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Der Israelit · 1884-12-02 · Heft 96 (2.12.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 96 (2.12.1884)
Date
1884-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1578 schaft der Griechen drangen auch die religiösen Formen derselben in den Orient ein. Die starren, ungeheuerlichen Gottheiten des orientalischen Heidenthums hüllten sich in die jugendlich-heiteren Formen der- Götter des Olymp. Freilich war dieser Formen für die Gebildeten längst das Leben entschwunden. Es herrschte vielmehr größtenthcils die religionslose epikuräische Philosophie, die zugleich in ihren Eonsequcuzen jeder Sittlichkeit Hohn sprach. Aber die 'Mythologie war allzu eng verwebt mit der poetischen und der plastischen Kunst der Griechen, als das; man sich von den Formen des Gottesdienstes hätte lossagen können. Dieser verführerischen Cultur schlossen sich nun auch viele Söhne unseres Volkes an, sicherlich ursprünglich nicht in der Absicht der jüdischen Lehre den Rücken zu kehren, aber durch das Streben nach Assimilation mit den Griechen immer weiter und weiter gedrängt. Ein hellenistisch gesinnter Nachkomme Simons des Gerechten, Jason, erkaufte die Hohepriesterwürde und erwirkte gegen eine neue Summe die Erlaubnis;, griechische Sitten in Jerusalem einzuführcn. Menclaos (die Quellen widersprechen sich hinsichtlich der Person desselben) nberbot ihn sowohl hinsichtlich der Höhe des Summe als auch der Hingabe an das Heideunthum. Sein offener Abfall vom Gesetze und seine Beraubung des Tempelschatzes empörte jedoch das Volk, das ihn verjagte, aber von Autiochns auf's Schwerste hierfür gestraft wurde. Entsetzliche Greuel wurden in Jerusalem verübt, und auf Menelaos Antrieb der Tempel zu einem Zeus-Tempel erklärt, die Ausübung des Gesetzes aber bei schwerer Strafe verboten. Redner führte in fesselnder Weise aus, wie zwar viele den Muth hatten, für den väterlichen Glauben zu sterben, wie aber der Muth, für ihn zu kämpfen, zuerst iu Matithjahn und seinen fünf edlen Söhnen wach wurde. Die Heldenkämpfe, in denen daun Inda, der Sohn Matithjahu's, die an Menge unendlich überlegenen Heere der Griechen besiegte und den Tempel wieder seiner heiligen Aufgabe zurückgewann, wie auch die weiteren Kriege Jnda's gegen äußere und innere Feinde, wurden in lebendiger Schilderung bis zu dem Heldcutode Jnda's .vorgeführt, mit welchem der Redner, seinen Vortrag schloß, die Fortsetzung der weiteren Geschichte der Hasmonäer in Aussicht stellend. Königsberg, Ende November. Am '0 nzir NT} feierte der hiesige Verein dttin sein zweites Stiftungsfest. Der Verein hat den Zweck, armen Durchreisenden, wie auch Neconvalcscenten, welche zu Hunderten Jahr ans, Jahr ein, hiesige Kliniken anfsuchen, sei cs in der Klinik selbst oder beim Verlassen derselben mit koscher», kräftigen Speisen zu versorgen. Gegenwärtig weilt hier wegen eines Augenübels der Oberrabbiner aus Kowuo. Derselbe rief bei der Stiftungsfeier dem Vereine die Worte des Propheten zu: "SDa rrm nsnt dt» Tin:? und führte aus, daß durch harmonisches Zusammenwirken jeder religiöse Verein fest besteht. Er ermahnte die Mitglieder, diese Liebespflicht mit Ausdauer zu vollführcn. Nachher sprach Rabbiner Dr. Bamberger, zuletzt Rabbiner Dr. Grünfeld, der das Bild unseres Ahnen Abraham in der Talmudstelle Baba Batra 16 d. beleuchtete. DmsN 'An rros p» „Der Edelstein des innigen Wohlthnns hing dem Patriarchen Abraham an seinem Halse." Abraham, ein Herold Gottes ließ den Schatz der Menschenliebe nicht im Schreine liegen, er beutete das Licht aus, daß es immer heller leuchte. Wo ein größeres Ganzes seine Pflichten und Aufgaben eben als solche ausieht, wo jeder Einzelne sich als dem Ganzen gehörig und dienstbar, als ihm verpflichtet erachtet, da hebt sich das Gemeinwesen eines jeden Vereins. — Es ist ein Dienst Gottes, den wir üben, wenn wir unsere Straft nicht für uns, sondern auch für Andere einsetzen. Ein Jeder bildet für sich eine vollständige Einheit, einen Theil unserer Selbstständigkeit müssen wir anfgeben um der Gemeinsamkeit uns anzuschließe». Königsberg, 30. Nov. In diesem Jahre 1884 ist unser Glaubensgenosse Professor Dr. Jaffv als ordentlicher Professor, Dekan der medkcinischen Fakultät. Derselbe liest über das.große Gebiet der Bäderlehre, Hyginicn, Arzneimittellehre, medizinische Chemie und Pharmakologie. Er ist in jüngster Zeit auch als ordentliches Mitglied des Reichsgesnndheitsamts berufen worden. Namentlich ist hervorzuhcben, wie derselbe jüdischen und nichtjüdischen Armen kn seiner Privatwohnung unentgeltliche Behandlung.angedeihen läßt und mit biederem Herzen und offener Hand sogar für die Arzneimittel und Stärkung für die Kranken sorgt. Königsberg, 1. Dec. Im hiesigen Thierschntzvereiue wurde es in einer Sitzung vor kurzer Zeit rühmlichst hervorgchoben, daß eine gute Erziehung, Humanität und Nächstenliebe, Grundsätze und Lehren des Thierschutzes, Principien des Judenthmns sind und in den Schriften das A. T.- gar. oft zur genaueren Beobachtung der wahren Humanität uns warm ans Herz gelegt werden.

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