Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1884)
- Date
- 1884-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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I 1650 und es wirb M ein. schlechter. AtM/.eMösm^wemr sich eine 'Stimme' hören läßt, *) die da' pathetisch aüsrüst: „Mehr als.Hunderte von Foliobänden 'über' minutiöse halachische Themen, wiegt das Stattkt der allgemeinen israelitischen' Allianz',' die von den modernen Juden ins Dasein gerufen wurde." ..."'Dieser Satz ist eine Phrase und eine gefährliche Phrase, denn im Allgemeinen hat sich noch kein Maßstab gefunden, um den Werth des Wissens überhaupt zu messen. Der Werth einer Wissenschaft gehört zu den immensurablen, unendlich großen Dingen: Wer ferner in einer Wissenschaft minutiöse Themen als minder wichtig darstellt hat den Boden der Wissenschaft ganz und gar verlassen. Der Naturforscher betrachtet den Flügel einer Mücke mit derselben Sorgfalt wie den großen Elefanten, beides ist gleichwerthig. Im Besonderen wollen wir darauf Hinweisen, daß diese Leute, die sich mit den „minutiösen halachischen Themen" beschäftigen, nie kargten, wenn es hieß, für das Judenthum mit Gut und Blut einzutreten, daß diese „minutiösen hala- . chischen Themen" eine Anzahl Paragraphe aufweisen , die Pidjon Schebuim zur heiligsten Pflicht machen. Sollte denn der Schreiber der angeführten Phrase so unbekannt mit der Wissenschaft und der Geschichte des Judeuthnms sein, das; er nicht Kenntniß von jenen Opfern hat, die die nicht „modernen" Juden in vergangenen Zeiten für leibliche und geistige Befreiung ihrer Brüder brachten, sollte es ihm entfallen sein, daß die Juden aller Erdtheile sich alsBrüder betrachteten in Freud und Leid, im Glück, wie im Unglück? Wohl gab es damals kein anderes Statut der Alliance als das im Talmud verzeichnet, dabei war aber die Alliance unausgesprochen und vhne Beitrittserklärung festgeschmiedet, und gerade die so arg gelästerten Foliobände bildeten das eiserne Band, das Herz au Herz kettete. In ähnlicher; Weise bildeten sie die Academie der jüdischen Wissenschaft, nach welcher man sich heute so sehr sehnt.; Wir wollen keine Phrase, wir wollen erkenntnißreiches Urtheil. Die Alliance ist heute nothwendig, nicht weil die Alten kein Herz für ihre Brüder hatten, sondern weil das Herz der Modernen nicht mehr so"warm für das Judenthmn, für die Einheit, desselben und für den jüdischen Bruder schlägt. Harmn. Dank und Verehrung den Männern, die es ' verstanden,, auf dem durch den Talmud' bearbeite- .vorbereiteten Boden, die herrliche, Pflanze ' -/i'i-ii'J*} Jj Ü j 'r.t (•: i : i};; (*) »Neuzeit* in Wien Nr. 50: „Die israelitischen ÄllkauM* von I. (Zellinck?) zeitigen ' zü lässcn. Bis' in unsere Zeit und hoffentlich bis iu Ewigkeit hiuem ragt die wohlthättge Wrrküng' Äs' TalmüdstndiNms) denn zum -roßen Theile hat der Talmud däsjüdische Hetzgebildet. Dank' den Maimenl, die 'verständigen Blickes',' warmen jüdischen Herzens und starker Hand das Vereinigungsniittel e i n e r Seite " unserer Wohlthätigkeit geftlnden haben, über keinen Dank jenen Wortführern, die a tout 'prix uns von der großen Vergangenheit lostrennen wollen. Wir wollen da weiterbanen, wo unsere Väter aufgehort haben, in ihrem Geiste, mit ihrem Ernste und an Güte ihnen gleich. Der Talnmd ist der Boden unserer Kraft, wir dulden kein Naserümpfen, keine selbstgefällige Üeberhebung von nichtjüdischer Seite, viel weniger von jüdischer und am allerwenigsten über das, was den Stolz des Judenthnms feit vielen Jahrhunderten ausmacht. Lieber offene Feindschaft, vor der man sich doch hüten kann, als nach rechts und links ausschauende Verrätherei unter dem Mantel liebedienerischer Freundschaft. Ja, wir rufen Verrath, wenn der Talmud von jüdischer Seite geschmäht wird, wenn die Men, unsere Väter verzerrt aus dem Rahmen ihrer Zeit gerissen, wenn sie statt der Anerkennung für ihre Mühen und Opfer Schimpf ernten, wenn sie statt des Dankes, den wir ihnen schulden, für das unter den ungünstigsten, schwierigsten Verhältnissen bewahrte und vermehrte Erbe nur Mäkelei und Undank finden. Das ist sicherlich nicht jüdisch und gehört unseres Wissens nicht in das Statut der Alliance. Sollte jedoch Vorelligkeit das erwähnte, ungerechte Urtheil gefällt haben, so machen wir auf den Spruch der Alten aufmerksam: nrmr o'Dsn □mim. Wohin soll es führen, wenn Unbedachtsamkeit Hand an unsere Heiligthümer legt? Prag, 14. Dec. Gestern Abend, Nach Ausgang des Sabbats, feierte der hiesige Wohlthätkgkeitsverein „Ehanuka", seinen alljährlichen Festabend in den Räumen des Convict-Saales. Trotzdem, daß nur Mitglieder des Vereins Karten zugestellt erhalten, war dennoch, lauge vor Beginn der eigentlichen Feier, der geräumige Saal in allen Theile» gefüllt, welcher Umstand das rege Interesse bezeugt, das allenthalben den humanttären Bestrebungen des Vereins entgegengebracht wird: Die Aufgabe'des Vereins besteht in der Unterstützung armer Kinder, und hat derselbe' seit seinem 15jährigen Bestehen mehr Ml IW Kinder -bekleidet.: Anläßlich des Festes waren auch die Gegenstände der diesjährigen Betheiligung für die Spender. und Mitglieder des Vereins ausgestellt, und konnte man sich von deren \