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Der Israelit · 1884-12-08 · Heft 97 (8.12.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 97 (8.12.1884)
Date
1884-12-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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i.l'59S war, lat er für das historische Museum gerettet, Heber die Ergebnisse seiner Forschungen hielt er vorgestern anläßlich der Jahresversammlung des Vereins für das historische Museum einem in mehrfacher Hinsicht sesselndcu Vortrag und wies nachdaß man sich von der Judengasse meist ein falsches Bild inacht, weil man sie nur noch als Stätte der Armnth und des Zerfalles kennt. In ihrer ersten Zeit, von 1402 bis etwa zum Jahre 1552, ans welchem ein noch erhaltener Belagerungsplan stammt, war auch die räumliche Beschränktheit noch nicht so groß. Allerdings stieg die jüdische Bevölkerung rasch; 1506 zählte man 58 Hausgesäßc (Familien), 1010 bereits 454, welche in 152 Häusern wohnten. ..Um die nöthigeu Wohnungen zu schaffen, wurde nach und nach der sogenannte Woltgrabc»-.ausgefüllt und die ganze Stadtmauer von der Bornhcimer Pforte bis zum Dominikanerkloster mit schmalen dreistöckigen Häusern besetzt; aber diese Häuser waren zum großen Lheile von recht wohlhabenden Leuten bewohnt und daher im Innern ebenso prächtig liub wohnlich eingerichtet, wie die Christen Häuser jener Zeit. Man findet darin kunstreiche Schmkede- und Schrckncrarbeitcn, schön geschnitzte Treppenhalter, werthvolle Treppengeländer, Schlosser und Thürknünfe, reiche Stuckdecken und Neste von Malereien. 'Breslau, 0. Dezember. Der Anfang November hier verstorbene Rentier, frühere Kaufmann Arnold A. F r ä n k e l von hier hat der Stadt Breslau ein Kapital von ca. 150,ONO Mark vermacht, von dessen Zinsen eine Wohlthätigkeitsanstalt unter dem Namen Pauttncnstift gegründet werden soll, welche Knaben und Mädchen ohne Unterschied der Konfession vom 14. Lebensjahre an die Mittel gewähren soll, sich für einen wissenschaftlichen oder wirthschaftlichen Beruf vorznbereiten. Auch hat der hochherzige Verstorbene die meisten der hier bestehenden Wohlthätigkeitsanftaltcn , über 20 an der Zahl, mit größeren oder kleineren Vermächtnissen bedacht. ' - Ocstcrr.-Ungar. Monarchie. . Lemberg. Cs ist noch nicht lange her,, daß wir genügende Gelegenheit hatten, von dem Wirken der Schwurgerichte in Galizien recht traurige Erfahrungen zu machen (Prozeß Ritter). Die Geschworenen sind fast dnrchgehends Judenfeinde, und - die häufige Anfhebung der gegen Juden erlassenen Urtheile zeigt, daß auch der oberste Gerichtshof die Parteilichkeit der Geschwornen den Inden gegenüber erkannt, hat. Das beweist auch folgender Falt, der sich vor dem hkcsigcu.alfovordem ersten Gerichtshof des Landes abspiclte^m vi' r-rnnL Am 21. März d. I. hatte dieser Gerichtshof einen hochangefehcnen jüdische» Grrmdbcfitzer angeblich wegen eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit zu zwei Jahren Gcfängniß vcrurthcitt. Der Berurtheilte meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an, und der Cassationshof in Wien ordnete an, daß die Verhandlung bei dcn'.sclbcn Gerichtshof nochmals ftattfinde. Vor einigen Tagen ist die zweite Verhandlung abgchalten worden, und diese trug den Richtern eine sehr empfindliche Lection ei». Der Angeklagte, ein hochgebildeter Mann, der sich selbst verthcidkgtc, hielt nämlich am vierten Tage der Verhandlung eine geradezu Aufsehen erregende Bertheidignngsrcde, in welcher unter Anderem folgende Stellen Vorkommen:. „Nicht Wahrheitsliebe, nicht Streben nach Recht und Gerechtigkeit hat meine Richter dahkngeführt, eine Schuld so hoch zu schätzen und mich so hart zn bestrafen wegen einer That, die ich nicht begangen habe, sondern Judenhaß, der wie Feuer in ihrem Herzen glüht. — DerJude ist ein Dorn in ihren Augen. Hätten sie es vermocht, sie hätten mich 511 Tode vernrtheilt. Nur der Blick auf das Obcrgcricht und einige Rücksicht auf die öffentliche Meinung hat sie ein wenig in Schranken gehalten. Wenn Recht und Gerechtigkeit walten möchte, würde nicht eine Kleinigkeit so ausgcbauscht worden sein. Sehe» Sie sich unter den Gutsbesitzern um, wie viele ungestraft in Unsittlichkeit lebenwerden die Klagen dieser armen Frauen nicht mit Spott und Hohn abgcwiescn? Und zwar dcßhalb, weil viele Richter Freunde dieser Gutsbesitzer sind, mit ihnen jagen und trinken! Ich bin zwar auch Gutsbesitzer, aber doch eine Jude. Und darauf kann ich einen heiligen Cid leisten, daß ich in meinem ganzen Leben keine fremde Fra» nnkensch berührt habe, am wenigsten eine Nichtjüdin, was mir ein religiöses Verbrechen ist. Die Anklage war auf Anstiften eines ruthcnischen Geistlichen von einem gemeinen Frauenzimmer erhoben worden. Mein Hoffen auf Gerechtigkeit der Richter hat sich als falsch erwiesen. Der Jude gilt ihnen nicht als Mensch! Ich bin ein Hebräer, denn eine jüdische Mutter hat mich geboren, im Gesetze des Judmthums bin ich herangewachsen, und nie werde ich meines Gottes vergessen, nie aufhören, mich dessen - zu rühmen, daß ich ein Jude bin.. Genug der Schande, daß der Caijatkonsbof immer wieder Ihre Urtheileumstößt- und damit beweist, daß Sie das Recht nicht kennen. Deßhalb richten Sie diesmal gerecht und erkennen Sie auf unschuldig; denn wenn

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