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Der Israelit · 1884-12-30 · Heft 103 (30.12.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 103 (30.12.1884)
Date
1884-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1696 beit wurde, und damit endete, daß das Geschwornengericht Moskowicz verurteilte, trotzdem es sich herausstellte, daß Alles, was dieser über Baykor geschrieben , vollkommen der Wahrheit entspreche. Moskowicz meldete die Nichtigkeits-Beschwerde an, und es wurde eine zweite Verhandlung, auf MoskowKz's Verlangen in Pesth, anberaumt. Diese fand vorgestern statt, und endete damit, daß Geza Moskowicz zu 8 Monaten Gefängniß, 500 Gulden Geldstrafe und zur Tragung der Prozeßkosten von 2452 Gulden verurtheilt wurde. Die Verhandlung währte volle 19 Stunden. 27 Zeugen wurden verhört und alle 27 Zeugen bezeichneten Baykor als charakterlosen, gemein-gefährlichen Menschen. Fälschung der Protokolle, Peinigung von Zeugen, Mißbrauch der Amtsgewalt, Verleitung zu falschen Aussagen, diese und noch andere Verbrechen, die Baykor seit Jahren betreibt, wurden von fast allen Zeugen dem Bezirksrichter in die Augen gesagt. Ein Zeuge erhob zum Schluffe seines Verhörs flehentlich die Hände zu den Geschworenen und bat im Rainen des armen Rosenauer Volkes Baykor von dort zu entfernen, denn er richte das Volk zu Grunde. Mehrere Advokaten, die Stuhlrichter von Rosenau (allesammt Christen) bezeichneten Baykor als gefährlichen Lügner, als unwissenden und charakterlosen Menschen, der zu Allem fähig ist und gegen welchen seit Jahren Klagen geführt wurden, ohne aber je die geringste Strafe zu bewirken. Und nachdem 27 Znugen solche Aussagen gemacht hatten, sprach das Geschworenengericht Geza Moskowicz einstimmig schuldig, weil er sich über Baykor in einer Zeitung beleidigend geäußert hat. — Dieses Factum bedarf keines Kommentars, um so weniger, wenn man bedenkt, daß unter den Geschworenen der antisemitische Abgeordnete Geza Racz saß. Das Urtheil der Geschworenen wirft wieder ein grelles Schlaglicht auf unsere Lage und zeigt , welchen Zuständen wir entgegentreiben, wenn nicht eine kräftige Negierung Wandel schafft. (Jüd. Pest. Ztg.) -Rumänien. Bukarest. Der dahier erscheinende „Anmiar Pentru Israelit“ veröffentlicht ein altes Dokument vom Jahre 1591, aus welchem erhellt, daß um diese Zeit ein Israelit Prinz-Regent in der Moldau gewesen ist. Das Original-Document, welches in der Form eines Berichtes des außerordentlichen oesterr. Gesandten Dr. Bartholomew Pezzen in Constantinopel an den Erzherzog Ernst niedergeschrieben ist, befindet sich im Staatsarchiv zu Wien. Fr a n k rer ch. Paris. Der verstorbene L. M. Rothschild, der Gründer einer großen Bibliothek für die „All. Jsr." hat zur Erweiterung dieser Bibliothek 50,000 Fr. hinterlaffen. Außerdem hat er bestimmt, daß wenn seine Tochter Sara Halfon ohne Nachkommen sterben sollte, ein Viertel ihres Verniögens der „All. Jsr." für den gleichen Zweck zufallen soll. Paris. Der Subdirector der hiesigen Sternwarte, Herr Löwy, hat durch die Erfindung eines astronomischen Instrumentes die allgemeine Aufmerksamkeit der Astronomen auf sich gezogen. Verlnittelst desselben sind wichtige Beobachtungen am Sternenhimmel ermöglicht und eröffnen sich ganz neue Gesichtspunkte in dieser Wissenschaft. Rußland. Petersburg, 24. Dez. Bezüglich der Ermordung der.Sarah Becker, wegen welcher Oberstlieutenant Mironowitsch als Thäter verurtheilt wurde, machte zufolge Privatnachrichten aus Moskau ein junger Franzose bei den dortigen Behörden die Aussage, daß er Sarah Becker ermordet habe. Türke i. Konstantinopel. DieBlutbefchuldigung gegen die Juden von Tchorlon hat fiir diese und die Juden in der Umgegend mancherlei Verfolgungen seitens der christlichen Bevölkerung zur Folge gehabt. Um die griechische Bevölkerung zu beruhigen, hat der Patriarch von Konstantinovel den Bischof von Heracleum, in dessen Diöcese Tchorlon liegt, instrukrt, daß er seine Geistlichkeit auffordere, im Sinne des Friedens und der Eintracht zwischen den Juden und Christen zu predigen. In Konstantinopel hat das Oberhaupt der protestantischen Mission in der armenischen Kirche in einer Predigt das Absurde der Blutbeschnldigung nachgewiesen. Diese Predigt machte, auf die griechische Bevölkerung einen Liesen Eindruck. P a l ä stin a. Zahlreiche Juden in Palästina ernähren sich dadurch, daß sie allerhand schöne Arbeiten ans Olivenholz kunstvoll verfertigen und diese Gegenstände den das heilige Land besuchenden Reisenden als Andenken verkaufen. Die Missionsgefellschaft in Jerusalem wollte diesen Umstand benutzen, um jüdische Seelen

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