Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1884)
- Date
- 1884-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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E t u Aentrak - Hrgan für das orthodoxe Zudenthmn. Hcrausgegeben von Dr. Lehmann in Ataiuz. Montag, den 1. Dezember 5645 (1884)« g^r Bezugsbedingungen und Inhaltsverzeichnis befinden fich am Schluffe deS HauptblatteS. Leitender Artikel. Die Existenzberechtigung des israek. FotKes. IV. Mainz, 29. November. Der Erste, von dem uns berichtet wird, daß er die Existenzberechtigung des jüdischen Volkes verneinte, war Ham an, der Großvezier und unumschränkt gebietende Minister des gewaltigen persisch-medischen Reiches. König Ahasvcrns hatte befohlen, seinem Günstlinge göttliche Ehren zu erweisen. Alle Unterthanen des Königs gehorchten diesem Befehle; es kanl ihnen eben auf einen Gott mehr oder weniger nicht an. Nur der Jude Mordechai kniete vor Haman nicht nieder, da er, wie er bcu ihn Befragende» sagte, als Jude nur den einzigen Gott in dieser Weise verehren dürfe. Als man das dem Haman mittheilte, entbrannte sein Zorn gegen alle Juden, und er eilte zum Könige und sprach: Es gibt ein Volk, zerstreut lind getrennt unter den Völkern in allen Provinzen deines Reiches, und ihre Gesetze sind verschieden von jedem Volke und die Gesetze des Königs üben sie nicht, und dem Könige ist es kein Vortheil, sie zu lassen. Wenn cs dem Könige gefällt, so möge ausgeschrieben werden, sie zu vernichten. — Und es gefiel dem Könige, und er überreichte seinem Günstlinge den königlichen Siegelring, damit die Mordbefehle erlassen und untersiegelt werden. (Esther C. 3, V. 1-11.) Der babylonische Eroberer hatte Jerusalem zerstört, das Haus unseres Gottes verbrannt und die Juden gefangen hinweggeführt, nur Wenige unter der Botmäßigkeit eines jüdischen Statthalters zurncklassend. Als dieser von Aufrührern erschlagen würde, entfloh der Rest des Volkes, aus Furcht vor der Rache des Königs von Babylon, nach Aegypten. Nun lag das Land Israel verödet, ohne Bewohner. Die Juden aber waren unter die verschiedenen Völker des großen Reiches zerstreut worden. Wer hätte gedacht, daß sic sich jemals wieder vereinen würden, um im Lände der Väter das zerstörte Staatswesen wieder anfznrichten? — Das babylonische Reich war gestürzt worden und das persischmedische war an dessen Stelle getreten, ohne daß in der Lage der Juden sich etwas verändert hätte. Dadurch warnaturgemäß die Anssicht auf Wiederherstellung des jüdischen Staates noch geringer geworden. Was hatte nun dieses unter den Völkern zerstreut und von ihnen getrennt lebende Volk für Existenzberechtigung? Den Gott der Wahrheit erkannten die Perser nicht an; sie glaubten sich vielmehr im Besitze der Wahrheit, und in der That war auch ihre Religion unter allen heidnischen eine der reinsten und besten. Sie lehrte den Kampf des Lichtes mit der Finsternis; und gebot die dreifache Reinheit, die Reinheit des Gedankens, die Reinheit des Wortes, die Reinheit der That. Warum, sprach Haman, beharren die Inden bei ihren alten Gesetzen, warum essen und trinken sie nicht mit den Leuten , unter denen sie leben , warum verschwägern sie sich nicht mit ihnen? Warum leisten sie nicht Folge, wenn der König gebietet, seinem Günstlinge göttliche Ehre zu erweisen? Sie haben nicht die Kraft gehabt, ihr Staatswesen zu erhalten; was wvllen sie noch auf Erden? Welche Berechtignng haben sie, ihre Volksthümlichkeit aufrecht zu erhalten? Ja, wenn sie sich vermischen wollten mit den übrigen Unterthanen des Königs! Das läßt