Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1884)
- Date
- 1884-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449501--21365-2510948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Liebe zu dem einzigen Gott zn bethätigen ist der Inbegriff nuferer Existenz, i Wenn daher der gläubige Israelit nnd die gläubige Israelitin - Gelegenheit finden, durch' ihren-Tod/ die 'Liebe''Mt einzigen Gott zu besiegeln, so" ist Jederniit freudiger Hingebung dazu bereit. ' Wir lesen in dem Wochenabschnitte des kommenden Sabbats (V2'i), daß Joseph seinem Vater nach Goschen entgegeneilte, und als er des geliebte» Vaters ansichtig wurde, da fiel er .ihm um den Hals' und weinte lange an seinem Halse. Und Israel sprach zu Joseph: Ich will sterben dieses Malnachdem ich Dein Angesicht gesehen, daß Du noch lebst. (1. B. M. C. 46 V. 29—31). Die Worte: „Ich will sterben dieses Mal" sind nicht ganz verständlich. Man sollte meinen, der Vaterder so lange Zeit den geliebten Sohn als todtbetrauert hatte, würde, nachdemerihn wicdcrgefnnden, noch recht lange zu leben wünschen. — Um das zu erörtern, müssen wir eine andere Bemerkung vorausschicken. Es wird uns erzählt, daß Joseph seinen Vater umarmt und an seinem Halse geweint habe, es wird uns aber nicht berichtet, daß Jakob diese Umarmung erwiderte. Unsere Weisen erklären uns das, indem sie bemerken, daß Jakob gerade das Schema las. > Als einst der große Rabbi Akiba zum Tode geführt wurde, und der römische Statthalter der Hinrichtung die schrecklichsten Martern vorausgehcn ließ, da betete Rabbi Akiba — es war in der .Frühe des Morgens — laut und vernehmlich das Schema. Und die anwesenden Schüler hörten es und sprachen ihre Verwunderung darüber aus. Aber der sterbende Lehrer sagte zu ihnen: Mein ganzes Leben lang habe ich mich darnach gesehnt, meine Liebe zu Gott durch meinen Tod zu besiegeln. Soll ich mich nicht freuen, da nunmehr mir die Gelegenheit geboten wird, zu erfüllen das göttliche Gebot: Und Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott mit Deiner ganzen Seele, das heißt, Du sollst Deine Seele, Dein Leben für Ihn hiugeben! Und jeder Jude, und jede Jüdin,' die mit wahrhafter Andacht das Schema lesen, sind von dem Gedanken beseelt, daß sie gern und freudig' zu jeder Stünde bereit sind, für Gott ihr Leben hinzugeben,' und da der allgütige Gott die löbliche Absicht, wenn sie auch nicht zur Ausführung gelangt-' dem Menschen hoch anrcchnet, so hat Jeder, der das Schema mid'wahrhafter Andacht betet, täglich zweimal Gelegenheit seinem Gotte seine Seele darzubieren.— Je-mehr ' sich nun der Mensch des Lebens freut-, desto' größer ist das Opfer; cm ' von Schmerz und Gram->und Kummer niedergedrücktes'Leben hinzu-' . . nrr-i* > n n .r'' ■ werfen, das erfordert nur ein geringes Opfer.— Bisher hatte Zakyö'' M feines Lebens nicht erstellen können j zw groß?wär der Kummer lorenen Sohll; er' sehM' sich nach dem Töde^ und deßhalb war/das Dpfer^öas er bei' dem Lesen des Schema seinem Gotte anbot, nicht groß. IM aber ist Joseph wiedergcftmden. Während der Vater Schema liest, fallt ihm der Heißgeliebte, so'sänge als todtbeweinte Sohn um den Hals; da ' uberstromt den Vater das beglückende Gefühl,' daß sein Leben wieder Werth Hat, daß das Opfer, welches er im Schema seineru^Gotte anbietet, wkedenlnr groß und bedeutend wird, und er spricht: Dyörr nrvo* „Dieses Mal WM ich sterben", denn bisheHhattedas Anerbieten nunnes Lebens keine Bedeutung; jetzt aber, nachdem ich Dein Zlngesicht gesehen, daß Du noch lebst, jetzt ist es wieder eine werthvolle Gabe, die ich meinem Gotte biete, wenn ich mich bereit erkläre, zur Heiligung Seines Namens mein Leben hinzugeben. Das ist Israels Beruf auf Erden, den Namen Gottes zu heiligen durch ein gottgefälliges Leben, und, wenn es sein muß, durch Hingebung dieses Lebens zur Ehre Gottes. .... '' So faßt das Judeuthum die Lehre von der Einheit Gottes auf, uud es hat in der langen Reihe der Jahrhunderte niemals an Inden und Jüdinnen gefehlt, welche dtt vÄlen Eonfeqüenzen des einheitlichen GottesbegMes zn ziehen bereit waren. Auch heute hat die große Mehlzahl unserer Glaubensgenossen keilt anderes Streben. Es giebt wohl, namentlich in den großen Städten, Juden nnd Jüdinnen, denen der einhMiche Gottesöegriff und die strengen Consequenzeu desselben abhanden gekommen, die nur nach irdischer Lust mid sinnlichen Genüssen jagen. Diese werden etttweder in Reue und Buße zn dem eigentlichen Lebertsöcrnfe Israels zurückkehren, oder sie werden sein wie die vergilbten Blätter, die der Stttrm hinwegwcht. Der Lebeiisbaum Israels wird kaum dadurch berührt werden;' er. wird., gedeihen und blühen und sich immer kräftiger gestalten für alle Ew^ktttc«. <sSchmß folgt^ , j Ir?"- '-7ki S'a'n'gVr?/ ^\' j '' Wie das Wort Wn sagt, von Bortirthrileu Wangen ist, deur eigenttichen, prüfenden IstthÄe fchon M fertiges Urtheil . voraus, . wa« ein nnbefat^enes Krtheil nicht mehr zMßt,:. hei älleti VWmrgWnferr stark vertreten m es Mt