Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Jochanan Hyrkan wieder ihr Haupt erhoben und wie einst die Hellenisten gerade in den höheren Ständell ihren Lehren Boden verschafft. Mne, wie ihre Vorgänger dem jüdischen Gottesglaüben vollständig den Nucken zu kehren (die großartigen-Erfolge der Hasmonäer hatten allzumächtig auf das nationale Gefühl gewirkt, als daß eine solche Richtung noch möglich gewesen wäre), deren Bestimmungen sie aber zum großen Theil als kleinlich und unbedeutend zurückwiesen, ohne zu bedenken, daß gerade durch diese das ganze Leben umspannenden und gestaltenden Gesetze das jüdische Volk zu seinem Widerstande gegen Heiden und Hekdenthum die Kraft gefunden hatte. Im Gegensätze zu ihnen standen die Pharisäer, nicht eine Sekte, als welche man sie gewöhnlich bezeichnet, sondern eine Gemeinschaft von Gelehrten, die sich zur treuen Pflege und Bewahrung des Gesetzes verbunden hatten, hinter welchen, wie die Folgezeit bewährte, die unendliche Majorität des jüdischen Volkes stand, mochte sie auch in der genauen Ausübung einzelner Gebote hinter den strengen Anforderungen der Pharisäer Zurückbleiben. Unzweifelhaft haben auch einzelne unwürdige Elemente sich in den Bund der Pharisäer eingeschlichen, und der Talmud selbst klagt bitter hierüber, aber jenes tragische Geschick, nach welchem leider immer ganz Israel für alle Fehler eines Einzelnen verantwortlich gemacht wird, hat es auch gewollt, daß der Name Pharisäer in weiteren Kreisen heute nur noch einen Heuchler, einen egoistischen Frömmler bezeichnet, und wahrlich mit Unrecht, denn die Pharisäer sind cs, welche jenen großen Grundsatz nicht blos ausgesprochen, sondern praktisch bewährt haben: „Mache die Thora nicht zu einer Krone, Dich damit zu schmücken, nicht zu einem Spaten, um damit zn graben!" Die Sadducäer benutzten die Unvorsichtigkeit eines Pharisäers, welcher auf ein leeres Gerücht die Reinheit der priesterlichcn Abstammung Jochauan's anzweifelte, um den in seiner Ehre gekränkten Fürsten und Hohenpriester auf ihre Seite zu bringen. Ans einem Schützer wurde Jochanan ein Verfolger des echten Judentums. Der sadducäische Geist verpflanzte sich auch auf seine Söhne, Juda, der die Königskrone annahm, und Alexander, der zwar durch glänzende Kriegsthaten sich des Ruhmes seiner Vorgänger würdig zeigte, aber seiner sadducäischen Gesinnung halber, nicht wie diese auf die Treue und Hingebung des Volkes sich stützen konnte, sondern beständig gegen seine eigene Nation zu streiten hatte. Nach einer verhültnißmäßig friedlichen Regierung seiner Gemahlin Salome erhob sich zwischen seinen Söhnen Aristobnl lind Hyrkan, welcher letztere von dem Jdumqer Antipater angestachclt wurde, ein Bruderzwist, der bald als furchtbarer Bürgerkrieg das Land zerfleischte. Die Römer wurden als Schiedsrichter herbeigerufen, aber sie bemächtigten sich des Landes, und im Laufe der nächsten Jahrzehnte fand das so herrlich aufgeblähte Geschlecht der Hasmonäer theils in der Gefangenschaft, theils durch Meuchelmord, theils unter dem Henkerbeil ein schmähliches Ende. Aber nicht umsonst war dieses herrliche Meteor am Horizonte Israels aufgangen. Einerseits gewann unter der Herrschaft der Hasmonäer die Gesetzestreue im Volke immer mehr Boden, so daß Israel später nach dem Zerfalle seines Heiligtums und feines Staates eützig und allein durch die Macht des Geistes und des Gesetzes sich aufrecht zu erhalten vermochte; andererseits zeigt uns das Hasmonäerhaus in seinem Aufblühen, daß nichts da unmöglich ist, wo echte Begeisterung für das Göttliche die Herzen dnrchdringt, in seinem Falte, daß nicht äußere Macht das Glück Israels begründet, sondern nur die innere Einheit und festes Znsammenstehen zu dem ungefchwächten und ungeschmälerten Gottesgesetze. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag. Aus dem uns vorliegenden Protokoll über die am 8. Sept. d. I. hier abgehaüene öffentliche Sitzung der Repräsentanz der Landesjudenschaft Böhmens entnehmen wir: „Bezüglich des Jnslebentretens der neuen Institution, der sogenannten Gewerbeftipendken ist der erfreulichen Thatsache zn gedenken, daß es gleich bei der ersten Concursausschreibnng gelungen ist, 16 Bewerber überhaupt heranzuziehen und unter diesen 6 zur Stipendirung vorzuschlagen , deren gewählter Beruf in uns die Hoffnung nähren wird, daß die Stipendisten sich der ihnen erwiesenen Wohlthat würdig zeigen und zur Verwirklichung des von der Landesjudeuschasts-Repräsentanz intendirten, dem Judenthume zur Ehre gereichenden Zweckes, der Heranbildung tüchtiger und werktätiger Gewerbsleute unter den Glaubensgenossen, wesentlich beitragen werden. Das Bestreben der Landesjudenschafts-Nepräsentanz, unsere Glaubensgeuopen dem Handwerkerstande und dem Gewerbe znzuführen, behindert allerdings, ebensoviel Waiscnknabenstipendien wie. in den Vorjahren zu verleihen. Um diese Lücke zu mildern, hat der Verwaltungsausschuß in Erwägung der zahlreich eingelaufenen Gesuche beschlossen , die zur Ausschreibung gelangten 24 Stiftungsplätze um 4 Plätze zn vermehren. Es kam ein Gesuch des Vereines Ezhadaath um Unterstützung desselben und eventuelle Zuweisung der Renten des sogenannten Reservefon-