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Der Israelit · 1884-12-01 · Heft 95 (1.12.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 95 (1.12.1884)
Date
1884-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Erden, in seinem Weibe tief gekränkten Mannes; aber jetzt, als Blochncr ihm' seinen Vorgänger znm Muster setzte, unterbrach er den Juden und sprach: „Seine leeren Redensarten machen nicht den geringsten Eindruck auf mich. Sein unverschämter strenger Tadel der Staatsgesetze ist strafbar, und wenn ich Ihn nicht für einen alten, albernen, hirn- Iofeif Schwätzer halten würde (Arnsberg sprach die Unwahrheit, er hatte ganz gewiß nicht diese Ansicht von Vlochuer), so würde er auch der verdienten Züchtigung nicht entgehen! Jeder Uuterthan, ob noch so hoch oder noch so niedrig , muß den Staatsgesetzen gehorsamen, ihnen Achtung erweisen, sonst ist er ein verdammenswerther Nebelt! .... Ist Seine Ehe von der Behörde anerkannt? .... Nein! — Habe ich als Oberamtmann das Recht und die Pflicht, wilde Ehen auf der Herrschaft nicht zu dulden; Personen, die nichts auf der Herrschaft zu thun haben, abzuschaffcn? Ja! .... Er sieht es also selbst ein, daß, wenn ich die Eva Auritz, sein sogenanntes „Eheweib" — Arnsberg lachte hohnvoll auf — „sie darf ja ebensowenig Seinen Namen führen, als ihr Sohn — von der Herrschaft wegschaffen will, mich kein Mensch daran hindern kann, ich handle nach dem Gesetze, ich habe das Recht dazu .... freilich," fuhr der Amtmann nach einer kurzen Pause fort, „ich sehe es ein, es wäre das traurig, sehr traurig für Ihn, was könnte Er alter, unbeholfener Mann am Ende Seiner- Lcbenstage beginnen. Sein Sohn ist Soldat; wer weiß, wie lange noch der Krieg dauern kann, wer weiß, wann er zurückkehrt, möglicherweise kann er in einer Schlacht fallen oder zum Krüppel geschossen werden .... wer soll Ihn alten Mann pflegen, warten? .... Und die Eva Auritz, die erst! die ist ja auch schon ziemlich alt, wenn die in ihre Heimath znrückkehrt, da findet sie gewiß schon gar keine Verwandten, . . . . sie würde ja dort ganz fremd und verlassen sein! .... Sie müßte ja verhungern und im Elend verkommen, — das Alles seh' ich ja selbst ein" — Veit Blochncr seufzte tief auf — „aber ich habe das Recht, den Buchstaben, und auch den Geist des Gesetzes für mich . . . ." Wieder machte Arnsberg eine Pause und fuhr dann, jedes Wort betonend, langsam fort, „freilich, jedem redlichen Beamten muß ein gewisser Spielraum in der Ausübung seiner Pflichten gelassen werden, es muß ja ihm unbenommen bleiben, in einzelnen Fällen eine mildere Praxis zu üben . . . . aber er muß einen, besonderen Grund, eine besondere Veranlassung dazu haben . , . ." Blochncr blickte überrascht, erwartungsvoll auf, aber die Züge des Mannes, -der ihm mit einem 1565 boshaften Lächeln ankündigen konnte : er beabsichtige sein ganzes bescheidenes Lebensglück muthwillig^ freventlich, mit einem Schlage zu zertrümmern; konnten ihn nicht beruhigen, seine zitternden Lippen vermochten nicht das Wort zu bilden, das er zn sprechen beabsichtige, und der Amtmann fuhr nach kurzer Pause fort: „Wenn ich mich zum Beispiel von seiner ganz besonderen Würdigkeit überzeugt hätte Jetzt fand Blochncr das Wort und rief: „Ich besitze von dem verstorbenen Besitzer, von dem pcnsionirten Oberamtmann, von dem Kreisrabbiner die besten Zeugnisse." „Ah! . . . . das ist nichts, das Zlllcs meine ich nicht! . . . . Mein Vorgänger ist ein alter Krautesel, der sich ein.X für ein U machen ließ, und der verstorbene Graf war auch kein großes Lumen was Sein Rabbiner über Ihn sagt, hat für mich gar keinen Werth, der ist ja auch ein Jud', und eine Krähe hackt der andern nicht die Augen aus...." - Blochncr bekämpfte seine gerechte Bitterkeit und wagte leise einzuschalten: „Auch der hochwürdige Herr Pfarrer wird keinen Anstand nehmen, mir das beste Zeugnis; ) . . ." - „Ah! das Altes ist nicht das Rechte;" rief Arnsberg, die Pfeife an dem Tischrande ausklopfend .... „ich meinte, wenn er einmal mit Lebensgefahr einen Menschen gerettet hätte , . . . oder," fügte er nach kurzer Pause zögernd hinzu, „wenn Er sich .... sagen wir als ein besonders wohtthätkger Mann bewiese, wenn Er znm Excmpel da vor mir auf dem Tische dreihundert Gulden anfzählcn und sagen würde: Herr Oberamtmaun, diesen Betrag will ich zu einer heimlichen Gutthat verwenden , cs soll kein Mensch auf Erden etwas davon erfahren, daß ich "diese Summe in Ihre Hände gelegt habe, verwenden Ste sie ganz nach Ihrem Gutdünken zu einem guten Werke .... na! da würd' Er sich doch als ein höchst respcctabler Manu hinstellen;. — da könnt' ich mein Gewissen beruhigen und ein Aüg' zudrücken!" # Das hatte an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen! Es trat eine Panse tiefer Stille ein, selbst Arnsberg war verlegen worden , und so gespannt er auch auf die Antwort des Juden war, so vermochte er cs doch nicht, ihn anzuseheu und that, als ob er etwas auf dem Tische suchte. „Herr Oberamtmann," sprach endlich Veit Blochncr, und seine Stirne bebte vor Entrüstung, „ich bin ein armer Mann, ich besitze nicht dreihundert Gulden, die ich Ihnen anbictcn könnte." „Es muß ja nicht gerade Sein (Mb sein,"

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