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Der Israelit · 1884-12-08 · Heft 97 (8.12.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 97 (8.12.1884)
Date
1884-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Rabbiner mit den Worten begrüßt,-. „Es ist recht und. billig, das; Juden- und Ehriftcnthum sich vereinigen, um diesem Manne Ehre zu erweisen." Der hochwürdige Herr sprach: „Ein Mann, der eine Lobrede verdient, braucht keine. Sir M. Montesiorc braucht keine. Selten findet sich Neichthum mit dem Geiste der Wohlthätigkeit für alle vereinigt. Die Welt ist erfüllt von Händen, die kein Herz und mit Herzen, die keine Hände haben, das auszuführcn, was sic wünschen. Sir MoscS Liebe hob jeden Unterschied der Farbe, der Länder, des Glaubens auf. Braucht ein solcher Mann eine Lobrede oder ein Denkmal? Die Welt ist sein Denkmal." Aer Kouricr. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel.") (Fortsetzung.) Blochner begleitete seinen Sohn in die Kreisstadt und mußte es noch als ein Glück betrachten, daß cs ihm vcrstattet wurde, sich dort und nicht in der entfernten Heimath seiner Mutter, wohin er zuständig war, zur Rekrutirnng zu stellen. Mutter und Pflcgcschwestcr verbrachten einen Tag der aufregendsten Spannung. Allein Obcramtmann Krause war ein edler Mensch und besaß einen großen Einfluß. Die Asscntkrungskommission hatte unter einer großen Anzahl von Militärtauglichen, die nicht einzige Söhne waren, die Auswahl, 1807 war Oesterreich nicht selbst im Kriege verwickelt; — und Blochner brachte seinen Sohn zurück. — Lea war überglücklich, wonneberauscht, und lobte Gott! Jetzt erst, da David wenigstens vorläufig vom Militärdienste frei war, tonnte man daran gehen, einen Plan für dessen nächste Zukunft zu entwerfen. David wollte nicht zugebcn, daß sich sein Vater noch , länger in so anstrengender Weise plage, er beschloß zu Hause zu bleiben, sein Vater, sollte sich Ruhe gönnen, er wollte das Haus ernähren. Er war ein überaus kräftiger Mann, auch der schwerste Waarcnpack vermochte nicht seinen breiten Rücken zu krümmen; er hatte sich in der Stadt in einem großen Handlnngshanse ' diefür seinen Berns nöthigen Waarenkenntniffe Ungeeignet,' er^ befaß ein empfehlendes Aeußere, ein gefälliges, einnehmendes Benehmen, wußte gut zn sprechen und ward bei den Bauern bald ein sehr beliebter Geschäftsmann,' nm so mehr, als sich schon sein Vater dnrch seine Redlichkeit das Vertranen der ganzen Umgebung erworben hatte. Die kleine Familie hätte mm rnhig und glücklich leben können, wenn nicht jeder Ausblick in die Zukunft ihr Gemüth mit tiefster Traurigkeit hätte erfüllen muffen. David nnd Lea liebten einander, Blochner und seine Fran wünschten nichts sehnlicher als eine Vereinigung der jungen Leute, keine bessere Schwiegertochter als Lea, aber daran war unter den bestehenden Verhältnissen nicht zn denken. David Auritz war vom Standpunkte des Staates ein unehelich Geborener. Nyn aber durfte nach den gesetzlichen Bestimmungen nur der erstgeborene Sohn eines jüdischen Familiante» eine Ehe eingehen; cs war daher, so weit menschliche Voraussicht reichte, nicht der leiseste Schein einer Möglichkeit, daß David Auritz je die Ehebewillkgnng des böhmischen Landesgnberninms erlangen konnte; die treue redliche Liebe der beiden jungen Menschen konnte sie nie zn dem erwünschten Ziele der Vereinigung führen. Es gibt vielleicht nichts Mederdrnckeuderes im Leben: als ein hcißerschntcs Ziel, ein Glück, das Millionen Anderen leicht erreichbar wäre, nie erreichen zn können. Veit Blochner und seine Fran hatten es nach längeren! Schweigen! für ihre Pflicht gehalten, die jungen Leute darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Liebe ja. vollkommen aussichtslos fei, daß cs vernünftiger wäre, sich nicht einer Hoffnung hknzugeben, welche nie erfüllt werden könne, daß es am Vesten wäre, wenn sich die jungen Leute trennen würden. Allein innige, treue Liebe läßt sich nicht , verbieten, nicht mit Vcrnnnftgründcn bekämpfen! David erschöpfte seine reiche Phantasie, eine Möglichkeit für seine Vereinigung mit Lea zu ersinnen-, . . . er mußte ja nicht in Böhmen bleiben, meinte er, er könne ja auswandcrn in die Ferne, in fremde? Lande ziehen, wo bezüglich der Juden, nicht solche , Pharaonische Gesetze gelten, sich dort , durch Eiser und Fleiß eine Existenz gründen, Eltern und M; Nachkommen laffen; — allein auch diesen schönen .Traum mußte ihm sein Vater zerstören. Es war einem Manne im militärpflichtigen Alter nicht gestattet anszuwandern, that er dies ohne behördliche

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