Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ehrlich und richtig halten? Müßte nicht aucher dieselbe einein Haffe gegen die. Juden zuschreiben, da diese Thierfrennde ganz gnt wiffen, wir. Juden dürfen nur rituell bereitetes Fleisch genießen?Oder sollten sie es in der That nicht wissen? Dann müßte jeder denkende Jude, auch,^ wenn er dieses jüdische Gesetz nicht beachtet, sich anklagen, daß er mit Schuld daran habe, daß eine solche Absicht anfkommen konnte, die einem großen Theil seiner Glaubensgenossen das Leben sehr erschweren würde. Daß solche Gefahren, solche Schwierigkeiten heute uns erwachsen können, daran hat nicht nur das Vornrtheil der nichtjüdischen Welt, sondern in. ganz erheblicher Weise das Vornrtheil der modernen jüdischen Welt Schuld. Wir wollen damit keine Anklage erheben, sondern darauf aufmerksam machen, wie gerade das Leben der Juden, die sich vom jüdischen Gesetze losgesagt, den Gegnern des Judenthums die Waffen schmieden hilft, die dann gegen alle Juden sich, richten. Ein Vorurtheil vor Allem bei der modernen jüdischen Welt ist die Hauptschuld an der Voreingenommeuhekt gegen die jüdischen Gesetze, und zwar die so leicht ausgestellte Behauptung, daß unser ganzes Gesetz nur M e n s ch e n w e r k sei. Unsere Religion wäre also nur das Produkt eines Menschengeistes, unsere Gesetze nur menschliche Verordnungen ohne bindende Kraft und ohne Recht für kommende Geschlechter. Und somit dürfe Jeder von dieser Religion sich lossagen, von diesen Gesetzen sich entbinden. Ist es Urtheil oder Vorurtheil, daß man mit dieser Behauptung unser ganzes Gesetz als eine Fälschung hinstellt, da es sich für das Gesetz Gottes ansgibt? Ist es Urtheil oder Vorurtheil, daß man Moses der Fälschung zeiht, der mit dem Namen Gottes frevles Spiel getrieben, da er Alles, was er spricht inl Namen Gottes und als Wort Gottes spricht? Soll Moses wohl so sicher gewußt haben, daß unser Volk Palästina erobern werde? Und war er stark genug und hielt das Volk für stark genug, Palästina zn erobern, warum sollte er es nicht den nächsten Weg dorthin geführt haben und erst 40 Jahre lang es in der Wüste herumirren lassen, da doch das Land so nahe war? Ist es Urtheil . oder Vorurtheil, wenn man die 1000 Jahre vorher. angekündigte Zerstreuung unter alle Völker der Erde als Fälschung erklärt? Und Fälschung .wohl soll, es sein, daß für Jahrtausende unsere Stellung unter! den Völkern und die Leiden alle, die wir erduldet, voraus', verkündet worden?.! Fälschung endlich: soll es sein, daß uns angekündigt worden/ daß trotz der traurigen Lage, trotz aller Anfeindung, 1666 trotz unserer Ausnahmsstellung wir nicht verlassen» nicht schutzlos sein würden, nichts vernichtet werden können?! Das Alles hat sich nach den Worten dieses r- Menschengesetzcs; wie: es von so manchem ungetreuen Juden bezeichnet wird, 'so erfüllt. Das mußte doch ein sehr klugerweit iw die' Zukunft blickender Mensch gewesen sein/ der so bestimmt für Jahrtausende Vorhersagen konnte. Öder glaubt wirklich Jemand, daß das ein merkwürdiges 'Zusammentreffen wäre? Ja, nicht nur merkwürdig, es wäre ein wunderbares Zusammentreffen! Und wenn man sich, da man an Wunder nicht glauben will, eine andere Erklärung dafür sucht, wie es ja auch die nichtjüdischen Gelehrten versuchen, sich die einzig dastehende Erhaltung des Mischen Volkes bis auf den heutigen Tag zu erklären, daß'sie in dem jüdischen Gesetze dieses Lebenselement erblicken, auch auf Seiten der Juden gezwungen ist, unser Gesetz und selbstverständlich das Beharren in diesem Gesetze, das Leben nach diesem Gesetze als Erhalhaltungsmittel zu erkennen: nun, was feindet man es so bitter an, wirft es weit von sich, verlacht und verspottet es so sehr? Wahrlich, jeder Gesetzgeber und jede gesetzgebende Körperschaft würde stolz darauf sein und sich unsterblichen Ruhm damit erkauft zu haben vermeinen, wenn es ihnen gelingen würde, solche erhaltende, lebenskräftige Gesetze zu Stande zu bringen, die allen Wechsel der Zeiten und Geschlechter überdauern. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deuts ch I a n d.; Mainz, 22. Dezember. Am ersten November d. I. waren fünfundzwanzig Jahre verflösse» seit der Gründung der Unterrichtsanstalten der israelitischen Religiousgesellschast und der Berufung , des Herrn Moritz F u l d als Oberlehrer, an dieselbe Vorigen Donnerstag haben viele ehemalige Schüler des Herrn F. bei Gelegenheit des Festessens zweier; hiesiger religiöser Vereine chrem verehrten Lehrer eine Jubiläumsfeier veranstaltet. Herr Siegmund Moritz von hier hielt im Aufträge seiner, ehemaligen Mitschüler, eine gediegene Ansprache und. feierte in Versen - und in Prosa die hohen. Verdienste. des Jubilars, fein großes Wissen! und-seine treue Hin- : gebung an den-soschwierigen. Lehrerberuft Dan»; überreichte, er: ihm, ebenfalls tut Namen seiner ehe- . maligen Mitschüler, ei» prachtvoll ausgeststtetes ' Gedenkblatt, einen große» silbernen Pokal mit ent-