Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1884)
- Date
- 1884-12-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1615 - „Geehrte Redaction! Jemand der ein besonderes Interesse zu haben scheint, so oft von jüdischen Angelegenheiten die Rede ist, dieThatsachen zu verquicken, hat sowohl in ihrem geschätzten Blatte, als auch in mehreren anderen vaterländischen Journalen die Mittheilung veröffentlicht, als hätte der Präses derBudapester autonomen orthod. jüdischen Gemeinde in der Oberhaus-Vertrettmgsftage irgend welche Schritte und Aeußerungen gethau. Ich halte cs daher für meine Pflicht, zu erklären, daß von alldem meinerseits, (Es war auch gar nicht voir Herrn Freudiger, sondern von Herrn Reich die Rede. D. Red.) nichts geschehen, umsoweniger, da meiner Ansicht nach zu einer Stellungnahme nur eine legale Landesversammlung der aut. orthod. jüdischen Konfession berechtigt wäre. In hochachtnngsvoller Ergebenheit Budapest, (Pesth) 30. November 1884. M. Freudiger, Präses der aut. orthod. jüdischen Gemeinde." Wir holten unsere Nachricht aus so guter Quelle,, bemerkt dann das „Budapester Tageblatt", daß wir dieselbe auftcchterhalten können; eine einzige Unrichtigkett ist es, die wir zu rektifiziren haben und das ist die, daß Herr Reich nicht Präses der hiesigen orthodoxen Gemeinde, sondern des Landesverbandes der Orthodoxen ist. Budapest. Ans dem neulich erschienenen 13. Bericht des ungarischen Unterrichtsministers erhellt, daß 27 Prozent der schulpflichtigen israelitischen Kinder die Schule nicht besuchten (von Protestant, ca, 12, von kath. 15, von reform. 21, von nnitarisch. 24, von griechisch-nichtunirt. 33, von griechisch-kathol. 43 Procent), daß aber die Zunahme seit dem Jahre 1869, wo das Volksschulunterrichtsgesetz erlassen wurde, bei den Israeliten 129,4 Procent betrug (bei den Griechisch-Unirten 36,4, bei den Protestanten 39,7, bei den Reformirten 49,5, bei den Katholiken 56, bei den Griechisch-Unirten 117,3). Die rsraelitischen Volksschulen haben um 6 zugenommen, und zwar kommt durchschnittlich 1 Lehrer auf 81 Schüler. Rein ungarisch waren lOO Proc. der unitarischcn, 98,1 der reformirten, 90,6 der Vereins-, 88 der staatlichen, 78,4 der Privat-, 67,8 der israelitischen, 61,9 der kommunalen, 55,9 der römischkatholischen, 22,5 der protestantischen, 6,4 der griechisch-katholischen 0,4 der gricchisch-nichtnnirten, d. h. also die israelitischen Schulen folgen dort gleich hinter den staatlichen Anstalten, wo es sich um die ausschließliche Benützung der Staatssprache handelt. Und auch in den 49,4 Proc. jener israelitischen Schulen, der Unterrichtssprache nicht die ungarische ist, wurde die ungarische Sprache mit Erfolg unterrichtet, während von den an den 516 israelitischen Schulen ängestellten 879 Lehrern 96 Proc. die ungarische Unterrichtssprache vollkommen handhabten, einen Procentsatz, der. beispielsweise bei den Römisch-; Katholiken 90 und bei den Protestanten 71 Procent beträgt. 7 : : : :: i , , i - Pesth, 5. Dezembers Im Strafprozesse des Alexander Windisch, früheren Herausgeber des in Preßburg erscheinenden antisemitischen Blattes „Westnngarischer Greuzbote", welcher zum Schaden des Grasen Albert Apponyi und des Herrn Anton Jerffy Wechsel gefälscht hatte, fällte der oberste Gerichtshof heute das Urthcil, demgemäß die von der königlichen Tafel aus drei Jahre Kerker erhöhte Strafe bestätigt wurde. Aus Ncupesth wird dem „Hiresarnok" der folgende skandalöse Vorfall berichtet: „Heute Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr Mittags erschien der Nedacteurdesantisem.Wochcnblattcs,,ttjpest",Bartholonläus Szterönyi, in Begleitung des hiesigen Schuhmachers I. Lipürdy, in der Wohnung der Kaffee- ’ schänkerin Rosa Weidmann und forderte von derselben die Herausgabe des Dicnstbotenbuches einer gewissen Elise Bnti, die früher bei der Weißmann bedienstet war. Als Letztere dem Verlangen nicht sofort Folge leistete, attakirte Sztersnyi mit dem Stocke die Weißmann und schlug dieselbe blutig. Hierauf begaben sich SzterLnyi und Lipardi in das Gemeindehaus, wo sich auch der Sicherhcitscommiffär Chapü befand. Szterbnyi nannte den Gemeindevorsteher einen Räuber nnd drohte das Gemeindehaus in Brand zu setzen. Hierauf wurde Ehapü von Sztcreniy mit einem Stocke in's Gesicht geschlagen und mit einem Stilet in die linke Seite gestochen. Ehapo setzte sich zur Wehre und es gelang ihm nach längerem Ringen den Angreifer unschädlich zu machen. Sztercnyi wurde sodann in Eisen geschlagen und in Haft genommen. Er wird dem Strafgerichte cingeliefcrt." — Der Attentäter wurde cskortirt von fünf. Gendarmen, in das Ofner Fortunagcbäude cingeliefert. Rußland. . j, Dünaburg, 8. Dccembcr. Kürzlich besuchte der greise Metropolit von Kiew, Platon, einer der drei höchsten Würdenträger der russischen Kirche unserer Stadt, und hatte auch eine Deputation der jüdischen Gemeinde die Ehre, von demselben zur Begrüßung empfangen zu werden. Der Kirchenfürst v empfing dieselben auf das Liebenswürdigste und erwiderte ihre Begrüßung wie folgt: Wir Menschen sind allesammt Brüder; dienen ja Christen und Juden einem Gotte, denn ein Gott hat uns erschaffen, ' i