Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1884)
- Date
- 1884-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1691 1 Berlin, 27. Dez, Am Freitag Abend der vergangenen Woche begannen die populär-wissenschaftlichen Vorlesungen, welche in jedem Winter der. Verein „Sephat Emeth" veranstaltet. Den Reigen des Eyclus eröffnete Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer mit einem 1^/r ständigen, höchstspannenden Vortrage über ,,Die Palästinafrage seil der Zerstörung des zweiten Tempels." In lichtvoller Weise entrollte der Redner ein Bild von den bisherigen Bestrebungen der Zionsfreunde, unsere Brüder im Helligen Lande durch Gründung der verschiedensten Institute nach Kräften zu unterstützen und behandelte vornehmlich die Colonisationsfrage Palästina's, die gerade heute das allgemeinste Interesse erregt. Der Andrang des Publikums zu dem Vortrage war ein so großer, daß der Raum die Anzahl der Erschienenen bei weitem nicht zu fassen vermochte. Hanrrover, im Dezember. Herr Amtsrichter Dr. Simon von hier ist mit seiner Familie zur reformirten Kirche übergetreten. Dieses Ereigniß erregt hier großes Aufsehen — mit Unrecht; was soll derartige Menschen, die schon ganz unjüdisch erzogen sind, die alles specifisch Jüdische längst von sich abgestreift haben, noch an das Jndenthum fesselnd Solche Juden sind nicht stark genug, irgend welcher Versuchung zu widerstehen. Der geringste Windstoß entführt die vergilbten Blätter; aber der lebensstarke Baum des Judeirthums grünt und blüht bis in alle Ewigketten. — In einer größeren Stadt der Rheinprovinz hat der e r st e V o r st e h e r der isr. Gemeinde seinen Kindern einen Weihnachtsbaum Herrichten lassen und eine Weihnachtsbescheerung veranstaltet. Ist das nicht schon der Anfang vom Ende? jW.Kjari;. möge Gott uns beschützen! Homburg v. d. H., im Dezember. Das von der hiesigen isr. Gemeinde neu erbaute Leichenhaus, welches vor zwei Monaten zur Vollendung gelangt ist, verdient seiner praktischen inneren Einrichtung sowohl, als wegen feines so sehr gelungen Vaustyls der allgemeinen Beachtung, und dieses uin so mehr, als es zu einem derartigen Gebäude keine Gelegenheit zu einem Vorbilde gibt, indem kleinere Gemeinden mit Leichenhäusern nicht versehen sind, während die in großen Gemeinden vorhandenen wegen ihrer umfangreichen und kostspieligen Einrichtungen nicht als Muster dienen konnten. . Das Leichenhaus der hiesigen isr. Gemeinde wurde um den geringen Betrag von M. 6000 hergestellt. •. '; Dem Herrn Baumeister Louis Jacobi hier, welcher den Plan zu diesem Leichenhause entworfen hat, und unter dessen Leitung dieser wohlgelungene Bau ausgeführt worden ist, wurde deßfalls von dem isr. Cultusvorstande wohlverdienter Weise ein . besonderes Dank - und Anerkennungsschreiben , zu» . gestellt. ' . , . ..;; - . Posen, im Dezember. Von dem Herrn Rabbiner Dr. Fcilchcnfeld ist unter Zuziehung mehrerer anderer Rabbiner der östlichen Provinzen die Gründung eines Seminars zur Ausbildung jüdischer Lehrer in's Auge gefaßt worden, lieber die Zweckmäßigkeit, ja Nothwendigkeit einer solchen Anstalt für unsere Gegend ist nur eine Stimme und findet das Project daher allseitige Zustimmung, selbst bei den Anhängern freierer Richtung. Zur Aufbringung der Mittel wird ein Aufruf ergehen und einflußreiche Männer werden ersucht werden, dafür in ihren Kreisen zu wirken. Es ist daher gegründete Hoffnung vorhanden, das Project zur Ausführung gebracht zu sehen; namentlich entwickelt Herr Rabbiner Dr. F., dem schon das Seminar zu Köln, früher zu Düsseldorf, seine Entstehung verdankt, eine anerkennenswerthe Energie. Zunächst hat HerrBanquier Dr.Rahmer die Zinsen eines Kapitals von 3000 M. als jährlichen Beitrag zugesagt. Hoffen wir, daß noch fernere Beiträge und Spenden von edelgesinnten Gönnern eingehcn, damit das Bestehen einer Anstalt gesichert werde, deren Einfluß auf die religiöse Erziehung und Entwickelung der gegenwärtigen und zukünftigen Generation unberechenbar ist. Am 'run nniy 'Kino fand in der Wohnung des Herrn Dr. Bloch im Beisein einer größeren Gesellschaft die Bescheukung von 36 Kindern mit neuen Kleidungsstücken, Schreibmaterialien und sonstigen Effekten statt. Herr Dr. Bloch hat diese Wohlthat unter bereitwilliger Mitwirkung edelgesinnter. Familien arrangirt, nicht nur, um den bedürftigen Kindern die Unterstützung zuzuwenden, sondern auch in dem gewiß löblichen Streben, die Neigung jüdischer Familien, an feierlichen Weihnachtsbescheerungen theilzunehmen, wenigstens in jüdischer Weise und zur Unterstützung jüdischer Hülfsbedürftigen abznlenken. Man beschränkte sich jedoch nicht auf Vcrtheilung der genannten Gegenstände, sondern bereitete den Kindern auch einen fröhlichen Ehanuka- Abend, da sie mit Ehocolade und Kuchen regalirt und durch Musik unterhalten wurden. Es ist dies die erstem dieser Weise arrangirte Unterstützung und , wird hoffentlich von nun an alljährlich in erweitertem Maßstabe vor sich gehen. .. V,