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Der Israelit · 1884-12-01 · Heft 95 (1.12.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 95 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1569 Eisenbahnunsall thatsächlich wieder beweist. — Lautlose Stille und tiefe Rührung herrschte in der zahlreichen Versammlung. Wie am Grabe, so war auch die Theilnahme während der siebentägigen Trauer. Alles strömte herbei, zn trösten und zu beruhigen. Tagtäglich sahen wir die christl. Bewohner des Ortes im Trauerhause und vernahmen oft deren herzerquickenden Trostcsworte. Möge nun der Allgütige die unglücklichen Eltern und Geschwister in Wahrheit trösten und lindernden Balsam in die klaffende Wunde gießen; möchte die aufrichtige Theilnahme von allen Seiten die Schmerzen derselben lindern, damit sich an ihnen die Wahrheit des Wortes: „Gethciltcs Leid, ist halbes Leid," erfülle. Dem in so tragischer Weise abgeschiedenen jungen Manne wird ein bleibendes Denkmal in den Herzen Aller gesetzt sein. n"2"ü":"n Aus Weftphalen. Zur Illustration, wie hier zu Lande, besonders in den industriellen Bezirken des Rgbz. Arnsberg, bic Damian ony gefeiert werden, zeigt nachstehendes Factum. In W.... a. d. Ruhr wird der Gottesdienst am heiligen Bersöhnungstage durch eine dreimalige Pause unterbrochen. (Natürlich muß während der Zeit, die der christl. Organist zur Frühstück-, Mittags- und Vespermahlzcit gebraucht, der Orgclklaug verstummen.) Am verflossenen Versöhnungstage nun haben eine Gesellschaft von verheiratheten und unverheirathetcn Personen die Mittagspause dazu benutzt, in einem christlichen G a st h 0 f e T ab 1 e d’ li o t e zu speisen und dein Lehrer, der in seiner NaclMittagsprcdigt dieses unjüdilche Benehmen rügte, andern Tages zum Danke dafür den Speisezettel zugeschickt. — Gin beklagenswcrthes Unglück hat sich kürzlich in der Stadt Hagen zugetragcn. In einem, von einer christl. und der jüdischen Familie Elsbach gemeinschaftlich bewohnten Hause brach während der mitternächtlichen Stunde, als in der obersten Etage alles fest schlief, im untersten Geschoß auf eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise Feuer aus und che die Feuerwehr auf der Brandstätte sich versammelt hatte, stand das Gebäude in hellen Flammen. Es sind im Ganzen 8 Personen verbrannt, darunter die Geschäftsführerin des Herrn Elsbach (dieselbe führt ein Putzgcschäft), ein junges Mädchen aus Eöln. Durch den Umstand, daß während des Brandes ein kleines Kind, des Elsbach, das in der Wiege schlief, zu weinen ansiug, wurde die Familie aus dem tiefen Schlafe aufgeweckt und konnten sich noch sämmtliche Glieder derselben, wie durch ein Wunder, das nackte Leben retten. — Wie überall, wo noch jüdische Herzen schlagen, hat auch in hiesiger, sowie Mehreren anderen Gemeinden Westphalens zu Ehren des edlen- Sir Moses Montesiorc anläßlich seines hundertsten Geburtstages ein Fcstgottesdienst stattgefnndcn. Iserlohn (Weftphalen.) M. Noscuwald, einer. Lehrer. O e ft e r r. - U n g a r. M o n a r ch i c. Wien, 25. November. Dieser Tage weilte eine Deputation der bömischen Landcsjudenschast in Wien, welche unter Führung des Prager Advocatcn Dr. Lichtenstern bei dem Minister Baron Eonrad eine Audienz nahm, um demselben ein Promemoria wegen der Regelung der Rechtsverhältnisse der Indengemciuden in Oesterreich zu überreichen. In diesem Promemoria, sowie in der mündlichen Darstellung der Verhältnisse wies die Deputation darauf hin, daß die Judeugemcinden bisher der gesetzlichen Regelung entbehren. Dieser Zustand ziehe die bedenklichsten Folgen nach sich, welche zumal seit einer vor zwei Monaten erfolgten Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes den Bestand der Iudeugcmcindcn als Eultusgcmeiude geradezu in Frage stelle. In dieser Entscheidung sei nämlich ans Anlaß eines Streitfalles erkannt worden, daß kein Jude gezwungen werden könne, für die Iudengemeiude, in welcher er lebe, Beisteuer zu Cultuszwcckcn zu leisten. Hierdurch seien die israelitischen Enltnsgcmeindcn in ihrer Existenz bedroht, denn fortan seien die Gemeinden - zur Bestreitung ihrer Erfordernisse, insbesondere des Gottesdienstes und des Religions-Unterrichtes , ausschlieslich auf die freiwilligen Gaben der Glaubensgenossen angewiesen. Die Deputation stellte schließlich die Bitte, daß die Regierung zur Regelung dieser Frage ein Gesetz im Reichsrathc cinbringeu möge. Der Minister Baron Eonrad erinnerte, daß er die schwierige Lage der israelitischen Eultusgemeindcn und die Bedeutung der erwähnten Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes wohl zu würdigen wisse; übrigens habe die Negierung bereits einen Gesetzentwurf' in Betreff der Rechtsverhältnisse der Judeugemcinden ausarbcite'u , lassen, welchen sie im geeigneten Zeitpunkte zur le- ' gislativeu Behandlung briiihen werde. Die Deputation begab sich gestern zu dem Ministcr-Präsidentcn Grafen Taaffe, welchem sie ebenfalls ihr Anliegen vortrug und welcher ihr ungefähr dieselbe' Antwort gab, wie der UnterrichtsMinister.

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