Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-11-27 · Heft 94 (27.11.1884) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 94 (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449494--21220-2510796
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1548 der wichtigsten Daten des Spitalhanshaltcs, die Eassagebahrung, die Krankenpflege, Verköstigung, Bettstiftnngen und Bibliothek behandelt, ferner über verschiedene Fonds berichte! und mir einem umfangreichen ärztlichen Bericht schließt, lucldjcr eine Tabelle der seit einem Decenninm im Spirale behandelten Krankheiten und ihres Verlaufes enthält, ferner wisscnschaftlich-mcdicinischc Abhandlungen und Berichte über einzelne Fälle. Dem Buche sind 5 autographische Tafeln beigcgebcn, welche die Ansicht des Lpitatcs und seinen Grundriß enthalten. Der interessante Bericht belehrt uns ausführlich, mit welcher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit schon beim Bau des Krankenhauses, bei der Entwerfung der Pläne, der Wahl des Bauplatzes zu Werke gegangen wurde und welch' eingehende Studien gemacht wurden, um das Spital nach den Anforderungen der modernen Wissenschaft einzurichtcn. Seit Eröffnung desselben bis zum Ende des Jahres l 87:» wurden 5940 Männer und 409.-; Weiber, zusammen 10,042 Personen behandelt. Von diesen wurden geheilt 5642, gebessert 209l, nngehcilt blieben 57 t und gestorben sind 1066. Die Zahl der ambulirenden Kranken betrug 15,00». Die Höhe der Ausgaben belief sich im Jahre 1889 ans 41,128 fl. 58 kr. Die Verwaltung des Spitals versieht Herr Dr. B. Wölfler, als Primararzt fungirt Herr Sanitätsrath Dr. Oser. Am Spital besteht ferner eine Aushilfskassa für arme Reconvalescenten, deren Begründung auf das Jahr 1815 znrückgcht; durch jährliche freiwillige Beiträge, welche sich durchschnittlich auf 5000 fl. des Jahres stellen, wird cs ermöglicht, größere Sniinnen als der Fond gewährt, zur Vertheilung zu bringen. Die weitaus überwiegende Anzahl der Kranken litt an Lungentuberkulose. - Der Bericht gibt ein getreues Bild der segensreichen Wirksamkeit dieses musterhaft eingerichteten Spitals und bietet dem inedicinischen Fachmann auch noch ein reiches Interesse durch die beigegebenen Abhandlungen und Schilderungen einzelner zur Beobachtung gekommener Krankheitsfälle. (Neuzeit.) Wie». Das seit Jahren, durch die Gewinnung von Bergöl und Mineralwachs weltberühmt gewordene Städtchen Boryslaw in Galizien habe ich unlängst besucht. Schon als ich zur Bahnstation Drohobycz gegen 6 Uhr Morgens gelangte, hat mich das rege thatige Arbeitsleben unter unseren Glaubensgenossen angenehm überrascht. Einige hundert jüdische Schachtarbeiter, jeden Alters und Geschlechtes, mit zufriedenen Gesichtsausdrückeu bestiegen denselben Eisenbahnzug der Zweigbahn Drohobycz- Boryslaw, mildem ich fuhr, um sich der alltäglichen Arbeit hinzngeben. Boryslaw besteht zumeist aus ebenerdigen morschen Holzhänschen, welche eine lange Straße bilden. Zn beiden Seiten sind aus defekten zerspaltenen Brettern Gehstege gelegt. Zwischen diesen gegenüberliegenden Holztrottoiren bildet sich bei nassem Wetter tiefer Schlamm. Es ist keine Uebertreibung, daß bei Unachtsamkeit der Eltern, manches Kind dem Ertrinken in diesem tiefen Moraste ausgesetzt sein könnte. Tie Unreinlkchkeit der Wohngebäude spottet jeder Beschreibung. In diesem Städtchen leben 15,000 Arbeiter. Um die zu beobachten, begab ich mich zum sogenannten Schachtenplatze. Welches Gefühl ergriff mich, als ich sah, wie unsere Glaubensbrüder (man sagte mir, 8060 an der Zahl) mit Aufopferung ihres Lebens, sich dem schwierigsten, gefahrvollste» Arbeitszwange der Welt widmen, um sich und ihre Angehörigen erhalten zu können. Die von der russischen Regierung wegen begangener schwerer Verbrechen nach Sibirien zu Bergwerksarüeiten Verurthcilten leiden nicht so viel wie die Boryslawcr Schachtarbeiter, die das Gesetz nicht verletzt haben. Die Arbeit geht folgendermaßen von statten: Der Arbeiter wird mittelst Trahtsänlen in einen 200 Meter Uesen Schacht hinuntergclassen und ihm .ein brennendes Oellämpchen am Kopfe befestigt. Wenn er 2—& Meter tief in den Schacht gestiegen ist, muß er sich mit derjenigen Luft begnügen, die vermittelst einer Ventilationsmaschine hkueingeblasen wird. Es ereigneten sich schon Fälle, wo Arbeiter durch Mangel an Luft den Erstickungstod erlitten. In. dieser tiefen kcllerartigen Höhlengrotte, verweilen die Aermsten stundenlange im Schweiße des Angesichtes, um die Nachgrabung und Hinauffchaffung des Wachses bemüht. Diese Arbcir verrichten die kräftigeren Männer. Alte Leute, Frauen und Kinder sind mit Heraufziehen, Wegschaffen und sonstigen Arbeiten beschäftigt. Der höchste Lohn soll ff. 1. — per Tag für die schwierigste Thätigkeit fei», leichtere Arbeit wird mit 40—50 kr. per Tag bezahlt. Boryslaw ist die Zufluchtsstätte aller Existenzlosen in Galizien; wie man mir schilderte, sollen auch daselbst intelligente Leute zu dieser Arbeit gegriffen haben. Als ich mir dies eingehend betrachtete, dachte ich mir, es wäre gut, einem leidenschaftlichen Antisemiten die Berhältnisse zu zeigen und ihn zn fragen, ob er die Vorwürfe in Betreff der Arbeisschcu der Juden aufrechterhalte. Eh.. W. R e i ch eu b erg. - (Neuzeit.)' . Pesth, 22 November. Der Redakteur des in Kecskemet erscheinenden antisemitischen Blattes Testveriseg, Emrich Nagy, hatte sich gestern vor dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.