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Der Israelit · 1884-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1884)
Date
1884-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1672 unerläßliche Nachsehen außer Acht läßt. Es findet sich dies nicht nur bei minder frommen Familien, sondern auch bei sonst streng orthodoxen wird hierin gefehlt, was gewiß sehr befremdend ist. Ganz besonders ist dies zu bemerken bei denjenigen, die sich ihren Bedarf an Geflügel bei Geflügelhäudlern beschaffen, wie überhaupt bei diesen Letzteren sehr große Vorsicht und strenge Eontrolle über das am Platze ist. Der Zweck dieser Zeilen ist nun der, unsre wahrhaft frommen Familien auf diesen höchst wichtigen, in unser Leben tief einschneidenden Punkt aufmerksam zu machen, daß sie keine solchen Stopfgänse genießen, bevor sie überzeugt sind, daß das een vorschrifttsmäßig von einem gewissenhaften, hierzu befähigten Manne untersucht und für erklärt wurde. X.! ML" *n th rinn Berlin. Auf Antrag des llnterrichtsminiftcrs Dr. v. Goßler hat der König die Berufung des Professors Dr. Hirschfeld von Wien nach Berlin genehmigt, und damit ist für altrömische Geschichte eine ausgezeichnete Kraft gewonnen worden. Hirschfeld, ein geborener Königsberger, wird im nächsten Sommersemester seine hiesige Thätigkeit beginnen und im Lehrplan der Universität eine Lücke ausfüllen, die dadurch entstanden ist, daß Mommsen, nm ausschließlich seinen Specialforschungen obliegen zu können, von seinen Verpflichtungen als Docent seit einigen Senlestern befreit worden ist. Hirschfeld's Berufung erfolgte namentlich auf Fürsprache Momulsen's, der in ihm den tüchtigsten Kenner der altrömischen Literatur und Geschichte erkannt hatte. O e ft r r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Pesth, 14. Dez. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß der Kern der Magyaren, die ungarische Gentry, seinen alten Besitzstand zn verlieren beginnt und daß der Grundbesitz allmählich in die Hände der Juden wandert, sucht ein Fachmann in einem soeben erschienenen Schriftchen zu berichtigen, indem er aus 41 Komitaten die amtlichen Angaben über den ländlichen Besitzstand vor dem Jahre 1848 zusmnmenstellt. Die Ergebnisse dieser Zusammenstellung sind nach der „Köln. Z." folgende: Es ist vornehmlich der Großgrundbesitz, der seit 1848 verloren hat. Von dem mittleren Grundbesitz befinden sich noch etwa 60 pCt. der Familien auf demselben Boden, der vor 1848 ihr eigen war. Von den fehlenden 40 PCL des mittleren Besitzes sind etwa 30 pCt. in die Hände der christlichen, städtischen Intelligenz und Bürgerschaft gelangt, etwa 10 PCt. befinden sich in jüdischen Händen. In dem Latifundienbesitz sind die Juden fast gar nicht änzutreffen, in dem ganz kleinen Besitz ebenfalls nicht. Bon dem gesammten Grundbesitz habendie Inden' etwa 5 pEt. in Händen, was ihrer Seelenzahl im Verhältniß zur Bevölkerung des Landes, entspricht. Anderseits aber führt der Verfasser, den Beweis, daß die Juden auf den Gebieten der Güterpachtung, der Industrie und des Handels in den Vordergrund getreten sind. Dem Bürgerthnm wie der Gentry fehlt der Unternehmungsgeist. Die Ungarn befassen sich seit viel hundert Jahren mit der Landwirthschaft; sie waren aber nicht im Stande, aus ihrer Mitte eine Farmerklasse zu schaffen, wie sie in England besteht, weil die Pachtung hier nur ein rein finanzielles Unternehmen ist und nicht die Lebensaufgabe einer Gesellschaftsklasse. . Pmrkofa. Der hiesige Kaufmann Herr Jos es Lilienberg, Mitglied des Komitatsänsschuffes, ein allgemein geachteter Mann, ist dieser Tage hier beerdigt worden. Hiebei ist bemerkenswerth, daß nach dem Bezirks-Rabbiner auch der hochwürdkge Abt, Herr Alois Magyari, eine ergreifende Trauerrede gehalten, in welcher er tiefergriffen die Verdienste des Verewigten pries. E n g l a n d. London. Einem in der „Rundschau" von Professor G. M. Asher veröffentlichten „Stätten des Elends in London" betitelten Aufsatz entnehmen wir nachstehende, die arme jüdische Bevölkerung betreffende Stelle: „Die zwei zu dieser Kategorie gehörigen Klassen, die Pelzznpferknnen und die armen Juden, haben mit einander nichts weiter gemein, als daß sie vollkommen achtbar und, obgleich arm, nicht nothleidend und daß sie aus ganz eigenthümlichen Ursachen in die Slums*) verbannt sind. Das Abzupfen der Flaumhaare von Kaninchenfellen hat den Zweck, sie für die Rauchwaarenfabrik so weit fertig zu machen, daß man sie zu allerlei Färbung in Nachahmung von Pelzwerk nmwandeln kann. Diese Nachahmungen täuschen keinen Menschen, der von Pelzwerk, die geringste Ahnung hat. Aber sie sind hübsch, befriedigen ein Bedürfnkß und haben daher bedeutenden Absatz. Ans allen anständigen Häusern, wird die Abzupfarbeit deshalb verbannt,, weil der.feine Flaum in die Zimmer des Hauses fliegt..— die; Arbeiterinnen selbst sehen ans, als seien' sie über l in.. . - i i,.T 1;-i, - *) So werden die verfallenen, schmutzigen Häuser genannt..

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