Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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meinte Arnsberg, „Er hat vielleicht irgendwo reiche Verwandte .... oder, die Inden sind im Allgemeinen-wohlthätig und lassen, wenn's ihnen möglich ist, keinen Glaubensgenossen in's Unglück stürzen . . . . Wenn Er ihnen auseinandersetzt, daß Er in harter Bedränguiß ist, — und das ist ja die reinste Wahrheit, — da collectirt man's vielleicht für ihn zusammen .... ich will nicht hart gegen Ihn sein, ich will Ihm bis Dienstag dem letzten August warten." Wieder war Blochner einen Augenblick vor Bestürzung sprachlos, dann erwiderte er: „Mein Herr Oberamtmann, — ich bin nicht im Stande mir dreihundert Gulden zu verschaffen . . . . Aber Sie wollen sich wohl nur einen grausamen Scherz mit mir erlauben, Sie wollen nicht zwei alte Menschen, die ihr ganzes Leben treu aneinanderhingen, von einander losreißen .... meine arme Frau müßte vor Kummer und vor Elend sterben .... Herr Oberamtmann, das können Sie nicht thun!" „Wer kann mir's verbietend" rief Arnsberg. „Ich habe das Gesetz an meiner Seite, gegen das kann Niemand sprechen. Wenn Er sich über mein Vorgehen beim Kreisamte, bei dem Landesgubernium in Prag beschweren, oder in Seiner Frechheit so weit gehen wollte, sich bei der böhmischen Hofkanzlei in Wien zu beschweren — glaubt Er, daß mein Beschluß abgeändert würde?" „Nein!" mußte der gequälte Jude das Haupt senkend unwillkührlich zustinunen. Nach einer kurzen Panse fuhr Blochner fort: „Ich weiß, es gibt keine menschliche Macht auf Erden, welche im Stande wäre, mich und meine Frau vor Ihrem unverdienten Hasse, vor Ihrer Habsucht zu schützen .... Sie wiederholen es ja oft genug, Sie haben das Gesetz für sich. Ich besitze keine Mittel, die Gefahr, mit der Sie uns bedrohen, von uns abzuwenden, ich bin wehr- und schutzlos kn Ihre Hand gegeben, — ulich kann nur Gott vor Ihnen schützend „Blochner, ich will Seiner dummen Aufregung, das schlimme Wort, das Er da gesprochen .... Habsucht, aus allzugroßer Güte Nachsehen, sonst könnten auch Ihn: -persönlich große°Verdrießlichkeiten erwachsen; aber wenn Er meinem Nathe folgen will," — Arnsberg lachte wieder hohnvoll auf — „verlaß Er sich nicht allzuviel auf Seines GotteÄSchutz .... ich weiß wirklich nicht, in welcher Weise Ihm dieser helfen sollte, .... trachte Er lieber die dreihundert Gulden zusammen zu bringen ..... Wenn Er nicht Dienstag früh mit dem Gelde bei mir gewesen ist, stattet Ihm der Amtsdiener seine Visite ab und schafft Seine lkebwertheste Eva per Schub über die Grenze unserer Herrschaft das schwöre ich Ihm bei Allem, was heilig ist!" „Gott richte zwischen mir und Ihnen!" ries Blochner, und eilte hastig aus dem Zimmer. „Ein hartnäckiger Mensch, dieser Jude!" brummte Arnsberg, als er allein war, „vielleicht hat er auch in der That nicht das Geld .... bah! fast wär's mir lieber, ich muß ein Exempel von Härte und Grausamkeit statuiren; es leben nicht weniger als siebzehn Juden aus unserer Herrschaft, die zwar nach ihrem Ritus, aber nicht mit Bewilligung des Landesguberniums getraut sind, es sind darunter auch Wohlhabende, wenn sie hören werden, das; ich mtt solcher Härte vorgehe; daß ich sogar die alte Eva Auritz, die schon dreiunddreißig Jahre mit ihren: Manne lebt und sich des besten Leumundes erfreut, unbarucherzig von der Herrschaft verjagte, da werden sie alle mit anständigen Geldsäckchen in der Hand erscheinen und um Gnade winseln .... das muß nur ein großes Vermögen einbringen!" (Fortsetzung folgt.) „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 2» Pfennige die dreigcspaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Conrs. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für De»ltschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Lsterr., für's Ausland 18 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Existenzberechtigung des israel. Volkes. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Wiesloch. Leipzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesch. Aus Siebenbürgen. — Rußland: Podolien. — Amerika: Philadelphia. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Der Emmer. ' Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Würzburg. Bamberg. 2mal Frankfurt a. M. Heldenbergen. Aus Westphalen.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Inhalt der Extra-Beilage: Spendenverzeichnisse. . . Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des„Jsraelit" gr. Bleiche 4L... Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz: ' (Hierzu zwei Beilagen.) /