Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1580 d. i. dahin zu wirken, daß der jüdische Religionsunterricht in czechischer Sprache ertheilt werde, resp. in der Synagoge, statt der allgemein üblichen deutschen Gebete für das Kaiserhaus und die Predigt czechisch abgchalten werden möge. Bisher jedoch ist cs dem Vereine nicht gelungen, eine bereits bestehende Synagoge für dieses Vorhaben zn gewinnen. Glücklicher war derselbe betreffs des Religionsunterrichtes, für welchen ein des Czcchischen kundiger Rabbiner vom Laude an einer czechifchcn Mittelschule angestcllt wurde. Frankreich. Paris. - Der verstorbene Markus Strauß hat verschiedenen isr. Wohlthätkgkcitsanstalten 12000 Fr. hintcrlassen. E n g l a n d. London. Es ist bekannt, daß in den meisten Armeen der civilisirten Länder den Soldaten isr. Eonfeffion während bestimmter Tage zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten Urlaub gegeben wird. Besonders hervorzuheben in dieser Beziehung ist eine in jüngster Zeit erschienene Verordnung der obersten Militärbehörde Englands. Nach dieser werden isr. Officiere und Soldaten, wenn nur äußerst der Dienst es ermöglicht, an folgenden isr. Festtagen beurlaubt: Ns'-iahrsfest 2 Tage; Versöhnungstag 1 Tag; fest 8 Tage; Ostern 8 Tage, Wochenfest 2 Ramsgate, 27. Nov. Nach dem jüngsten Bulletin des Dr. Woodmann befindet sich Sir Moses wieder vollständig wohl n"y2. Das am 13. d. M. erfolgte Ableben seiner getreuen Haushälterin, Madame Schwerin, hatte auf Sir Moses Befinden wesentlich ungünstig eingewirkt, da diese streng religiöse und anhängliche Dienerin schon seit 40 Jahren das Hauswesen versah, auch die Reise nach Jerusalem mitmachte und -sich um die Pflege ihres edlen Gönners viele Verdienste erwarb. Mrs. Schwerin n"p.war in Rimpar bei Würzburg (in Bayern.) geboren. Rußland. ' Kiew. Der hiesige Generalgonvernenr hat neulich wiederholt angeordnet, daß alle.Juden in den Dörfern, die Spirituosen verkaufen, mit aller Strenge aus denselben ausgetricben werden. Der zweite Befehl des Generalgonverneurs war vollständig überflüssig. Wenn auch die Anordnungen der Regierung seitens der Unterbeamtcn oft nicht strikte ansgeführt werden, so geschieht das aber, wenn es gilt. Befehle zur Unterdrückung der Inden auszuführen, um so pünktlicher. Und so war es auch im Gouvernement Kiew in Bezug aus die Vertreibung der Juden aus den Dörfern. F e tt t l I c t * it. Der goutier. Historische Erzählung von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel.") (Fortsetzung.) Drites Kapitel. Es war drei Uhr, Nachmittag. Das kleine von der Kaiserstraße durchschnittene Dörfchen Schönhof schien verödet. Es herrschte eine große Hitze, eine drückende Schwüle, wie sie einem schweren Gewitter voranzugehen pflegt; und auch die dunkeln Wolken, die sich am Horizonte zusaunnenzogen, schienen die Vorboten desselben. Ringsum herrschte tiefe Stille, die nur von Zeit zu Zeit von dem Zwitschern einiger ängstlich hin und her flatternder auf der Dorfstraße fntteranfpickender Vögel, dem Bellen eines Kettenhundes, dem Miauen einer Katze, dem Grunzen eines Mastschweines unterbrochen wurde. Die erwachsenen Bewohner des Dorfes robbotcten draußen auf den herrschaftlichen Feldern, die größer» Kinder befanden sich in. der, eine Stunde weit entfernten Dorfschule, und so sah man ans der Dorfstraße nur drei, bloß mit schmutzigen Hemdchen bekleidete Kinder, welche sich auf einem großen Misthaufen herumwälzten und .sich damit vergnügten, cm im zartesten Alter stehendes Ferkelchen in höchst kameradschaftlicher Weise am Ohre zn zupfen. Als das Gewitter endlich losbrach, und der Regen stürmisch niederprasselte, flüchteten auch diese zarten, wenn auch äußerlich höchst schmutzige Menschenblüthen in eine ziemlich große Hundehütte, deren Insasse sie mit einem cordialen Knurren freundschaftlich anfnahm, undnur das Ferkelchen, das zn schüchtern war, seinen Spielgenoffen zu folgen, zn unerfahren und zn unvernünftig, ans eigene Faust ein Asyl zn suchen, blieb traurig und verlassen den Nnbilden des hereinbrechenden Unwetters ausgesetzt auf der Dorfgässe stehen .... Alle Häuser im Dorfe mit alleiniger Ausnahme des Jndenhauses waren leer.