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Der Israelit · 1884-12-08 · Heft 97 (8.12.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 97 (8.12.1884)
Date
1884-12-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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~XxyJahrgang'';rh?J Mü\ ifc»! *1« uhu: ^n:, r* *yi\v,pn!n*il jvifc rb»;.' -» .<! _?:b‘ v- V bb im .•rtrtlU: 41M Leitender Artikel. L i 1 er a r i s ch e s. Das Kunstwerk des tut Jahre 1733 verstorbenen ftauzos. Kupferstechers L. Picart, Scenen aus dem jüd. Leben darstellend, ist durch seine Seltenheit in weiten Kreisen kaum dem Namen nach bekannt geblieben. Das Verdienst, dasselbe der Vergessenheit entrissen zu haben, gebührt der Pariser Verlagsbuchhandlung von A. Durlacher, welche auf heliographischem Wege eine Prachtausgabe derselben hergestellt hat. Picart hat sich in seiner Jugend bereits einen großen Nus als Kupferstecher und Zeichner erworben und war schon ein bedeutender Mann, als er im Jahre 1710 sein unduldsames Vaterland verließ, um als eifriger Protestant sich in Amsterdam, dem Eldorato aller vom Glaubenshaß Verfolgten, niederzulassen. Vielfach von Buchhändlern mit Ausschmückung ihrer Verlagswerke beauftragt , lieferte er auch die Kupfer zu dem „TraitG des CGrGmonies rGligieuses de toutes les natious“, dem auch die vorliegende Serie der Bilder ans dem jüdischen Leben entnommen sind. Dieser Ursprung weist diesen Bildern einen ganz andern Standpunkt an, als den uns näher liegenden und bekannteren Oppenheim's. Oppenheim, selbst Jude, zeichnete nicht nur das jüdische Leben, er dichtete cs zugleich, sein ganzes Herz legte er in das Bild hinein; erfüllt von den Reminiscenzen seiner Jugend, idealisirt er die Scenen, die er zeichnet, in ihren Gestalten. Das Gemüthvolle, das so recht in den weihevollen Stunden der Feststimmnng zur Geltung karn, die nicht minder in der Synagoge als auch am Familientische die Familienmitglieder beseelte, wollte Oppenheim der Gegenwart, die andere Ansprüche kennt, als sich im Hause glücklich zu fühlen, im Bilde erhalten. Das ist es, was uns beim Anschanen dieser Bilder so anheimelt; ohne daß' wir ein jedes als künstlerisch vollkommen'erklären müßten, fühlen wir uns doch mehr als'befriedigt. Anders ist es bei den vorliegendenBlldern. Picart will nichts, anderst yls..realistisch,dgrstellen^..eruvill illnstriren, er ist vollständig ' objectiv / sein Herz ist bei der Arbeit nicht thätig, er zeichnet nach der Natur. Er hatte mit seinen Zeichnungen - den Text ' eines Wortes zu begleiten, und darum muß er. Alles zeichnen, was irgendwie charakteristisch in dem jüdischen Leben hervortritt; ob es eine Hochzeit, ob ein Begräbniß, ob es gar das für einen malerischen Vorwurf kaum besonders geeignete Durchsuchen des Hauses nach dem Gesäuerten am Vorabende des Rüsttages zum Passahfeste ist, das gilt ihm ganz gleich. So sind die Bilder durchaus realistisch und lebenswahr, doch ohne daß der Kunst dabei Ab-' bruch gethan wäre, und wo große Volksmassen uns vorgeführt werden, ist dies so lebendig und male-: risch gescheheil, daß cs eine Lust ist, sie anznschauen. Amsterdam war die Gemeinde, wo der Mater so: recht Umschau halten und Bilder für seine Mappe cinheimsen konnte. Als Doppelgemeknde, die des' deutschen und die des portugiesischen Ritus, gab sie. dem Künstler die Gelegenheit, allseitig verfahren M' können; so zeichnet er uns die Trauung, Begräbniß und Synagogenfeier nach beiden Riten; anderseits konnte er in dieser reichen, unter keinem Druck seufzenden Gemeinde die Familienfeste in solchen Häusern beobachten, in denen es an Glanz und Reichthum nicht fehlte und in denen man es nicht nöthig hatte, den Glanz dem freulden Auge aus Furcht vor der lauernden Habgier zu verbergen: Wir erhalten somit einen Einblick in jene Prunkgemächer, wie sie es wirklich waren, und in eine Feier, an welcher Armnth und Mangel nicht zu spa-; ren und abzuknappen brauchte. Die Sammlung ent- ' hält 17 Blätter. 1) Jüdische Beter im Gebetmantel und Gebetriemen. 2) Trauung nach portiigiesi-" schem Ritus. 3) Trauung liach deutschem Ritus., 4) Die Beschueidung. 5) Die Auslösung des Erst-'? geborenen. 6) Die Durchsuchung des Hauses ' nach! Gesäuertem. 7) Die häusliche Feier amPassahfestr- (Seder). 8) Das Laubhüttenfest. 0) Das Emporheben der Gesetzrolle am Schluß der Thoravorlesuug.' IO) Der Priestcrsegen in der Synagoge.' lij'Däs . Schofarblasen am Renjahrstage. 12) Der Gottes-., dienst am Versöhnungstage nach deutschem Ritus.' 13) Der Umzug mit dem Feststrauße am 'siebenten. . Tage des Lanbhüttenfestes. 14) Das Thoraft'eu-.. .denfest..nach. portugiesischem Ritus. 15) Die Heinis führuug des Chatan Thora und Ehatan Bereschit mit Fackelbcgleitung. 16) Der Umzug um die anfgebahrte Leiche nach portugiesischem Ritus. 17) Das

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