden nicht einen Augenblick wankend in der Liebe und in der Treue zn ihrem Vater im Himmel. Sie sind es, deren Gott sich gleichsam rühmt. Ein solcher Mann war Amram, der Vater Moscheh's. In Mizrajim geboren, hcrangewachsen und gestorben, erlebte er die Befreiung nicht mehr. Abertrotz alles Elends und Kummers wurde er nicht irre an der Gerechtigkeit des Herrn des Weltalls. So erzog er seine Kinder Moscheh, Ahron und Mirjam, die da der Ruhm und der Preis des Menschengeschlechts geworden sind, und als Gott sich zum ersten Male Seinem Diener Moscheh offenbarte, sprach Er: 'T?n Ti» 'nyni pr,2' n1?» crrc» '1?» ^t». „Ich bin der Gott Deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Jizchaks, der Gott Jakobs." (2. B. M., E. 3, V. 0.) Gott stellte den Amram den großen Vätern unseres Volkes voran, weil Amram Gott lediglich als Richter kennen gelernt und trotzdem in unwandelbarer Liebe zu Ihm ansgeharrt hatte. So rühmt sich Gott gleichsam d er Frommen, die durch Leiden und Kummer sich nicht beirren lassen, ^rrtnn p d'-D» -jobt. Wie Dein Name Elohim, die Bezeichnung der strengen Gerechtigkeit, so ist Dein Ruhm. Diejenigen, die hier auf Erden zu dulden und zu leiden haben ohne zu verzweifeln und zu verzagen, sie sind es, die durch ihr Beispiel den Ruhm der göttlichen Vorsehung verkünden. So waren die edlen Männer und Frauen, die mit übermenschlicher Geduld in dem eisernen Schmelztiegel der ägyptischen Sklaverei gelitten haben. Das will uns der Midrasch zu Herzen führen. . y\r\zn idkit nt tu müst rvw .-|rY?nn p üvY?n pjQnr Jene Geschlechter, die in Mizrajim unsäglich leiden mußten und das Glück nicht schauen durften, sie gereichen für alte Zeiten der göttlichen Weltlenkung znm Ruhme. Wir wissen, daß ihre Leiden nothwendig waren; denn dadurch wurden die Nachkonnnen befähigt, Gottes auserkorenes Volk zu werden und am Sinai die Thora zu empfangen; sie hofften das, aber sie wußten es nicht. Aber sie verzweifelten nicht an Gottes Gerechtigkeit und Güte; sie erzogen Kinder wie Moscheh, Ahron, Mirjam, Josna, .Kaleb, Nachschon und viele Andere. Daher kräftigen sich die späten Nachkommen an ihrem erhabenen Beispiele und sprechen: Heil dem Manne, der Dein nicht vergißt, dem Erdensohne, der an Dir sich kräftigt; denn die, so Dich suchen, werde» nicht auf immer straucheln, und nicht werden für ewig zu erröthen brauchen Alle, die auf Dich vertrauen! — Die Aekegirlenjrslrferenz deutscher Schulmänner. Wie wir in der vorigen Nummer mittheilten, sollten am vergangenen Montag und Dienstag einige zwanzig deutsche Schulmänner in Berlin zusammentreten, um einen „Normalplan für den israelitischen Religionsunterricht in einklassigen Volksschulen" auszuarbciten. Die Versammlung hat stattgefunden und mit einem glänzenden Fiasko geendet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß alle auswärtige» Mitglieder der Versammlung mit den besten und reinsten Absichten hierhergeeilt waren, um ein gutes Werk zu vollenden, es ist auch nicht zweifelhaft, daß die Referenten mit rastlosem Eifer sich ihrer Aufgabe unterzogen; doch in der kurzen Spanne Zeit von zwei Tagen, in denen alles erledigt werde»