Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1884)
- Date
- 1884-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Güte und Vortrefflichkeit und von der Sorgfalt, mit der die Herr«! Vorsteher;dcs Vereins bei der Auswahl . der Gegenstände Vorgehen, durch den Augenschein überzeugen. Es wurdm diesmal mehr als hundert Kinder, Knaben und Mädchen, vollständig mit Kleidung und mit Leibwäsche, zu je zwei Paaren, versehen. Die Bctheiligung geschah jedoch, um das Zartgefühl der Kücker und bezichungsweise der Eltern zu schonen, erst nach Schluß des Festes in Gegenwart des Vorstandes und des DamencomitLs. Die eigentliche Festesfeier bestand aus musikalischen und gesanglichen Vorträge», bei denen Frl. Stephanie Bermaun, vom hiesigen Landesthcater, und der Tauwitzoerein, unter Leitung des Capellmeisters, Herrn Eduard Tauwitz, ihre Mitwirkung in Betracht des humanitären Zweckes zugesagt haben. Ferner einige Dilletanten, deren Leistungen aber durchaus nicht das waren, was man mit dem Begriffe des Dilettantenchumes sonst verbindet; denn sie waren so hervorragend, daß sie stürmischen Beifall ernteten. Dieser Theil der Feier hat für das größere Publikum weniger Jntercffe. Von größerem Interesse dürste die Festrede sein, die Herr Dr. Tauber,. Prediger an der hiesigen Neusynagoge, Hielt und die auch den wohlverdienten Beifall der Anwesenden in reichem Maße erntete. Redner hob hervor, daß der Verein sich mit Recht den Nkmen „CHa;mka" beilege, denu Chanuka sei das Fest der Weihe, und eine Weihestunde sei ja auch die Feier, bei der ein solch hervorragender Akt der Wohtthstigkeit vorgenommen werde. Aber noch in anderer Beziehung steht dieser hmnanitäre Verein mit dem Feste der Makkabäer in Verbindung; denn jene Helden des Alterthums haben vor nun mehr als zweitausend Zähren nicht nur für die Erhaltung der Religion, sondern auch für die Humanität und Menschenüebe gekämpft. Denn das heidnische Alterthum kannte die Humanität und Menschenliebe nicht, wobei Redner auf die Worte jenes Weisen hinwies, der, als er aufgefordert wurde von seinem Besuche in Rom zu erzählen, zur Antwort gab: „Ich könnte Vieles von der beutegierigen, länderverschüngenden und völkerzertrctenden Noma erzählen, aber ich erwähne mir eines Umstandes, der diese Stickt und dieses Volk genügend charakterisier. Ich ging durch die Straßen von Rom und sah die Statuen urck Denkmäler, deren es dort eine große Anzahl gibt, eingehüllt in schützende Tücher, vor den Unbilden der Witterung,' und am Fuße dieser Denkmäler lagen halbnackte, verhungerte Menschen, vor Frost und Kalte zitternd, und Niemand erbarmte sich ihrer. Das ist Rom! Nicht nur ihre Götter waren von Stein, mich ihre Herze» waren hart wie Stein. Die Idee der Liebe und Humanität hat im Judenthum zuerst Ausdruck und Bethätigung gefunden und ist von ihm der ganzen civilisirteü Welt mitgetheilt worden. Der Redner kam darauf auf den Talmud zu sprechen und sagte, da in neuerer Zeit so viel Schlechtes aus dem Talmud herausgelesen wird, das nicht darin enthalten ist, so will er nur zwei Beispiele der Humanität aus dem Talmud erzählen, von dem vielen Guten, das ja in ihm enthalten ist. Zu diesem Behnfe wählte der Redner zwei treffende Beispiele,' die er mit solcher Meisterschaft vortrug, daß das Publikum sichtlich davon gerührt war. Zum Schluffe ermahnte der Redner die Anwesenden, den Humanitären Zweck des Vereines noch kräftiger zu unterstützen, ...denn, wenn auch Großes geschieht, so könnte noch mehr geleistet werden, da nicht alle Bedürftigen, welche um Unterstützung baten, Berücksichtigung finden konnten. Hinweisend auf den goldenen Spruch des Talmud min Nün oroy q":y '122 schloß der Redner mit einem warmen Appell an die Herzen der Anwesenden seine ebenso schöne wie formvollendete Festrede. H:* Gödöllö (Ungarn). Sc. Majestät der König weilt schon seit längerer Zeit in seiner hiesigen Sommerresidenz. Jüngst machte er in der. Umgebung einen Spazierritt, bei welcher Gelegenheit ihn ein hoher Herr begleitete, welcher die Bemerkung machte: „Alles, was Ew. Majestät hier sehen, ist jüdisches Eigenthum, blos, Gott sei Dank, dieser eine Besitz hier nicht!" Dabei zeigte er auf das königliche Lustschloß. Der König erwiderte hierauf ebenso schlagfertig als treffend: Doch, doch — unter Meinen vielen Titeln befindet sich auch einer, nach welchem Ich „König von I e r u sa l e m" bin! Rußla n b. : Petersburg, 17. Dez. (Telegramm). Ans Grund des Verdiktes der Geschworenen wurden der verabschiedete Oberstlieuteuant Mironowitsch wegen Ermordung der Sarah Becker zu siebenjähriger Zwangsarbeit, der verabschiedete Lieutenant Vesak wegen Verheimlichung des Mordes, Verschwendung, Bettuges und Diebstahls zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt; die Ssemenowa wurde freigesprochen. \; s . Jaltouschkow, (Podolien), 15. Dezember. In der letzten Zeit hatte die hiesige Administration einige Mal von der hohen Negierung einen Befehl erhalten, die Juden aus einigen Dörfern und Flecken auszutreiben. Viele von . unseren Glaubensgenossen müssen diese schreckliche Verbannung erdulden