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Der Israelit · 1884-12-11 · Heft 98 (11.12.1884) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 98 (11.12.1884)
Date
1884-12-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1628 als ich Gelegenheit fand, ein ganzes Waarenlager auf Credit zu kaufen und sofort wieder mit großem Nutzen anzubringen. Diesem Geschäfte folgten noch andere, ähnliche. Ich bin wieder ein wohlhabender Mann, und das verdanke ich nur Ihnen. Hier sind die hundert Gulden zurück. Gestatten Sie mir. Ihnen diesen Diamantring zu verehren." Der Rabbiner nahm den Ring und betrachtete ihn aufmerksam; er ging damit an's Fenster und freute sich des herrlichen Glanzes. — „Welch ein schöner Ring, welch ein prachtvoller Stein!- rief er ein über das andere Mal. Mit Wohlbehagen ersah der Kaufmann die kindliche Freude des verehrten Mannes. Der anwesende Schüler aber rückte unruhig auf seinem Stuhle hin und her. Gern hätte er gerufen : „Wie darf der Rabbi den Ring nehmen! es ist doch Ribiß!" — aber er wagte es nicht, einen solchen Einwand zu erheben. Nachdem der Rabbi sich lange an der Betrachtung des Ringes ergötzt hatte, gab er dem Kaufmann denselben zurück und sprach: „Mein lieber Freund, den Ring darf ich nicht nehmen. Es wäre ja wie Zius für das gemachte Darlehen zu betrachten. Dringen Sie nicht ferner in mich; ich darf den Ring nicht nehmen. Möge Gott Ihnen auch ferner beistehen." Als der Kaufmann sich entfernt hatte, sagte der Rabbi zu seinem Schüler: „Du hast Dich wohl gewundert, daß ich den Ring nicht sofort zurückgewiesen. Ich will Dir ein Geschichtchen erzählen. Mein Lehrer, Rabbi Nathan Adler, gesegneten Andenkens, war einst mit einer Gevatterschaft in einem kleinen Orte in der Nähe von Frankfurt beehrt worden. Ich durfte ihn begleiten. Am Tage vor dem Beschneidungsfeste fuhren wir von Frankfurt ab. Es war ein schreckliches Wetter. Hoch deckte der Schnee den Erdboden, und kurz vor unsrer Abreise war Thauwetter eingetreten. So kam es denn, daß unser Fuhrwerk stecken blieb, und der Kutscher erklärte, er müsse aus einem benachbarten Dorfe Vorspann holen. Als er zuruckkehrte, sprang der Rabbi aus dem Wagen und lies, mit Schuhen und seidenen Strümpfen angethan, jübeld im Morast umher. Erstaunt blickte ich auf ihn und wußte mir sein rätselhaftes Benehmen nicht zu erklären. Da rief er mir zu: „Siehe einmal, was der Fuhrmann für Vorspann geholt hat!" — Ich sah hin und bemerkte, daß der Kutscher im Begriff war, einen Ochsen neben dem Pferde einzuspannen. — „Gelobt sei Gott," rief der Rabbi, „der mir Gelegenheit gewährt' hat, mich von der Uebertretung dieses heiligen Verbotes zurückzuhalten. Das wäre uns doch nicht zugekoinmen, wenn wir in Frankfurt in der Judengasse geblieben wären." — Dann befahl er dem Kutscher, den Ochsen zurückzuführen und statt dessen ein Pferd herbeizuholen. „Siehe, mein Kind," fuhr Rabbi Moscheh in seiner Erzählung fort, „etwas Aehnliches hat sich mir heute ereignet. Ich bin Rabbiner, und mein Einkommen ist nicht derart, daß ich in Versuchung käme, meine Ersparnisse auf Zinsen ausznleihen. Da habe ich mich denn so sehr mit dem Ringe gefreut, der mir Anlaß gab, Gottes heiligem Worte auch in dieser Beziehung nachzukommen." Solche kleine Episoden kennzeichnen das Wesen großer Männer oft mehr als überschwengliche Lobeserhebungen., . Au Danuka. Eine Skizze nach dem Leben. Bon Aon. Lehmann. I. Die arme Kranke war eingefchlummert, doch ihr Schlaf war kein ruhiger; sie schien sich im Traume lebhaft nach etwas zu sehnen, die abgezehrten Arme streckte sie aus, und der zahnlose Mund flüsterte leise: „Zu Chanuka!" Da verkündete die alte, schwarzwälder Nhr die zweite Hälfte der vierten Stunde. Die Kranke fuhr empor. „War das nicht halb vier Uhr?" fragte sie das an ihrem Bette sitzende junge Mädchen. Diese bejahte. „Endlich, endlich nach einer Trennung von fünfzehn Jahren," murmelte die arme Alte. Wie schrieb er doch? „O, mein Mütterchen, wie ich mich nach Dir gesehnt, ich brauche es Dir nicht zu schildern, weiß Ich doch, daß sich das Herz meines süßen Mütterleins ebenso nach mir sehnte; ich zähle die Minuten, die Seknnden bis zum Abgänge des Schisses; liebes, schönes Chanukafest, an dem ich .mit meinem Mütterchen wieder vereint sein werde. Gerade mit Beginn der Dämmerung komme ich; um 3 Uhr 48 trifft der Zug ein, da bin ich kurz vor 4 bei Dir." — Schrieb er nicht so, Judith, bitte, lies mir seinen Brief noch einmal vor!" Judith nahm aus einer Schieblade den Brief und begann, wohl zum zwanzigsten Male, den Brief der Alten vorzulesen: „Mein heißgeliebtes, gutes, treues Mütterchen! Mütterchen ist krank--; „Bitte, Judith," unterbrach sie die Kranke, „nimm es einer launischen alten Frau nicht übek.

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