Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1885)
- Date
- 1885-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 1. Ein Zentral - Hrgan für das orthodoXe Zudenthum. Herausgegebcu von ör. Lehmann in Mainz. Montag, den 5. Januar 564» (1885). Leitende Artikel. Zu Karaschaty Schemotß. Mainz, 28. Dezember. Im Beginne des zweiten Buches der Gotteslehre wird uns die Jugendgeschichte unseres Volkes erzählt, die zum Nachdenken über das wunderbare Walten der göttlichen Vorsehung herausfordert. Schon dem Abraham hatte Gott verkündet: „Wissen, wissen sollst Du, daß Fremdlinge sein werden Deine Nachkommen in einem Lande, das ihnen nicht gehört, und sie werden ihnen dienen, und sie werden sie peinigen vierhundert Jahre." (1. B. M. C. 15. V. 13). Diese Verheißung ging nun in Erfüllung. Eine furchtbare Leidenszeit kam über die junge Nation, die sich erst eben aus einer Familie zu einem Volke entwickelt hatte. Als vornehme, angesehene Männer waren der Vater und die Brüder Josephs nach Mizrajim gekommen. Der König selbst hatte sie einladen lasten. Sie waren die nächsten Verwandten des mächtigen Beherrschers des Landes. Und sie waren fruchtbar und regten sich und mehrten sich und wurden stark gar sehr, gar sehr. Da brach das schon lange angedrohte Vcrhängniß über sie herein. Sie erregten den Neid und die Besorgniß des neuen Königs unb des Volkes, in dessen Mitte sie wohnten. Man zwang die freien Männer zu niederer Knechtschaft und peinigte sie und quälte sie auf die schrecklichste Weise. Während die Männer zu hartem Sklavendkenfte angehalten wurden, befahl man, die neugeborenen Knaben zu tödten. So sollte das ueuerstandene Volk im Keime vernichtet werden. Lange Zeit währte dies grauenhafte Elend. Geschlechter wurden geboren, wuchsen heran und starben in Gram und Kummer und Knechtschaft. „Denn alle unsere Tage schwinden dahin in Deinem Zorne, wir verbringen unsere Jahre nutzlos wie ein dahin fliehendes Wort." (Psalin C. 90, V. 9). So sprach der Mann, der Israels Befreier werden sollte im Nebermaße des Schmerzes, da er das scheinbar endlose Elend seines Volkes schaute. Was hatten diese Geschlechter verbrochen, die in Armnth und Niedrigkeit geboren wurden, die als erwachsene Männer unter der Peitsche erbarmungsloser Aufseher zusammenbrachen, die dahinstarben, ohne daß sie die Befreiung erschauen durstend Oft genug hat sich dieselbe Erscheinung im Laufe der Jahrtausende in der Geschichte unseres Volkes wiederholt. Auf kurze Perioden des Wohlstandes und des Glückes folgten langaudauernde Epochen des Kummers und des Elends, und mancher Führer seines Volkes hat mit Moscheh seufzend gebetet: „Erfreue uns so lange Zeit, wie Du uns gepeinigt Haft, wie die Jahre, da wir mir Schlimmes schauten." (Psalin 90. V. 15.) Nicht nur in der Geschichte unseres Volkes, sondern auch im Leben der Einzelnen ergeht es vielfach so. Männer und Frauen, hervorragend durch Tugend und Gottesfurcht, durch Wohlthätigkeit und Menschenliebe, straucheln auf ihren Wegen, sehen ihre Unternehmungen uiißlingcn, müsse» furchtbar leiden, während Andere von Genuß zu Genuß fliegen und den Becher der Freuden leeren von der Geburt an bis zum Tode. Schon Mancher hat sich durch solche Gedanken uud Beobachtungen verleite» lasten zu Zweifel, zu Abfall uud Sünde. Wird uns doch von Elischa ben Abujah erzählt, daß ihn eine solche Beobachtung auf den Weg der Sünde führte. Er sah, wie Hunde die Zunge eines der Edelsten und Besten verehrten, der von den Römern grausam hingemordct worden. Und er sprach: ui mm it. „Ist das der Lohn der Gottes-