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Der Israelit · 1884-12-08 · Heft 97 (8.12.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 97 (8.12.1884)
Date
1884-12-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1602 Veit Vlochner war ein gewis§Mfter Mann, er hielt.es für seine Pflicht, sein Pflegekind von dem günstigen Heirathsaiürage, der ihr gestellt wurde, in Kenntnis; zu setzen, er rief Lea in's Zimmer und Herschmann Blumberg wiederholte in ihrer Gegenwart seine Werbung für seinen Sohn, allein Lea wies dieselbe mit bescheidenem Danke zurück, erklärte, sie habe schon gewählt/ sie sei ihres Pflegebwders Verlobte, dem sie die Treue unter allen Verhältnissen bewahren wolle. Der alte Vlumberg bot seine ganze Beredtsamkeit auf, er setzte ihr auseinander, das; David Auritz nie in der Lage sein werde, eine Ehe zu schließen; daß sie sich vergeblichen, unerfüllbaren Hoffnungen hingebe, ja als er Blochner aufsorderte, ihm zu widersprechen, wenn er unrecht hätte, mußte dieser, wenn auch mit schwerem Herzen, die Nichtigkeit seiner Behauptung anerkennen; doch erklärte sie, entweder David Auritz' Gattin zu werden oder der Ehe für immer zu entsagen. Alein Seligmann Blumbcrg war ein hartnäckiger Bewerber und ein energischer Mensch. Als David in die Heimath zurückgekehrt war, wandte sich der junge Blumberg unmittelbar an ihn selbst, appellirte an seine Redlichkeit, sogar an seine Liebe zu Lea. Er stellte ihm in den eindringlichsten Worten vor, daß er. ihm — Blmnberg — nur den Weg zu seinen; Glücke, dem Besitze Lea's, versperre, und er daher mit Gewißheit erwarte, daß David nicht so egoistisch sein werde, ihm ein Glück zu mißgönnen, weil er es selbst nicht erreichen könne! Vlumbergs Worte hatten auf David einen tiefen Eindruck hervorgerufen. Er mußte deren Wahrheit anerkennen und ging in seiner rührenden Selbstlosigkeit so weit, Samstags nach Tische, als er mit seinen. Eltern und Lea beisammen saß, die wichtigste Angelegenheit seines Lebens zu peinlicher Erörterung zu bringen. Er gestand Lea, daß er sie mehr als sich selbst liebe, daß ihm ihr Gluck, weit über sein eigenes ginge; aber er nmßte es mit zuckender Lippe und bebender Stimme gestehen, daß er; so weit menschliche Voraussicht reiche, nicht den leisesten Schein einer Möglichkeit sehe, sie je als seine Gattin hcimzufiihren; daß ' er erfahren/ daß Selignian Bluuiberg ein braver, junger Man», der in der Lage sei, sie glücklich zu machen, um sie werbe, daß er, so endlos tief es ihn auch schmerze, ihr entsagen, ihr das Wort zurück, sie srcigebe, sich ihrem Glücke nicht entgegenstelleu wolle. Ein wehmüthiges Lächeln hatte Lea's Gesicht überzuckt, sie verstand David, sie las in seinem Herzen wie in einem ausgeschlagenen Buche, sie erkannte, daß nur die höchste Liebe das höchste Opfer bringen konnte. Ties erschüttert, vermochte sie nichts als die Worte zu stammeln: „David, ich bleib Dir treu . . ich hoffe zu dem allmächtigen Gotte, daß er uns doch einst, wenn auch vielleicht erst spät, vereinen wird — und wenn auch nicht — will ich mich mit dem Glücke begnügen, daß Du, guter, treuer Mensch mich Deiner Liebe werth gehalten!" Lea's Worte hatten ein Gefühl endlos süßen Schmerzes, endlos bitterer Freude in Davids Brust hervorgerufen, sein Vater aber sprach: „Gott segne Euch, ihr lieben, guten Kinder und erfülle gnädiglich die Wünsche eures Herzens" und seine Frau sprach gerührt „Amen". Von dem Momente an wurde in dem kleinen Kreise nicht mehr über die Hoffnungen der jungen Leute gesprochen, was hätte man auch über jene zu sprechen vermocht? Und als nach drei Wochen Davids Urlaub abgelansen und er wieder zum Regimente einrücken mußte, hatten sich die beiden Liebenden wohl in tiefster Bewegung, aber wortlos verabschiedet. (Fortsetzung folgt.) „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigcspältene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eonrs. — Direkte Francoznsendung unter Streifband pro Zahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition - . . . franco einzusenden. . Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Existenzberechtigung des israel. Volkes. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Deutschland: München. Berlin. Frankfurt a. M, Breslau. — Ocsterr.- Ungar. Monarchie: 2mal Lemberg. — Rußland: Petersburg. Moskau. — Egypten: Eairo. — Amerika: New-Sjork. — Feuilleton: Der Eourker. — ' / ' Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Eßlingen. Berlin. Frankfurt a. M. Köln. — Schweiz: Basel. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Pesth. — Serbien:' Belgrad. — Rußland: Petersburg. — Marocco: Tanger. 4 V V ’ .7 - Beranlwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 45. r \ Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz.,- y, y::, y < - i (Hierzu zwei Beilagen.) : r . ' - : «

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