Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1585drei Kreuzer per Kopf Verkauft/ In der letztgeuannlcn Ortschaft dauerten die Ruhestörungen zwei Tage, und es wurde das Haus eines Juden erst gestürmt und geplündert, dann den Flammen preisgegeben. Die Insassen vermochten nur durch die Flucht dem sicheren Tode zu entrinnen. Mit diesen Erfolgen nicht zufrieden, wurde auch das Haus eines andern Juden geplündert und ein Schaden von mehr als 11,000 fl. verursacht. Der Sarhidaer Fall hatte die Anklage gegen neun Individuen zur Folge, von denen vier verurtheilt, vier freigcsprochen wurden und eines noch vor der Fällung des Urtheils gestorben ist.. Ucber die Affaire von Szcnt-Peterur war, als die Zusammenstellung verfaßt wurde, das Urthcil noch nicht gesprochen. 37 Personen harren da noch des Nichterspruchcs. Es folgen dann in dieser Aufzählung die Affairen von Söftör, Getye, Mchuye und Pcrcszcny. In Söjtör wurde geraubt und ein Schaden von 10,000 fl. verursacht, in Getye ein solcher von 4000 fl., wobei zu bemerken ist, daß in diesem Orte die Plünderung von einer fremden, aus etwa 25 Köpfen bestehenden Bande ausgeführt wurde, wahrend die gesummte Bewohnerschaft des Dorfes ruhig zusah und nicht wagte, die Eindringlinge an dem Raube zu verhindern. Aus Mchuye und Pereszeny aber wurde berichtet, das; die Ruhestörungen von den Fabrikarbeitern ausgegangen seien, während sonst überall ic Arbeiter-Bevölkerung sich von diesem Treiben fernhielt. Die angeführten Excesse lieferten eine Legion von Angeklagten. Ohne die Excedenteu von Getye, deren Zahl noch nicht fcstgcstellt war, wurden 97 Personen vor Gericht gestellt, davon wegen der Söjtörer Excesse allein 34 verrurthcilt, und zwar 29 wegen des Verbrechens des Aufruhrs, 5 wegen Diebstahls. Am 7. November v. I. wurden die Excesse in Zala-Lövö erneuert. Eine mit Pistolen und Aexten bewaffnete, aus ungefähr 22 Köpfen bestehende Bande versammelte sich auf dem Ortsfriedhofe und. beschloß, alle Juden zu berauben und zu ermorden, ja cs wurde sogar Jeder mit dem Tode bedroht, der sich den Genossen einmal angeschloffen und dieselben später verlast cn wollte. Um Mitternacht wurde der Ranbzug bei den Häusern zweier Juden begonnen. Die Ortsbchörde und die Gendarmen waren jedoch rasch zur : Stelle, und die ganzeWuthderExcedentcn kehrte sich gegen die Wächter der Ordnung.Die behördlichen Organe.wurden mit Axthieben und Schüssen angegriffen,: es entstandein fürchterliches Handgemenge/.in dem!zwei der: Excedenten todt auf dem Platze blieben. In diesem Falle wurde sämmtliche 22 Angeklagten verurtheilt, und zwar 19 wegen Aufruhrs und 3 wegen Dieb-' stahls; die Kerkerstrafen waren sehr empfindliche. Endlich wurde auch: gegen 29 Bewohner von Szilr vagy aus derselben Urfache die Anklage des Aufruhrs erhoben. Sie konnte: aber nur gegen' den katholischen Volksschullchrer aufrcchterhaltcn werden, der ein Jahr Staatsgcfängniß erhielt; . 12 Männer wurden wegen Diebstahls zu mehrmonatlichem und v Frauen zu je achttägigem Gefängnis;..Verurtheilt. Der letzte antisemitische Exceß ereignete sich, im Juni dieses Jahres zu Vadkert, und nach den Daten der Untersuchung scheu mehr als hundert Angeklagte dem Richterspruche entgegen. - Diese Zusammenstellung, die durchaus ' keine vollständige ist, weil in derselben die im Herbst 1882 in Obernngarn stattgehabten Excesse dieser Art und die antisemitischen Ausschreitungen während der letzten Wahlen fehlen, bietet nur eine annährend richtige Vorstellung von den Verheerungen, welche diese Propaganda in den niederen Volksschichten angerichtct hat. Gegen mehr als 550 Personen wurde die Anklage erhöben, nahezu 250 schmachteten und schmachten noch im Gefängnisse, gegen Viele ist der Prozeß noch nicht durchgeführt. Dabei mutz jedoch hervorgehoben werden, daß die unteren Instanzen — offenbar mit Rücksicht auf die Unerfahrenheit der Irregeleiteten — nur selten die Qualifikation des Verbrechens als Aufruhr acceptirmr, während der oberste Gerichtshof durch die Annahme dieser Qualification in den meisten Fällen genöthigt war, die Freiheitsstrafen zu verschärfen. Man kann daher sagen, daß diese traurigen Excesse die Straf- und Zuchthäuser Ungarns auf mehrere Jahre hinaus bevölkert babcn. Frankreich. Paris. Trotz der Schritte, die das isr. Eentralconsistorinm bei der Budget-Commission gethan, ist dieselbe doch bei ihrem Beschlüsse geblieben, die bisher gewährte Subvention von 32000 Fr. für das Rabbknerscminar zu streichen. Dieser Schritt ist um so auffälliger, als dieselbe Commission die: Crcdite für ähnliche Anstalten für die Protestanten,: nachdem sie anfänglich auch gestrichen worden, wiederhergcstcllt hat. Wir sind neugierig, ob die Depntirtenkammer eine solche ungleiche Behandlung der! Confessionen, wie sie sonst in Frankreich nicht üblich' -ist, gutheißt.- . -!•• u'Y: i - l'yj N u m ä n l e n. n : Bukarest. Daß die rumänische Negierung! bei der Ausführung des Hausirgesetzes, wodurch! Dausende von jüdischen Familien brodlos' geworden/ ' es nur auf die Juden abgesehen hatte, ist nunmehr?