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Der Israelit · 1884-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1884) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1884)
Date
1884-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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- 1675 Wählen, besser die Beschaffenheit seines Farbensinnes mit seinen Händen, insoferne als er die Sprache oft, wenn nicht immer, zu wenig beherrscht, um seine Empfindung präcis und klar auszudrücken. In zweifelhaften Fällen leistet auch eine Tafel Dienste, auf welcher in zwei Reihen (einer rothen und einer grünen) Farben von genau demselben Ton, aber verschiedener Intensität und Sättigung und von verschiedenem Lichte sind, und auf deren anderer Seite die Farben so vertheilt sind, wie man sie zusammenlegt fiir einen Rothgrün- oder Gelbblau-Blinden. Aber ohne mich länger bei diesem wesentlich technischen Theile auftuhalten, den ich ausführlich <m geeigneterem Orte behandeln werde, will ich nur sagen, daß ich unter 500 Juden männlichen Geschlechtes 13 Farbenblinde u. zw. einige Grünblinde und einige Rothblinde gefunden habe. Unter diesen 13 waren drei Brüderpaare; der mütterliche Großvater zweier von diesen Paaren war schon farbenblind, das ist wichtig genug, um in Uebereinstimnmng mit von anderen gemachten Untersuchungen zu dem Glauben zu fiihren, daß es sich hier uni eine erbliche Verletzung handelt. Ich glaube überdies auf die Thatsache Gewicht legen zu sollen, daß von diesen Farbenblinden neun sehr intelligent waren. Ziehen wir das Mittel, so ergeben sich 2,6 °/0. Da ich in dieser vorläufigen Mittheilung nur eine geringe Zahl vorgeführt habe, so muß ich zur Vergleichung die Mittelzahlen hersetzen, welche sich Anderen bei der Untersuchung ergeben haben: Cohn und Magnus (Breslau) 1147 Christen Farbenblinde 2,1 % * - - 814 Juden „ 4,1 % Carl (Frankfurt) 2004 Christen * 2,94% 500 Juden „ l,80°/o Fontenay (Schweiz) Eisenbahnbeamte „ 3 % Holmgren (Schweden) 32,165 ohne Unterscheidung „ 3,25% und in Italien ohne Unterscheidung der Religion Riccd . / .' . 97 Farbenblinde 1,00% Meyer .... 2066 „ 2,30% Bouo .... 5200 2,90% Belardi und Ricchi 2216 - „ 2,61% - Ravö. . 300^ ’ ' •/ 3,00% Weiter hatte Hosch unter 25 jüdischen Kindeni 2 Farbenblinde gefunden; Delitzsch („Der Talmud und die Farben" in: „Nord und Süd" 1878) und Poncet glauben, daß die Juden öfter als die Christen farbenblind sind. Meyer endlich und Bono finden keine größere Zahl von Farbenblinden miter den Juden als unter den Christen, Obgleich die Zahl der von mir untersuchten Juden nicht groß ist, glaube ich doch, daß man sie nicht für ungenügend halten kann, wenn man . an die relativ geringe Zahl der jüdischen Männer denkt, welche sich in dem Theile von Piemont finden, in welchem ich meine Beobachtungen gemacht habe. Ich glaube, daß man mit Carl und Meyer annehmen kann, daß der Farbensinn bei den Juden nicht weniger entwickelt ist, als bei den anderen. Es sei mir ertaubt, noch einige Bemerkungen hiitzuzuftigen. Es drängt mich nämlich mitzutheilen, daß unter den untersuchten Individuen mindestens 20 Kinder waren, welche den 36. Monat ihres Lebens erreicht hatten und, ohne einem Zweifel Raum zu lassen, einen ausgezeichneten Farbensinn gezeigt haben. Ich glaube, daß dies geeignet sein wird, Viele in Erstaunen zu setzen und wirklich gestehe ich, daß ich, als ich diese kleinen, zarten Kinder mit bewuudernswerther Geschwindigkeit in diesen verschiedenfarbigen Wollknäueln denjenigen auswählen sah, welcher sich am meisten dem ihnen zum Muster vorgehaltenen nähert, ich nicht zu sagen wüßte, ob ich mehr verwundert und bewegt war, und oft habe ich bei mir überlegt, wie interessant das Studium der Entwicklung der verschiedenen Perceptionen im Geiste des Kindes sein müßte. Aus meinen wenigen Beobachtungen habe ich den Schluß gezogen, daß sicherlich die Farbenperception eine der ersten Functionen ist, welche sich in dem noch imentwickelten Gehirne des Kindes ausbildet. Und diese Meinung wird nun vonPreyer bestätigt in seiner jüngst veröffentlichten Arbeit über die Seele des Kindes, welche mir in den letzten Tagen zur Hand kain. Der Verfasser constatirt, daß die Farbenpcrception schon im zweiten Lebensjahre vollständig entwickelt ist. Endlich will ich noch die Bewunderung aussprechen und die Genugthuung, die ich empfand, als ich bei fast allen untersuchten Kindern eine gut entwickelte Natur und einen aufgeweckten mid intelligenten Geist bemerkte. Ich freue mich, das schönste Prognostikon für die Zukunft dieser ftifchen und jungen Schaar stellen^ zu können, für welche ich nur wünschen kann, daß unter uns die Zahl jener Asyle, in welchen sie mit großem Nutzen für Leib und Seele unter reichlichem Ächte nnd gesunder Luft verweilen, recht vermehre» möge. .. . ...' Turin 1884. r

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