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Der Israelit · 1884-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1884)
Date
1884-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1665 rcttb nun Gefühl für Recht, Sinn für Wahrheit, Kenntniß und Wissen, Leidenschaftslosigkeit und die echte Menschenliebe vorhanden sein müssen, um ein richtiges, unparteiisches Urtheil zu ermöglichen, so wird selbstverständlich durch das Fehlen derselben, durch ihr Gegentheil das Vorurtheil groß gezogen. Jedes Vorurtheil schließt aber ein gerechtes Urtheil aus. Wir Juden haben ganz besonders viel durch Vorurtheile zu leiden gehabt und leiden noch darunter. Und es scheint, daß der moderne Jude vorn Nichtjuden sich in Vorurtheilcn gegen seine eigene Religion und deren Vertreter hat erziehen lassen. Denn wir begegnen auf Schritt und Tritt bei ihm einer Welt von Vorurthcilen. Von den Vorurthcilen der nichtjüdischen Welt wollen wir hier nicht sprechen, wir werden sie ja doch nicht dadurch beseitigen; sie sind so eingewurzelt, und cs basirt ein gnt Theil ihrer eigenen Rcchtferttgnng darauf, daß sie schon nur deswillen jede auch noch so objective Widerlegung, jedes Urthcil unsererseits als parteiisch hinsteltt, überhaupt von uns nicht belehrt sein will. Auch'die moderne jüdische Welt wird nicht leicht zugeben, daß sie Vorurtheile hegt gegen i hre eigene Religion und gegen ihre eigenen Glaubensgenossen, sondern sie glaubt nur ein richtigeres Urtheil über Religion zu haben und über religiöse Forderungen. Die neuere Zeit hat nun Erscheinungen 31t Tage gefördert, die man vor einem Jahrzehnt nicht mehr für möglich gehalten hätte, Erscheinungen, die selbst den seiner Religion ganz fernstehenden Juden in die Lage bringen können, seine Religion gegen allzu krasse Vorurtheile verthcidigeu zu müssen, ja er kann in die Lage kommen, religiöse Vorschriften und Gesetze zu vertheidigcn, die er selbst nicht mehr beobachtet, vielleicht, noch nie beobachtet hat. Jene Verodnungen, daß künftig bei Abitnrientenprüfungen keine Rücksicht auf die jüdischen Schüler, welche am Samstag keine schriftlichen Arbeiten anfertigen wollen, genommen werde, hat gewiß bei allen Inden einen. peinlichen Eindruck gemacht, weil es den Anschein hat, als sollte nicht nur ein G e w r s s en s z w a n g geübt werden, sondern weil diese Verordnung ihre Spitze direct gegen den I n den zu richten' scheint. Welcherdenkende.- Jude, und. habe er mich bis jetzt, keine Verletzung der jüdischen Religion darin erblickt, daß - ex änr .Samstag geschrieben^'sind wenn 'er auA.heute- Zöch. das Schreiben'dür' Samstcig M^'erlWr.Mds^sMenVKlndörn, wird' nicht diese. Verordnung als eine . abnorme auf- - fassen, umsomehr, dÄ bis jetzt kemHindergiß sind keine' Störung durch die seitherige Ordnung hervorgcrnfen wurde, welche die ersten Wochentage den schriftlichen- Arbeiten und die folgenden Tage der mündlichen Prüfung anwies! Gar Manchem wird auch eine innere Stimme sagen, ich selbst trage Mitschuld an dieser Verordnung, da ineine Kinder bis jetzt freiwillig in den Schulen am Samstag geschrieben haben und so dem Uebclwollen gegen das Jndcnthnm Veranlassung gaben, eine solche Verordnung hcrvorznrnfen, die mich scheinbar nicht berührt und nicht trifft, .aber dennoch mich tief berührt und scharf trifft. Welcher Jude aber bei dieser Verordnung schadenfroh den gcsctzestreucn Juden cutgegenhaltcn würde: So, jetzt Ihr Frommen, die Ihr etwas Besonderes und Besseres sein wollt und uns und unsere Kinder tu eilt schiefes Licht bringt, jetzt müßt Ihr auch am Samstag schreiben, wenn Ihr höhere Schulen besuchen wollt! — wer solche Gesinnung hegte, der müßte eben das Judcnthum und die gcsetzestreuen Juden hassen, wäre blind und vorurthcilsvolt und nicht nur ungcrcchtgcgcn Diese, sondern auch gegen sein ganzes Volk und auch gegen sich selbst. Aehnlich verhält cs sich mit dem Vorhaben der Thicrschutzvercine Deutschlands, die mit dem. Plane uutgehen, den Inden das Schlachten verbieten zu lassen, vorgeblich, weil cs Thierqnälcrci sei. Welcher Jude, und würde er bisher nur moitt gegessen haben, müßte nicht Front machen gegen * diese mehr als mittelalterlichen Bestrebungen, die nur auf Judenquälerei hinziclen! Wenn in' barbarischen Zeiten, wenn ein Antiochus und ähnliche gewaltsame Menschen solche Erlasse ergehen ließen, so vcrurtheilt die Nachwelt noch dieselben; wie viel, mehr muß, wenn heute unter der Maske der — Humanität gegen die Thiere — wenn dieser : Ausdruck erlaubt ist — der Jude gequält werden soll, weil er nichts anderes verbrochen hat, als-: daß er Jude ist, muß jeder Jude, wenn er noch-s einen Funken jüdischen Gefühls, noch einen Funken i- Ehre und Selbstachtung besitzt, dagegen mit allere Macht ankämpfen! - .-sk. Oder könnte wirklich Jemand sich darüber, freue»,ü - wenn diese Absicht Thatsache würde? Konnte..wirket lich ein Jude lachen darüber, wenn ein solches Ge--: setz den gcsetzestreuen Juden den Fleischgenuß un-.i möglich machen, oder doch ischr erschwerenwürde? ü Könnte wirklich .Jemand glauben, daß ihn das Gc-ist setz, nicht treffen, würde, da er ja rituell; bereitetes;n . Fletsch .nicht..für isothwendig hält? Er iwäre. dochu künstig/wet.l er Jude, gezwungen nMk2:?zu// essen,, während er es bisher freiwillig gegessen.jUnd..l wenn auch, nach f e iner Ansicht nichts Unrechtes-« dabei ist, wird er die Absicht der Thicrfrcunde für i

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