Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1884)
- Date
- 1884-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1612 (5. 26, V. 3—13). Auch hier finden wir, daß Gott als Lohn für den frommen Wandel irdische Dinge verheißt; aber doch nicht ausschließlich. Die Worte O221N2 TC^rinm. „Und ich werde wandeln in Eurer Mitte" sind der Inbegriff der höchsten himmlischen Seligkeit. Das Judcnthum verheiß^ für die himmlische Seligkeit keinerlei sinnliche Genüge. Im jeüicultjCiir Leben gibt cs weder Speise noch Trank noch sonst Derartiges, sondern die Seligkeit besteht im Anschauen der göttlichen Majestät. — Dem entsprechend findet sich auch in unserem Gebete der Passus: „Und unsere Angen mögen schauen, wie Du nach Zion zurückkehrft mit Erbarmen." In der Haftarah des ersten Sabbats des Chanukah-Festes, welches das Andenken des Sieges über das Gricchenthum feiert, finden wir, gewiß nicht ohne Grund, einen ähnlichen Gedanken ausgesprochen: „Jubele und freue Dich, Tochter Zions, denn siehe, ich komme und werde wohnen in Deiner Mitte, spricht der Ewige." — Das ist die höchste Seligkeit im diesseitigen wie im jenseitigen Leben, gewürdigt 31t werden der Anschauung der göttlichen Majestät. Wohl haben die Propheten hienieden dieses höchste Glück erreicht; aber nicht in vollkommner Weise. Wann sie der göttlichen Offenbarung theilhaftig wurden, da ergriff sie Angst, Zagen und Zittern; sie stürzten zur Erde nieder, das Gesicht dem Erdboden zugewandt. Nur Moscheh allein durfte Gottes Herrlichkeit schauen ohne Angst, Zagen und Zittern, aufrecht stehend. Und so wird cs sein für uns Alle, wann Gottes Liebe sich uns wieder zuwenden wird, daher spricht der Prophet in Bezug auf jene ersehnte Zeit: Jubele und freue Dich, 0 Tochter Zions, da ich komme, um in Deiner Mitte zu wohnen. „Und es werden sich anschließen viele Völker dem Ewigen an jenem Tage, und sie werden mir werden zum Volke; aber wohnen werde ich in Deiner Mitte, und Du wirst erkennen, daß der Ewige Zebaoth mich an Dich gesandt hat." Diese große Zeit vorznberciten, ist die Aufgabe Israels, und das ist die Berechtigung seiner Existenz. Durch die vielen Leiden und Schmerzen, welche die Jahrhunderte uns fortlaufend gebracht haben, werden wir gereinigt und geläutert werden, bis wir die höchste Stufe der Vollkommenheit erreichen. Dann werden wir den hohen Lohn empfangen für alle die Schmach und das Elend, das unsere Mitlnenschen uns in so reichem Matze bereitet haben. - Als einst unser Vater Jakob mit dem Schutzengel seines Bruders Esaws kämpfen mußte und ihn 'überwand, sprach er zu ihm:' „Ich entlasse Dich nicht früher, bis Dlt lnich gesegnet hast. Und er segnete ihn daselbst." .; ■ Dieser Kampf ist ein Symbol für die Kämpfe Israels in allen Folgezeiten. Für alles Böse, das unsere Feinde uns znfügen, suchen wir nicht Rache und Vergeltung; wir wünschen nichts, als daß unsere Feinde zur Einsicht gelangen, so daß selbst sie uns segnen müssen. Das ist der Endzweck unseres Strebens, daß alle Nationen Gott erkennen und Theil nehmen an dem Heile, das Er uns einst bereiten wird. Aber auch dann wird die Existenzberechtigung Israels nicht zu Ende sein. „Und es werden sich anschließen viele Völker dem Ewigen an jenem Tage und werden Mir zmn Volke sein; aber thronen werde Ich in Deiner Mitte .... Und annehmen wird der Ewige als sein Erbtheil Jehuda aus heiligem Erdboden, und erwählen wird Er wiederum Jerusalem." Wie es seit dem Bestehen des jüdischen Volkes in Israels Mitte stets mancherlei Stufen der Frömmigkeit gab, von den vollkommen Frommen bis zu den verirrten Sündern, so werden an jenem Tage der Verheißung Israels Söhne und Töchter sämmtlich heilig sein dem Ewigen, wahrend die übrigen Nationen, die sich Gott anfchließen, sich erst noch emporringen müssen zur höchsten Stufe der Vollkommenheit. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuzen. D e u t s ch l a n d. Rödelsee in Bayern. Im Nachträge zu Ihrer Eorrespondenz in Nr. 96 d. d.Namsgate, 27.Nov., erlaube ich mir, den geehrten Lesern Ihres geschätzt ten Blattes Näheres über meine sel. Tmtte, Ms. Schwerin zu berichten; hat sie es doch verdient, daß ihr auch in dieser weitverbretteten Zeitschrift ein Denkstein gesetzt wird. Meine Tante ny, Caroline Schwerin, eine geb. Frank, war in Nimpar bei Würzburg 1808 von frommen Eltern geboren. Nachdem sie eine gute Erziehung genossen hatte, kam sie frühzeitig in die Fremde, nach Frankfurt a. M., und siedelte 1830 mit einer Familie .Königswarter nach London über. Hier heirathete sie 1844, genoß jedoch das Glück der Ehe nicht lange; gar zu bald mußte sie Wittwe werden. Sie ward an Lady Montefiore recommandirt und übernahm schon anno 1845 im Hause des großen Philanttopen vrvuan die Küche, welche sie treu und zur vollkommensten Zufriedenheit ihrer Herrschaft bis zu ihrem Ende verwaltete. Sie war zugleich die Beschließerin des Hauses und