Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1884)
- Date
- 1884-12-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1635 schuß vornehmen, und es hatten sich zur Vornahme des Wlchlactes iusgesammt 141 Alediciner eingefunden. Vor dem betreffenden Hörsaale hatte sich eine nach Hunderten zählende Studentenmenge aufgepflanzt. Das Wahlresultat'ergab eine Majorität von zwei Sümmen für die Candidaten der nicht anüsemittschen Parte! und wurde von der Minorität mit nicht endenwoltenden Pereats und mit den Rufen: „Nieder mit den Juden!" aufgenommen. Die jüdischen Studenten schickten sich nunmehr an , den Saal zu verlaffen; als nunmehr zwei Dutzend zurückgeblieben waren, drangen die sogenannten „Germanen"'auf diese Studenten mit den Stöcken ein mW droschen auf die Wehrlosen aus Leibeskräften los. Das kleine Häuflein erzwang sich schließlich doch den Ansgang: als sie im Arcadenhofe angelangt waren, sielen draußen stehende Studenten über sie her, und nun kam cs zu einer Rauferei in großem Style. Einzelne Studenten machten von den Messern Gebrauch, und es kamen im Handgemenge zahlreiche Verletzungen und Verwundungen vor. Zwei Studenten wurden blutüberströmt, der eine mit einer klaffenden Kopfwunde, aus dem Gedränge in Sicherheit gebracht, und der auf dem Schottcnringe wohnende Universitäts-Docent Med. Dr. Grünfeld leistete den Verwundeten die erste Hllfe. Endlich hatte der Kampf sein Ende erreicht, und unter lautem Geschrei gingen die Studenten auseinander.. . An der Thür des Hörsaalcs, wo gestern die Wahlen stattfanden, ist Folgendes angeschlagen: Auf Wunsch Sr. Magnificcnz des Herrn Rectors sehe ich mich gezwungen, gegen nachträgliche Indemnität von Seite des Vereinsausschuffes die Wahlen bis auf Weiteres zu suspendiren. Dr. Karl Herzfeld, Vorstand des Medicinischen Unterstützungs-Vereins. Die Ausschußwahlen für den Medicknischen Unterstützungs-Verein werden bis auf Weiteres suspendirt, - Wfen, 10. December 1884,- ° •v. ‘ ' Dr. A. Vogl, i , . < d. z. Decan der medicinischen Facultät. ' Wien, io Dez. Ans Anlaß des. : Untcrliegens eines Antisemiten bei einer Vereinswahl begingen in der Universität, antisemitische .Studenten arge Exzesse. Mit Stöcken übersielen sie ihre ' israelitischen Kollegen und die Balgerei: , ergriff bald weitere Kreise. Es'kamen mehrfache ernste Verwundungen vor. Die Polizei ist nicht eingeschnttcu.- ' :' 4 Budapest, 9. Dez. Die angcfochtene Csongrader Wahl des antisemitischen Abgeordneten; Sigmund Csatar ist von der Gcrichtskommission annnllirt worden. ' •' ^: ... - n i /■; ’ .1 J ■ i i , V,.- -!. - Turin, im November: Bei der officiellew Volkszählung blieb die Rubrik „Religion" auS den» Schema hinweg. Hinterdrein jedoch wünschte man die Zahl der Protestanten und Israeliten im italienischen Reiche zu wissen und der Generaldirector der Statistik richtete deshalb einen Fragebogen an die Rabbiner und Gemeindevorsteher, sowie an israelitische Notabititätcn an Orten, wo keine-Gemeinde constitnirt ist. Man hat prompt geantwortet und daraus veröffentlicht das statistische Vureau.Notizen über die israelitische Bevölkerung Italiens.: Bei dieser Proccdur konnte man demnach auf eine genaue Zählung nicht rechnen, noch dazu,-da-man öfter Combinationen aus der Anzahl der Geburten und der Todesfälle zu Hilfe nehmen mußte. Man fand die Gesammtzahl 36,283 Israeliten: Dieselben sind verstreut in 38 Provinzen und 122 Ortschaften. Die größte Gemeinde ist die zu Roin von ungefähr 6200 Seelen, dann folgen Livorno mit 4049; Turin mit ungefähr 2500, Venedig mit 3454, Florenz mit 2000 Seelen, hierauf kommen Ferrara, Ancona, Manttm, Mailand, Modena, Padua, jede mit mehr als 1000 Seelen; endlich eine große Zahl von Ortschaften mit und ohne jüdische Gemeinde, von. 975 Seelen, der jüdischen Bevölkerung von Verona bis zu einem einzigen Individuum. R u ß l a n d. Schon am 4. December meldete uns ein-Telegramm aus Moskau, daß die Negierung den Juden selbst als Kauflcntcn erster Gilde, in Odessa Handel zu treiben verboten habe, wenn sie nicht dazu die Erlaubniß der Minister des Innern, der Finanzen und des Aeußeren erlangten. Nuwtclegraphirt man der „Germania" aus Warschau vom 11. d. M.: „Kuryer Warszawski" meldet: „Ein Erlaß des Ministers des Innern an die Polizeibehörde, wonach alle in Odessa und andern Städten des Kaiserreichs auf einen ausländischen Paß ohne specielte Erlaubniß wohnenden Juden ausgewiesen werden sollen, erregt in Handclskreisen große Besörgniß. In Kiew, Odessa und anderen Plätzen werden dieserhalb wohl verschiedene Firmenliqnidiren müssen." Ob die hier erwähnte Verordnung