Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1579 Es ist eilte Freude, daß dei der jetzigen Zeitströmung diese Wahrheit Annahme findet. Unsere heilige Lehre enthält nicht nur die strengsten Verbote gegen die Thierquälerei, sondern auch die edelsten Bestimmungen der Schonung und Erhaltung der Thiere. Der Mensch soll in seiner Herrschaft über die Thiere, gleich Gott, Liebe und Barmherzigkeit gegen die ihm Unterworfenen beweisen. Ein Redner betonte in der Versammlung des Thierschutz-Vereins von dem humanen Verbote Vogelnester auszunehmen, so lange die Vogelmntter auf den Eiern oder den Jungen sitzt. Ich habe denselben hingewiesen auf die vortreffliche Erklärung von Hirsch's Pentateuch V. 22. 6. „Wenn also eine reine noch herrenlose Vogelmntter in ihrem Mutter-Geschäft auf Jungen oder Eiern gefunden. wird, somit Gelegenheit zur Aneignung beider gegeben ist, ist es geboten, die Vogelmntter anfzuheben. Der Moment der Ausübung seiner Mutter-Aufgabe schützt das Vogel- Weib in seiner Selbstständigkeit und Freiheit." Dieses Verbot ist sowohl zum Schutze der Brut, als auch aus Rücksicht auf die Alten. Die Praxis unseres Lebens bezeugt von unserem Stammvater Abraham an bis auf die Jetztzeit, das; Israel die Grundsätze der Liebe kennt und ansübt gegen Jedermann ohne.Unterschied der Nation und Konfession, Nächstenliebe ist gegen Juden und Nichtjuden, gegen Nahe und Fremde, Einheimische und Fremde geboten. Ebenso hat Schreiber dieses vor kurzer Zeit Veranlagung genommen durch die Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer VI: in einem Schreiben an Herrn Professor Dr. Nichte r, Präsident des Departements der Veterinär-Klinik für Ostpreußen, die Bitte auszusprechen, seine Meinung über die bewegende Frage auszusprechen. Dieser edeldenkeude Gelehrte und Autorität für Thierschutz-Vereine schreibt mir unter dem 14. v. M.: Sehr geehrter Herr! „Sie werden mir wohl so viel Einsicht und Humanität Zutrauen, um gewiß zu sein, daß ich mich in dieser Sache (Schächterangelegenheit), wie in allen andern Angriffen des schmachvollen Antisemitismus, ganz zu Ihrer Verfügung stelle. Ich habe schon mehrfach dem Schächten zngesehen und weis; - aus physiologischen Gründen, daß der energisch und ausgiebig mit gradfreiem Messer geführte Halsschnitt eine thierquälerische Tödtuugsart nicht ist, daß er vielmehr von, in Betreff dieser Operation wohlvorbereiteten und unterrichteten Männern ausgeführt, der Todtung mittelst der Axt, in welcher nicht einmal alte Gesellen der Schlachthöfe die volle Sicherheit chaben, durchaus vorzuziehen ist. Mau soll nur e i it Mal der Schlachtung auf dem Lande beiwohnen und wird man sich leicht überzeugen, daß es ein barbarischeres Verfahren nicht gibt. Man hütet sich wohl, das Jagdverguügen der bevorzugten Minderheit durch ähnliche Bedenken zu stören, welche man gegen die rituale, für die Juden durchaus verbindlichen Schächtnng geltend machen will, und doch gibt es kaum eine unsichere Tödtuugsart, wie die durch Schußwaffen, wobei es selbst geübten Schützen wohl begegnet, daß das Thier nicht sofprt unter dem Schüsse todt zusammenbricht. Mit Hochachtung ergebenster Professor D r. Richte r. Möge der böse Geist, der die Leidenschaften der Menschenherzen anfwühlt, bald schwinden, mögen bald die finsteren Vorurtheile, die nur Zwietracht und Entfremdung gegen das Judenthum erregen, das wahre Menschenliebe lehrt, verbannt werden und höhere, edlere Empfindungen in den Herzen und Gemüthern erwachen. — Lernet nur das Judenthnm genau kennen und begreifen, die Gesetze unserer heil. Religion, sie wollen begriffen werden. Das Jndenthnm lehrt Liebe zu Gott, Menschen nnd Thiereu und ehrt Gottes heiligen Willen selbst in den Pflanzen und unorganischen Gebilden. prn -ne** not? . Dr. Grünfeld, Rabbiner. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 26. Nov. Der Nationalitätenhader hat gegenwärtig unter den hiesigen Inden immer mehr Eingang gefunden, nnd war man früher gewohnt, in jedem Juden einen Deutschen zu sehen, sa hat seit den letzten Jahren die deutsche Gesinnung bei den Juden der zcecliiscu-natiomilen den Platz geräumt. Die Prager Josefsstadt war immer als die letzte Festung der Deutschen in Prag betrachtet worden, in diesem Stadtviertel wurden immer Deutsche gewählt. Seit vorigem Jahre ist auch die Josefsstadt von den Ezechen erobert worden. Theils die Thatsache, daß die Regierung die Nationalen begünstigt, theils die vielfach bei den Deutschen in Oesterreich schroff hervortretende antisemitische Ge- ' sinnung bildeten die Faktoren, welche der Agitation der Nationalen behilflich waren. Diese jndisch-czechische. Partei ist bereits förmlich organisirt und findet znm.Thcile im Josefsstädter Bürgerclub, zum Theile. im Vereine „OrTomid“ ihren Mittelpunkt. Während ersterer die politisch-nationale Erziehung der Erwachsenen zum Zwecke hat, stellt sich letzterer die Aufgabe, die Schule und Synagoge zu czechisiren