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Der Israelit · 1884-12-02 · Heft 96 (2.12.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 96 (2.12.1884)
Date
1884-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1584 Stunde um Stunde verann, man ging auseinander und — noch h eut e h arrtder Nei ch s t ag sabgeordnete Herr Hartwig der Antwort drT Fürste'MnBrsmarck;:^ s. -?;c .intf rvä j: t ■/;;/ O eI e r r.'vit n g a r. M ö.n ar ch i e. Pesth, 26. November. In dem soeben erschienenen Kalender der liberalen Partei veröffentlicht „ein königlicher Staatsanwalt" eine sehr lehrreiche Studie über die strasgesetzliche Verfolgung der im Jahre 1883 in verschiedenen Gegenden Ungarns vorgefallenen antisemitischen Exceffe. Ter deligirte königliche Gerichtshof von Pesth war durch anderthalb Jahre in angestrengter Arbeit damit beschäftigt/ einen Theil der Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen, und gegenwärtig noch haben die oberen Instanzen einen ansehnlichen Nest dieser Affairen zu erledigen. Die hier mitgetheilten amtlichen Daten lassen das Nebel erst in seiner ganzen Größe, erkennen, und nach der Durchsicht dieser Ziffern begreift und würdigt man den Ausruf, den der Minister-Präsident jüngst im Abgeordnetenhause gethan: ihm blute das Herz, wenn er an die Schaaren der Irregeleiteten denke, die, durch gewissenlose Agitatoren anfgestachelt, sich gegen die gesellschaftliche Ordnung auflehnten und dann in den Kerker wandern mußten. Der Hauptstadt gebührt auch nach dieser amtlichen Darstellung der Ruhm, das Beispiel für diese Exceffe gegeben zu haben. Am 7. und 8. August 1883 ereigneten sich die Tumulte auf der volkreichen Kerepcserstraße. Veranlassung und Verlauf derselben find bekannt. Es wurden Läden geplündert, die Gascandelabcr zerstört und Waaren im Werthe von 12,000 Gulden verschleppt. An den folgenden Abenden mußten gewisse Stadttheile förmlich unter den Ansnahmszustand gestellt werden, und das Militär löste die unfähige Polizei in der Aufrechthal-, tnng der Ordnung ab. Gegen 104 Personen wurde die Anklage des Aufruhrs erhoben, von der sie jedoch das Gericht freisprach; mehrere wurden wegen Diebstahls unb Gewaltthütigteit zu einjährigem Kerker und darunter verurtheilt. Schon der nächste Fall, die'am 23., 24. und 25. August in Zala-Egerszeg ftattgehabten Exceffe, war weit ernster und gefährlicher, denn es zeigten sich bei demselben die unverkennbaren Symptome eines orgauisirtcn Angriffes gegen das Eigenthum und die Sicherheit der Persom > Auch dort mußte Militär reqnirirt' werden, welches jedoch nicht verhüten konnte,' daß den Plünderern auch ein Menschenleben zum Opfer fiel und mehrfache-Verwundungen vorkamen. Die Plünderer recrutirten sich aus kleinen Gewerbetreibenden und Bauern von den benachbarten Höfen. Sie kamen mit Werkzeugen und Schießwaffen. „Männer! Bringet Heugabeln und Beile; man muß die Inden erschlagen; jetzt ist die Zeit dazu gekommen, heute noch baden wir in jüdischem Blute, die freie Zeit ist da, haut die Inden!" So lauteten die unterschiedlichen Lösungen, unter welchen die Excedenten geworben wurden. In dem hierüber abgeführte» Strafprozesse gab es 122 Angeklagte; 78 derselben wurden freigesprochen, 44 verurtheilt. Die Strafen bewegen sich zwischen siebenjährigem Znchthause und achttägigem Arrest. Bemerkenswerth ist, daß die Frauen 20 Percent für das Contingent der Verurtheilten stellten; 7 Frauen erhielten eine zehnmonattiche Kerkerstrafe. Um dieselbe Zeit war die Ortschaft Csurgo im Somogyer Comirate gleichfalls der Schauplatz solcher Exceffe; nur mit dem Aufgebote aller Kraft gelang es der Ortsbchörde, dem Pöbel girren jüdischen Bürger zu entreißen, der einer getroffenen Verabredung gemäß verbrannt werden sollte. Auch hier wurde durch Plünderung ein Schaden von 3000 fl. verursacht. Hier hatten sich 55 Personen vor Gericht zu verantworten; 45 derselben wurden freigesprochen, 10 verurtheilt; sieben der Letzteren wurden des Aufruhrs schuldig gesprochen und wanderten ins Zuchthaus, drei wurden nur des Diebstahls überführt und kamen in den Arrest. Am 28. August, gleichsam als Fortsetzung der Esurgoer Exceffe, bereitete eine bewaffnete Horde einen Angriff auf die Judenhäuser in Gyekenyes vor; der gerichtlich constatirte Schaden wird mit 28,008 fl. beziffert; es gab 44 Angeklagte, die jedoch 'von dem Verbrechen des Aufruhrs in der ersten Instanz freigesprochen wurden; zwölf Personen aber wurden theils wegen Gewaltthätigkcit, theils wegen Diebstahls zu Freiheitsstrafen verurtheilt. Die nächsten drei angeführten Fälle betreffen die Exceffe in den Ortschaften Berzencze, Zala-Lövö und Szigetvar, wo überall die aufgestachelte Menge Plünderungen vollführte; der «»gerichtete Schaden wurde nur in Zala-Lövö. gerichtlich mit 17,008 fl. festgestellt. In Szigetvar fiel einer der Excedenten den Schüffen der Gendarmen zum Opfer. In diesen drei Fällen gab es 56 Angeklagte, von denen 8 wegen Aufruhrs, 19 wegen. Diebstahls' verurtheilt wurde». Die in den Tagen vom 26. bis 28. August in den Ortschaften Sarhidia und Szent-Peterur verübten -Exceffe ereigneten sich unter ganz besonderen Erscheinungen. - In der erstem Ortschaft wurde der Pöbel dadurch aufgewiegelt, daß der Haupträdelssührer das Märchen verbreitete, cs sei erlaubt, die Juden todtznschlagen, denn der Kaiser habe dieselben um

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