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Der Israelit · 1884-12-01 · Heft 95 (1.12.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 95 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1568 ffißinifl gestellten- Mittel. Es Ware wünschcnswerth, wen» diese Einrichtung iinmcr mehr Berücksichtigung seitens der Mitglieder fände und dadurch würdige» Bittstellern ausgiebigere Hilfe gewährt werden könnte, als seither'möglich war. In den letzten Monaten sind 7 Familien mit etwa 80 Köpfen, die hier seit längerer Zeit der öffentlichen Mildthätigkeit zur Last gefallen waren, von hier entfernt worden, wobei der israelitische Almosenkasten und der Armenvcrein ihre Hilfe liehen, welche beiden Anstalten durch Lorstandsmitglkeder in dem Borstand des Vereins vertreten sind. Vom 1. October 1883 bis 30. September 1884 erschienen auf dem Bureau 1588 Petenten, unterstützt wurden 1436, darunter 306. Frauen, mit 6198 M. Ter Nationalität nach waren es 624 Deutsche, 425 Nüssen, 375 Oesterreicher, Ungarn -n. s. w.; dem Beruf nach 580 Handwerker, 607 Händler, 105 Beamte, 19 Studenten und 11 Künstler. Die Zahl der beitragenden MitglicdeiAst 228. An Geschenken gingen ein 3578 M., an (beschenken für spezielle Zwecke 5250 M. (darunter von cinem^ Ungenannten 1550 M., von Herren I. u. S. Goldschmidt 515 M., vom Armenverein 385 M.). Außerdem wurden ein Kassenschrank , eine Ohrenpumpe und von verschiedenen Gebern Kleidungsstücke geschenkt. Heldeirberge». Auch in dem nahegelegenen Orte Büdesheim hat die schreckliche Eisenbahnkatastrophe bei Hanau vom 14. d. Mts. ihr Opfer gefordert. (5s starb in Folge erhaltener Quetschungen der erst 221/* Jahre alte, blühende und sehr kräftige Bernhard Straus, Sohn des dortigen Viehhändlers H. Straus, Freitag Nachts 2 Uhr, im Laudkrankenhause zu Hanau, wohin er sofort nach, dem Zusammenstöße gebracht worden war. Der hiesige Landesprodnktcnhändler Simon Strauß befand sich in demselben Eonp6 und wurde wie durch ein Wunder gerettet, so daß er mit dem bloßen Schrecken und einigen kleinen Kontusionen an der Hand davonkam. Derselbe dankte dem Allgütigen, indem er am rrcna reu* unter tiefster Rührung Aller sprach, wie auch dadurch, daß er an die Armen Geld und Brod vertheilen ließ. Der Verunglückte war die Stütze seiner bedauernswürdigen Eltern, weßwegen er auch im vorigen Herbste von der Militärbehörde, nach ablsolvirtem 1. Dienstlahre, zur Disposition beurlaubt wurde. Gr gab sich mit rastlosem Eifer seinem Berufe hin und fühlte sich glücklich, nunmehr' seinen Eltern ungestört seine Kräfte widmeil zu können. Diese Freude sollte leider nur eine sehr kurze sein! Gr befand sich auf einer Gefchäftstour, verließ gesund und munter, froh und heiter das Elternhaus, in das er Freitag Mittag zurückkehren wollte. Leider sollte er nach dem nnerforschlichen Rathschlusse Gottes als Leiche in dasselbe zurückgebracht werden. Der Jammer der Eltern und Geschwister war unbeschreiblich. Der Vater, telegraphisch an das Schmerzenslager berufen, eilte dahin und traf seinen Sohn in traurigem Zustand, aber noch lebend. Derselbe besprach seine Geschäftsangclegenheiten noch mit dem Vater und verschied dann sanft und ruhig unter dessen Augen. Die Leiche wurde Samstag Nacht von dem Sterbeorte nach dem Elternhause überfuhrt. Sonntag Mittag fand die Beerdigung statt. Die Theiknahme war eine großartige. Es strömten Jehudim von Nah' und Fern herbei, um ihre Theilnahme an dem tragischen Ende des braven, allseitig geachteten jungen Mannes, wie au dem herben Geschicke, das die braven Eltern betroffen, an den Tag zu lege». Aber nicht allein Glaubensgenossen, sondern auch viele chriftl. Freunde und Bekannte waren am Platze. Die ganze chriftl. Gemeinde Büdesheim: Männer, Frauen und Jungfrauen folgten dem Sarge. Wir haben noch nie einen solchen Leichenzug gesehen. Diese herzliche Theilnahme der chriftl. Gemeinde Büdesheim gereicht derselben zur hohen Ehre. Es läutete zur Nachmittagskirche, die der Geistliche aber ansfalten lassen mußte, weil fast gar keine Besucher sich einfandeu; selbst der Lehrer des Ortes begleitete die Leiche, bis ihn die Glocken zur Kirche riese». Es gestaltete sich so diese Beerdigung zn einem wahren errp, was um so anerkeuueuswerther ist, als unmittelbar vorher, in Folge der sehr hochgehendeu Wahlbewegung im Kreise, von den Antisemit!! ein coloffales rrcpcn gemacht worden war. Man sah da wieder, daß das Volk besser ist, als seine Führer. — Am Grabe wurde vom Schreiber dieses eine von Herzen kommende und zu Herzen gehende Rede gehalten und den trostloser Hinterbliebenen der Hohepriester Ahron, der zwei Söhne auf einmal verlor und sich beruhigte, als Muster hingestellt und dieselben daraus hingcwiesen, daß die Atlgüte Gottes, die Wunde» schlägt, sie auch wieder heilt. Hieran hat Redner die Mahnung geknüpft, sich alltäglich bereit zu halten auf den Ruf, der jeden Augenblick an Jeden ergehen kamr und eben darin eine ernste Aufforderung zur größtmöglichen Gewissenhaftigkeit^ in alten unseren Lebensstellungen und Verhältnissen zu erblicken. Gewissenhaftigkeit, treue Pflichterfüllung, zumal in verantwortlicher Stellung, thut Roth, denn Fahrlässigkeit stiftet oft das größte Unheil, bringt oft viele Menschen und Familien in ualnenloses Elend; wie der vorliegende

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