Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. ~ > Zeitungsnachrichten und Corresponderrzen. . Deutschland. Frankfurt a. M. Der zweite im Verein für jüdischeGeschichte und Literatur verflossenen Mittwoch Abend abgehaltene Vortrag des Herrn Dr.Heinemann behandelte die Geschichte der Makkabäer von der Zeit an, wo durch die Mederlage und den Tod Jnda's das kauin erstandene israelitische Gemeinwesen im höchsten Grade gefährdet war. Jonathan, der Bruder Jnda's, (Jochanan fiel bei einem Neberfalle eines arabischen Stammes) der jetzt die Führung des Volkes übernahm, mußte zwar zunächst der syrischen Uebcrmacht weichen und sich über den Jordan zurückziehen, undauch als nach dem Tode des hellenistisch gesinnten Hohenpriesters Alkimos er in das eigentliche Palästina znrückkehrre und dem syrischen Feldherrn einen Frieden abzwang, blieb.Jerusalem und das Heiligthmn in den Händen der Hellenisten. Dies änderte sich jedoch durch einen Thronstreit in Syrien, indem Alexander Valas, ein angeblicher Sohn des Antiochus Epiphancs, Demetrius der syrischen Krone zu berauben suchte. Beide Könige bewarben sich um Jonathan's Freundschaft. Dieser schloß sich dem Alexander an und erhielt als Preis der Unterstützung die Anerkennung als Hohenpriester und Vasallenfürst. Nach dem Sturze des Alexander, dem Jonathan bis zuletzt unverbrüchliche Treue bewahrt hatte, bedurfte Demettius II. nicht minder der Unterstützung des Jonathan, ja ein jüdisches Heer vcrtheidigte ihn gegen die Bürger seiner eigenen Hauptstadt, die sich gegen ihn empört hatten. Da aber Demetrius sein Versprechen, die Burg von Jerusalem, die bis dahin in den Händen der Hellenisten geblieben war, dem Jonathan anszulicfern, nicht hielt, so unterstützte der mit Recht erzürnte Hohepriester den syrischen'Feldherrn'' Tryphon,' der den Sohn des Valas auf den Thron erhob, wurde aber von Tryphon'nach Ptoleniais gelockt, dort gefangen genommen undspater^ ermordet. Simon, der einzige noch lebende Sproß des hasmonäischen Hauses, ermnthigte diejenigen, welche dieses neue Mißgeschick zur Verzweiflung tteiben wollte, und das Volk erhob ihn an seine Spitze. In siegreichem Kampfe warf er die Angriffe der Syrer zurück, brachte die Burg von Jerusalem in seine Gewalt, und das dankbare Volk übertrug ihm die Fürstenwürde „bis der wahre Prophet erstehen werde", denn auch tn dieser Zeit des nationalen Triumphes lebte das Bewußtsein in dem Volke, daß das wahre Königthum nur dann in Israel errichtet werden wird, wenn die Gotteserkenntniß Eigcnthum der Gesammtmenschheit geworden sei. Nach glücklicher, gesegneter Negierung fand auch Sünon ein blutiges Ende durch die Tücke seines nach der Fürstenwürde lüsternen Schwiegersohnes Ptolema'os. Aber dieser erntete die Früchte seiner verbrecherischen That nicht, sondern Jochanan Hyrkan folgte seinem Vater in der Hohenpriester- und Fürstenwürde. Jochanan's Regierung war in der ersten Zeit für die Entwicklung Israels nach außen und nach innen sehr wohlthattg. Eine Reihe wichtiger Verordnungen regelte die verschiedensten Zweige des religiösen Lebens, und das Synhedrion entfaltete eine sehr heilbringende Thätigkcit. Eine Niederlage, die er am Anfänge seiner Negierung von den Syrern erlitt, suchte er später durch glückliche Kriege auszugleichen, und er unterwarf die von jeher feindlich gesinnten Samaritaner und zwang auch die Jdumäer zur Unterthänigkeit. Aber hierbei zeigt sich schon in Jochanan Hyrkan ein fremder Geist. Er zwang nämlich auch die Jdumäer, das Subeittfjum anzunehmen, ganz und zwar gegen Wort und Sinn des jüdischen Gesetzes, welches jedes gewaltsame Aufzwingen der jüdischen Lehre auf's Strengste verpönt, und die Wahrheit nur durch ihre eigene Macht, nie aber durch Gewaltmittel zum Siege geführt wissen will. Bitter hat sich dieses in den Annalen der jüdischen Geschichte einzig dastehende Beispiel einer Zwangsbckehrnng an Jochanan und ganz Israel gerächt. Ein Abkömmling der Jdnnläer, Herodes war es, der dein Hanse der Hasmonäer und der Freiheit Israels das Verderben bereitete. Ein vollständiges Entfremden vom Geiste des wahren Jndenthums vollzog sich indcß bei Jochanan Hyrkan in seinen letzten Lebensjahren. Die Sadducäer, die Schüler jenes Zadok und Boötos, die den erhabenen Lehrsatz ihres Meisters Antigonos aus Socho dahin gedeutet hatten, als gäbe es keine Vergeltung und kein Jenseits, hatten unter der Negierung des