Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1884)
- Date
- 1884-12-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4nc 1-476- Ein besonderer Vorzug der Griechen war es, daß nicht wie bei anderen Volkeni des. Alterthums die Künste und Wissenschaften von einer bestimmten Kaste gepflegt wurden und der großen Menge des Volkes unzugänglich blieben; sie waren bei den Hellenen Gemeingut Aller und für Jeden erreichbar, der Geschick dafür und Lust und Freude daran hatte. Diesen großen Vorzügen standen jedoch schreckliche und abscheuliche Laster gegenüber. Treue und Redlichkeit waren bei den Griechen nicht zu finden. Einer suchte stets den Andern zu Hintergel,en und zu übervorthcilen. Das ganze Volk entbehrte jeder sittlichen Basis. Unzüchtiger Lebenswandel gereichte Niemandem zur Schande, unnatürliche Sünden wurden offen geübt und fanden sogar Dichter, die sie besangen. Haß, Neid, Habgier, Lug und Trug, Wollust, Eifersucht, Raub und Todtschlag waren so sehr in dem Natkonalcharakter der Griechen begründet, daß sie sogar ihre Götter und Göttinnen, die ihnen als Vorbilder dienten, mit allen diesen Lastern reichlich ausstatteten. Freude und Lust galten den Griechen als der, Endzweck ihres Lebens, und die Künste liub die Wissenschaften dienten ihnen nur dazu, den Lebensgenuß zu erhöhen. Solchergestalt war das Volk geartet, welches unter der Anführung des großen Alexander den größten Theil der damals bekannten Welt eroberte. Die. Völker des Orients beugten sich nicht nur dem Schwerte des Eroberers, sondern auch der Cultur, die er ihnen brachte; ebenso eigneten sie sich die Laster ihrer Beherrscher an. , . Auch in Judäa hatte der griechische Geist seinen Einzug gehalten. Den Vornehmen und Neichen unter den Juden war eine neue Welt aufgegangen, die Welt des unbeschränkten Genusses, verfeinert durch Kunst und Wissenschaft. Zuerst gewann das Streben nach harmonischer Ausbildung des Körpers sich zahlreiche Anhänger. Eine Palaistra, eine Ningschule wurde, in Jerusalem errichtet, in der die vornehmen Jünglinge gleich den Griechen Gewandtheit und Geschmeidigkeit der Bewegung zn erlangen suchten. So unschuldig das auch erscheinen mag, so legte es doch den Grund zn Sünde und Abfall. In den Ringschulen der Griechen wurden die Hebungen mit nacktem Körper vorgenounnen, was den sittlichen Anschauungen der Inden vollständig widersprach. Diese Ringschulen waren zugleich die Brutstätten jener abscheulichen, widernatürlichen Laster, die bei den Griechen allgemein.geübt wurden. — Immer, weiter verbreitete sich der Abfall vom alten jüdischen Religionsgesetze, und bald zählten auch die Hohenpriester, die an der Spitze des Volkes standen und Recht und Sitte hatten wahren sollen, zn den Abtrünnigen. Ein solcher Hoherpriester war es, der den syrischen König Antiochus Epiphaues zur Einmischung in die jüdischen Verhältnisse veranlage. Dieser nun verneinte ganz mxb gar die Existenzberechtigung des israelitische» Volkes. Das Gricchenthum beherrschte die Welt, alle Völker erkannten die griechischen Götter an und opferten ihnen. Warum wollten die Juden allein sich abfchließen und absondern? War doch das Gricchenthum gleichbedeutend mit Cnltnr nnd Civilisation, galt doch alles Nebrige für eitle Barbarei! So wurde denn der Befehl erlagen, der die Religion Israels verbot, der die Feier des Sabbats, die Verkündung des Neumonds und die Beschneidnng der Kinder untersagte, der die Juden zwingen sollte, die von Gott verbotenen Speisen zu essen, den Göttern der Griechen zn dienen. Auch wurden die Frauen lind Töchter der Wollust der griechischen Soldaten preisgegeben. Verloren schien Israel für alle Zeiten. Ein kleines Volk, in der Gewalt seiner übermächtigen linterdrücker — wie war Hilfe nnd Rettung möglich? Hilfe und Rettung sandte der allmächtige Gott, der Sein Volk nicht untergehen lassen wollte. Der größte Sieg, von dem die Weltgeschichte berichtet, ist der Sieg des Judenthums über das Griechenthum. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. Deutschland. Mainz, 3. Dez. Die jüdische Bevölkerung des Deutschen Reiches betrug, wie die „Rene Ztg." hervorhebt, nach der Zählung von 1SSO kn folgenden Gemeinden über 2,000: Berlin 54,000, Breslau 17,690, Hamburg 16,000, Frankfurt 13,850, Posen 7,000, Königsberg 5,300, Köln '4,600, München 4,200, Mannheim 4,000, Straßburg 3,550, Hannover 3,500, Leipzig, Mainz und Fürth je 3,300, .Nürnberg 3,000, Stettin 2,400, Mülhausen i. E., Benthen in Oberfchlesien und Kempen in Posen je 2,200, Altona 2,000. Wenn wir die Procentverhältnisse der jüdischen Bevölkerung unter Hinzuziehung der kleinen polnischen Städte,' welche keine 2,000 jüdischen Bewohner zählen, betrachten, so erhalten wir folgende Reihe: Kempen 35 pEt., Samter 22 pEt., Ezarnikau und Wresche» je 20 pEt., Orstrowo 18 pEt.,Pleschen undLisfa, 16 pEt., Krotoschin 13 pEt., Jnowrazlaw 12 pEt., Posen