Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1884)
- Date
- 1884-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449498--21303-2510883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1613 schon bei der sel. Lady M. und nach deren Ableben auch bei Sir Moses, vertrat sie oft die Stelle einer Gesellschaftsdame. Sehr oft in den letzteren Jahren, besonders am Freitag Abend, machte sie die Vorleserin. Daß sie in dem hohen Hause eine sehr angenehme Stelle bekleidete, beweisen ihre Reisen mit Sir Moses nach Jerusalem und anderwärts. Am 2. Tag Nosch haschanah d. I., nachdem sie mit Sir Moses die Schofartöne gehört hatte, überfiel sie die hartnäckige Krankheit, deren Keim schon lange in ihr verborgen lag, und welcher keine Genesung mehr folgen sollte. Am 12. v. Mts. winde ich telegraphisch an ihr Krankenbett gerufen. Ich reiste mit meinem Bruder sogleich nach Ramsgate,* kam am 14. dort an und traf sie leider nicht mehr am Leben. Am 13. v. Mts. stieg ihre reine Seele zum Throne des Allmächtigen empor. Ich erhielt sogleich Audienz bei Sir Moses, er bewillkommncte mich und drückte mir sein Beileid mit den herzinnigsten Worten aus. Er sagte mir, der Tod meiner Tante habe ihn um Vieles znrückgeworfcn; sie wäre ihm eine so treue, strengreligiöse Dienerin gewesen. Er bewirthete mich in seinem Hause, woselbst mir alle Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Am 16. Mittags war die iTY?. Diese gestaltete sich zu einer großartigen. Ein Verwandte des Sir Moses, ferner der Vertraute meiner sel. Tante, Herr Dr. Löwe, die sämmtlichcn Rabbonim des rmm nii’D ymrr, die 2 D^rn, sämmtliche Juden Ramsgatcs, sowie eine unabsehbare Menge Leidtragender aus allen Klaffen der Bevölkerung folgten dem Lcichcncondukte. Nachmittags 2 Uhr wurde durch einen Neffen des Sir Moses der letzte Willen meiner sel. Taute bekannt gegeben. Ihr echt religiöser Sinn, ihre Liebe und Anhänglichkeit an das heilige Land, welches sie mit eigenen Augen geschaut, das Elend unserer Brüder dortselbst lag ihr so am Herzen, daß sie seiner nicht mlr im Leben oft durch reiche Gaben gedachte — sie hatte sich schon vor 4 Jahren dort eingekauft für immer — sie hat das Land unserer Ahnen auch in ihrem letzten Willen bedacht. So vermachte sie der portugiesischen Gemeinde 1000 M. und der aschkenasischen ebenfalls 1000 M. Außerdem bestimmte sic für zwei Synagogen je 1OOO M., für welche die in Rimpar im Trauerjahr das übliche Kadischgcbct zu verrichten hat. Auch das rvnm nm 7,-?irr, die Rabbonim, den jfn, den tcmtf und das Dienstpersonal Sir Moses bedachte sie mit größeren, rcsp. kleineren Legaten. So hat sich denn meine sel. Tante r\y verewigt für allen Zeiten. Aus dem Nachlasse meiner sel. Tante erhielt ich eine Menge Bücher, welche Abhandlungen von den Reisen des Baronets ins hl. Land und nach Marocco enthalten und eine prachtvolle Bibel "pn in hochelegantem Goldschnitt gebunden, welch Bücher alle Sir Moses meiner sel. Tante als Präsente verehrte und denen seine Unterschrift in Autographic beigegeben ist. - . Vor meiner Abreise in Ramsgate verabschiedete' ich mich bei meinem hochgeehrten Gastgeber. Ich dankte ihm für die große Aufmerksamkeit und aufopfernde Liebe, welche meiner, nun in Gott ruhenden Tante rry, während ihrer langen Krankheit im Hause des edlen Baronets erwiesen wurden, sowie für die gute und aufmerksame Aufnahme, die ich während meines fünftägigen Aufenthaltes daselbst gefunden hatte. Der greise, hochbetagte Sir nahm meine beiden Hände und sprach mit lauter Stinnne, welche noch die Frische des Geistes vernehmen ließ: „Ich danke für Ihre gütigen Worte. Ihre „sel. Tante war mir stets eine treue Dienerin, eine ,werthe Gesellschafterin. Ich werde ihrer, nie „vergessen; sie wird stets in meinem Gedächtnisse „fortlebcn. Treten Sic in religiöser Beziehung „in die Fußstapfen Ihrer sel. Frau Tante ein „und halten Sie die Lehre Moses hoch für alle „Zeiten." Ich mußte weinen, solche Worte, solche gntmeincndcn Worte aus dem Munde dieses Besten der Menschen vernehmen gekonnt zu haben, welche zugleich die Versicherung enthielten, welch hohe Achtung und Ehre meiner sel. Tante in diesem Hause z» Thcil geworden waren. Nach einem nochmaligen, herzlichen Händedruck entließ mich der hochcdle Greis. Seine Worte werden nie meinem Gedächtnisse entfallen. — Nach einer Nachricht, die ich soeben ans Ramsgate erhielt, kann ich Ihnen, sehr geehrter Herr Nedacteur, versichern, daß Sir Moses nach Umständen wieder ganz wohl ist. A. Frank. Enerbach (Bayern), 8. Dec. Gestatten Sic mir, sehr geehrter Herr Redactenr, Ihnen einige Zeilen znzuscndcn, mit der Bitte, denselben gefl. Aufnahme in Ihr geschätztes Blatt gewähren zu wollen, als ein Beispiel für die Herren College». Der Sachbestand ist folgender: Unser Gottesdienst am mc D*n rctr findet im Orte Geldersheim statt, wo unsere schulpflichtigen Kinder dem Gottesdienste beiwohnen. Da sie deshalb die Elementarschule versäumen, so brachte der hiesige Curatus, resp. Lokal-Schulinspcktor düs zur Anzeige. Es wurde mir daraufhin seitens der kgl. Staatsanwaltschaft eine Strafverfügung von 5 Mark zugeschickt, da ich jedoch Einspruch erhob, so kam es an: 5. September d. Js. im kgl. Amtsgericht