Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1884)
- Date
- 1884-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ten Messias gehalten wurde, Bar Kochba, trat au die Spitze seiner unterdrückten Brüder. Ter Aufstand mißlang, und die letzte Kohle Israels schien dem Erlöschen nahe. Ein entsetzliches Blutbad wurde Von den Römern angerichtet. Doch nicht allein gegen dasLcÜcn der Nebriggebliebcncn richtete sich die Wuth der Tyrannen, sondern noch viel mehr gegen die Religion Israels. Es wurde verboten, die Thora zu lehren und zu lernen. Der Vollzug eines jeden Gottcsgebotes wurde mit dem Tode bestraft. An den Kindern sollte die Bcschneidnng nicht vollzogen werden; wer die Thcphillin anlcgte war dem Tode verfallen. Wer am Hüttcnfeste betroffen wurde, daß er in der gottgcboteucn Hütte wohnte, wurde durch das Schwert hingerichtet. So wollte man Israel zwingen, die Religion der Vater auszugeben. Mit Feuer und Schwert wüthete man gegen die großen Lehrer Israels. Rabbi Akiba wurde unter den schrecklichsten Qualen hinge-' richtet, Rabbi Jehuda bcn Baba wurde von Pfeilfchützcn gctödtct, Rabbi Chananjah bcn Tradion mußte den Scheiterhaufen besteigen — nur, weil sie die Thora gelehrt hatten. Keine Rettung, kein Entkommen schien inehr rnöglich, der letzte Uebcrrest Israels war im Entschwinden begriffen. Gibt es ans dein weiten Erdenrunde, gab cs im langen Laufe der Jahrtausende ein anderes Volk, das ähnliche Krisen erlebt und überwunden hätte? Der allgewaltige Beistand des einzigen Gottes, des Schöpfers und Herrn des Weltalls hat unser Volk stets gerettet ans den schrecklichsten, unüberwindlich scheinenden Gefahren. Der blutige Verfolger Israels, Kaiser Hadrian, erlag einer gräßlichen Krankheit, und gleich nach seinem Tode wurden seine grauenhaften Edicte zurückgenommen. Der kleine Ucberrcst der Inden durfte aufs Neue die alte Treue für den einzigen Gott bewähren. Leben und Dauer wurden ihm wiederum durch das Studium der Gottcslehrc und durch die Erfüllung der Gottcsgcbote verliehen/ Rabbi Jehuda, der Heilige, hieß der große Mann,'.deck es vergönnt war,, den Ucbcrrest seines Volkes unr sich zu sammeln und einer bessern Zukunft entgegcnznführen. Durch die Freundschaft des römischen Kaisers beglückt, wollte er. nichts für sich, sondern' rvirkte und strebte nur . für' sein Volk und für die''Erhaltung. der Lehre uns eres Gottes. Sein Werk/wurde von feinem. Sohne, , seinem Enkel und feinem Urenkel, in gleichem Sinne fortgesetzt. Dann aber/ging Juda einer'neuen, nicht' minder' furchtbaren .Krisis.' entgegen. .' Das..römische Weltreich nahm unter Constantin,. dein"Großen// die'Religion einer aus dem Judenthmn hervürgegäilgenen Secte als Stäatsrcligion' an. Noch intoleranter' als -'ir - u •: j; u..: ' ..SifV.t. JüO .ui Griechen und Römer waren die Bekenner des neuen Glaubens gegen Juden und Judcuthum, so daß in dem unter der Herrschaft der christlichen Kaiser stehendem alten Vatcrlande kein Raum mehr blieb für die Entfaltung des jüdischen Geistes. Aber der allgütige Gott hat immer Seinem Volke die Heilmittel gesandt, noch ehe die Wunde geschlagen wurde. Schon zu Lebzeiten Rabbi Jehuda's, des Heiligen, hatten zwei seiner Schüler, Rab und Samuel, an den Ufern des Euphrat und des Tigris Pstanzstättcn für das Studium der Thora gegründet. Hierher verlegte sich, als das Patriarchat in Pälästina aufgehoben wurde, der Schwerpunkt des jüdischen Lebens. Hier wurde der babylonische Talmud. nicdergeschrieben, der da die unsterbliche, nimmerversiegende Quelle des Heils und des Segens wurde für alle Folgezeit. Fast ein Jahrtausend lang blühten in jenen gesegneten Niederungen zahlreiche jüdische Gemeinde», an deren Spitze der Nesch Galutha stand und die Schuloberhänpter von Surah und Pnmpeditha. Hier war die jüdische Lehre, trotz mannigfacher Verfolgungen und Anfeindungen, geborgen, während der ersten Hälfte des finstern Mittelalters, während der schrecklichen Zeit der sogenannten Völkerwanderung. Als aber im fernen Westen, auf der pyrenäischen Halbinsel, ein neuer Völkcrmorgcn anbrach, als unter der Herrschaft der Mauren Künste und Wissenschaften zu blühen anfingen, da zogen die Söhne Israels dem Lichte zu, und Spanien wnrde das Land, das die größten jüdischen Gelehrten, Dichter und Denker gebar. Fast gleichzeitig erwachte neues Lebens in den jüdischen Gemeinden, die sich in Italien, Frankreich, Deutschland und England gebildet hatten. — Ruhe und Frieden hat Israel auch in diesen Ländern nur wenig genossen. Ans England, Frankreich, Spanien und dein größten Thcile Italiens vertrieben, hatte c§ in Deutschland die blutigsten Verfolgungen zu erdulden. Aber den Verfolgten und Vertriebenen hatte sich das Reich der polnischen Krone erschlossen, und in diesen Gegenden entwickelte sich bald ein reiches jüdisches Leben. So sehen wir die Nachkommen Jakobs, von den verschiedenartigsten Stürmen umhcrgeftieben, erhalten lediglich. durch den Schutz und. die Gnade unseres Gottes. Diese stets deutliche erkennbare Gottcshilfe war, ist und wird stets' lein. dieGrundläge unserer Existenz, und. darin beruht auch' M unangreifbare Berechtigung unseres Daseins. ' ‘. (Forschung folgt.)