Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1560 aber ihr Starrsinn nicht zu. Trotzdem ihr Gott sie verlassen, halten sie sich für das auserwählte Volk, und ihr Hochmuth kennt keine Grenzen. Auch widmen sie sich nicht der productiven Arbeit, sondern treiben entweder Handel oder sind Rabbinen. (Vergleiche Targnm Schön! z. St.) Und deschalb ist cs dem König kein Vortheil, sie zu lassen. So möge beim der Befehl zu ihrer Vertilgung ergehen. Was wäre wohl aus der Menschheit geworden,- wenn damals der Mordanschlag Hamans wäre ausgeführt worden? .Könnte sich Herr Gregorovius das wiedererstandene Juda hinwegdenken, ohne daß deshalb im Ausammhange des geschichtlichen Organismus eine Störung sich ergeben würde? Gewiß nicht. Und der allmächtige Gott, der die Geschicke der Menschheit lenkt, rettete Sein Volk. Haman wurde gestürzt und das Wunderbare geschah, daß die Juden in das alte Heimathland zurückkehrten und unter den größten Schwierigkeiten das Haus des einzigen Gottes wieder aufrichteten. In dem Wocheuabschnitte des kommenden Sabbat (Paraschath Wajischlach) wird uns berichtet, das; Gott unserem Vater Jakob abermals erschienen sei, ihn gesegnet und seinen Namen in Jisrael umwandelt habe. (1. B. M., C. 35, V. 9—10.) Unsere Weisen bemerken dazu: Es heißt in der heiligen Schrift (Jsaias E. 44, V. 26.) a'W vriOo nuyv nsy -dt erpe. Der da bestätigt das Wort seines Knechtes und seiner Boten Nathschluß vollführt. „Rabbi Berachjah sagte im Namen des Rabbi Levi: Da Gott das Wort seines Knechtes bestätigt, wiffeu wir da nicht, daß er den Nathschluß seiner Boten vollführt? Allein die Worte visy w D'po, „der da das Wort seines Knechtes bestätigt", beziehen.sich auf jenen Engel, der mit Jakob gerungen hat und der ihm verhieß, das; er den Beinamen Jisrael erhalten werde. Und siche da, nun erscheint der Heilige, gelobt sei Er, unserem Vater Jakob in Beth-El, um. die Worte des Engels zu bestätigen: Jerusalem, in Bezug auf dessen Wiedererbauung alle Propheten gcweissagt haben, um wie viel mehr, das; Gott die Worte seiner Propheten bestätigen wird." Um diesen Ansspruch des Rabbi Berachjah zu verstehen, müffen wir zwischen den Worten isy, Knecht, und “iOc, Bote, unterscheiden; auch müffen wir erörtern, warum -as erste Wort in der Einzahl und das zweite in der Mehrzahl steht. — Der K necht Gottes dient seinem Herrn aus eigenem Antriebe; der B o t e aber vollführt die ihm gewordene Botschaft ans besonderen Befehl. Der Engel, der mit Jakob gerungen, hatte nicht den Auftrag erhalten, seinem Ueberwinder den neuen Ehrennamen beiznlegen; er hat dies.vielmehr aus eigenem Antriebe gethan, daher heißt er in dieser Beziehung nicht Bote, sondern isy, Knecht. Die Propheten aber, die nur auf Gottes Geheiß ihre Prophezeiungen verkünden dürsten, heißen kn dieser Beziehung c'zn\>c, Boten. Daher erklärt Rabbi Berachjah den Sinn des angeführten Verses folgendermaßen: Der, welcher einst das Wort des mit Jakob ringenden Engels, das dieser ohne Geheiß gesprochen, bestätigt hat, mn wie viel mehr wird Er die Aussprüche der Propheten erfüllen, die auf Gottes Geheiß, als Seine Boten, die Wiederherstellung des jüdischen Staates verkündet haben, -ic'ian i'irOQ r&yi my -ip*r D'pa rrrYimm nrasn nTirr» •coip« „Der da seines Knechtes Wort bestätigt, seiner Boten Rathschluß vollführt, Er spricht zu Jerusalem: „werde bewohnt!" zu Juda's Städten: „werdet gebaut!" und ihre Trümmer richte Ich wieder auf." (Fortsetzung folgt.) ZeiLrmgsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 28. November. Seit einer Reihe von Jahren werden für Deutschland Thephiüin und Mesusoth aus Slonim (Rußland) bezogen. In neuerer Zeit ist die Beobachtung gemacht worden, daß dieselben den religiösen Anforderungen nicht entsprechen. Herr Rabbiner Hirsch '"2 in Frankfurt a. M. hat kn Folge dessen bei dem Rabbiner von Slonim angefragt und von diesem eine Antwort erhalten, die er in „Jeschurun" veröffentlicht. Dieselbe lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt': „An Se. Ehrw. Herrn Rabbiner... n. f. w. „Ihr gef-. Schreiben erhielt ich vorgestern. In Betreff der hiesigen «vopherkm, über, welche Euer Ehrwürden mich Namens Rabbiner des Auslandes gefragt haben, stehe ich nicht an, Ihnen die Angelegenheit von ihrem Anfang an mitzutheilen. Als ich vor etwa zehn Jahren hierher, kam, fand ich Nngehorigkekten in dieser Beziehung, und da ich jeden Einzelnen von ihnen prüfte, fand ich viele, die nicht fähig und nicht tauglich waren, mit der heiligen Arbeit beschäftigt zu werden. Fast ein halbes, Jahr ging ich unter Beistand der Vorsteher meiner Stadt und ihrer Führer ganz in die Aufgabe ein, und schuf unter ihnen entsprechende Anordnungen; viele von ihnen entfernte ich gänzlich von dem Beruf.