Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1674 sociales Interesse. Und drängt cs sich nicht dem Geiste auf, wie gefährlich für die Gesellschaft ein gänzlich Farbenblinder sein kann, oder ein solcher, der nur in Bezug auf einige Farben blind ist, wenn er in Unkenntniß über seinen Mangel sich befindet, wenn er z. B. bei einer Eisenbahn oder im Seedienst augestellt ist. Wenn dies nicht schon an sich klar sein sollte, so wird es genügen, daß ich auf die Eiscnbahnunfälle verweise, welche uns Tyndal und Galezowski (Le anomalie del senso croraatico. 1883) berichten, die sich in England, ferner 1853 in Amerika, 1872 in Westfalen ereignet haben, und ganz besonders das schreckliche Unglück, welches sich 1875 auf der Eisenbahn zu Lagerlnnda zuge- . tragen hat, welche alle der Vermuthung Raum gaben, daß sie sich in Folge der Farbenblindheit eines der Angestellten ereignet haben. Innerhalb eines Deccnnknms ist die Frage der Farbenblindheit in allen mcdicinischen Congreffen und Vereinen der Augenärzte auf die Tagesordnung gesetzt worden, damit man die besten Mittel finde, um diese Krankheit zu erkennen und Gefahren solcher Katastrophen zu vermindern. Viele haben die Farbenblindheit studirt, von diesen haben einige geistvolle Theorien begründet, um diese Krankheit zu erklären, andere sich damit beschäftigt zu untersuchen, wie sie sich in den einzelnen pathologischen Fällen verhalte, andere endlich, u. zw. die meisten haben statistische Untersuchungen gemacht. Solche statistische Tabellen wurden in Breslau von Cohn und Magnus, in Stockholm von Holmgren, in Edinburgh von Wilson, über die Lappländer von Alquist, über die Nubier von Cohn, und in Italien von Mayer, Niccv, Bono, Velardi und Nava g-e macht. Wenn man die große Zahl dieser Statistiker betrachtet, so hat die Verschiedenheit der Personen, in Betreff deren sie gemacht wurden, nicht wenig zu einer genaueren Kenntniß der Farbenblindheit beigetragen. Die schwierige Frage über den Ursprung des Daltonismus, welche durch die tief eingehenden Arbeiten von Magnus, Hering, Joung und Helmholtz noch nicht gelöst ist, wird, wie ich glaube, bedeutend erleichtert werden, wenn man vergleichende Studien über die verschiedenen Mittelzahlen macht, welche sich bei den Untersuchungen ergeben. Es ist hier nicht der Ort, das auszuführen; ich will nur einige Nntersnchnngen anführen, welche von mir seit dem laufenden Jahre unternommen und in diesen letzten Tagen fortgesetzt wurden, über den Farbensinn bei den Inden. Ich wurde veranlaßt, diese Untersuchungen zu machen, als ich die Mittelzahlen, welche ich bei farbenblinden Israeliten hier in Italien gesunden hatte, mit denen vergleichen wollte, welche von Cohn und Magnus, sowie von Carl und Anderen in Deutschland gegeben wurden. Aber andere Erwägungen führten nrich zu folgenden Resultaten: Bei den Inden findet sich, wie Mantegezza, Lombroso und Servi in ihren Werken erinnern, ein Prädominiren der Krankheiten des Centtalnervensystems, was sich mit Servi am leichtesten daraus erklären läßt, daß sich die Juden speciell solchen Beschäftigungen hingeben, zu denen besonders Intelligenz erforderlich ist. Und viele, unter ihnen einer der ersten, Schmitz, glauben, daß die Alteration der Perceptionsfähigkeit des Auges in Verbindung stehe mit gewissen Alterationen des Centralnervensystems, ein Grund mehr, um die Farbenblindheit bei den Juden zu untersuchen und zu sehen, ob die statistischen Daten einen Zusammenhang zwischen Erkrankungen des Centralnervensystems und Störungen der Farbenperception ergeben. Im laufenden Jahre untersuchte ich 626 Juden, in den letzten Tagen 306, im Ganzen 926. Von diesen waren 426 Weiber, 500 Männer. In der Staüstik kann ich aber nur die Zahlen in Betreff der Männer verwerthen, da die . Zahl der Weiber ungenügend ist; denn wie die Frau den Mann in Bezug auf die Feinheit der Empfindung und den Sinn für das Schöne übertrifft, zeigt sie auch einen viel besseren Farbensinn. Dies ist so sehr der Fall, daß man rechnen kann, unter 46 Männern einen Farbenblinden zu finden, es aber nöthig sein würde, 400 Frauen zu untersuchen, um eine zu finden, die in Bezug aus einige Farben blind ist. Die größte Zahl meiner Beobachtungen, etwa 7 Zehntel, wurden in unseren Asylen und Elementarschulen gemacht an Knaben von 3 Jahren aufwärts. Ich bin der leichtesten und gebräuchlichsten Methode der gefärbten Wolle, welche von Holmgren herrührt, gefolgt. Hiebei legt man vor die Augen des zu Prüfenden eine bestimmte Quantität von Knäueln gefärbter Wolle, worunter sich grüne, rothe und purpurne befindet mit ihren Abstufungen und überdies zwölf andere Farben unter einander. . Man läßt nun einen grünen Knäuel ansehen und läßt ihn darauf mit dem derjenigen Wolle verbinden, welche in der Farbe ihm am meisten gleichkommt, indem man vom Glanz und der Sättigung der Farbe absieht. In Betreff der Farbe, von welcher die Auswahl geschieht, sieht man, ob eine Störung des Farbensinnes besteht oder nicht. Durch diese Methode offenhart der Geprüfte, indem er genöthigt ist, die Wollknäuel desselben Farbentones auszu-