Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Kccsmcter Gerichtshöfe wegen einer aufreizenden Rede gegen die städtische Behörde und gegen die Juden zu verantworten, mit welcher er am ir>. Juni eilte Volksversammlung haranguirtc, deren Abhaltung behördlich nicht bewilligt war. Gr wurde des Vergehens der Aufreizung schuldig gesprochen, zu sechs Monaten Staatsgefängnis; und zu einer Geldstrafe von 150 st. vernrtheilt. Sowohl der Staatsanwalt als auch der Lernrtheilte meldeten die Berufung an. Die Gerichtsverhandlung, betreffend die Mihalper antisemitischen Unruhen, schloß damit, das; alte Angeklagten wegen Mangels an Beweisen srcigesprochen wurden. Batsch-ALmasch (Ungarn). Neulich übergab ein hiesiger Bürger einen ungeladenen Revolver einem Schlossermeister zum Putzen, bei welchem ein christlicher und ein jüdischer Lchrjnnge in Arbeit standen. Noch am selben Tage verlangte der Erstere, angeblich für seinen Meister, eine dazu passende Kugel von dem Eigenthümer der Waffe, die ihm dieser bereitwillig gab. Als die Lehrbnrschcn Tags darauf allein in der Werkstättc waren, nahm der Lehrbnrsche den Revolver hervor, that heimlich die .^ngel hinein, und mit den Worten: „Jetzt wirds bald um einen Inden weniger sein", drückte er den Revolver los, und der jüdische Lehrjnuge sank tödlich getrosten zur Erde. Den Bemühungen der Aerzte gelang cs, die Kugel zu entfernen; doch ist wenig Hoffnung vorhanden, das; der Knabe am Leben bleibe. Der junge Mörder wurde verhaftet. F r ß ii f r c i ch. Paris. Monatsbericht (Octobcr) der „Alliance Israelit Universelle." (Israeliten der Türkei.) Ein bedauerlicher Fall hat sich kürzlich in Tchorlou, einer kleinen Stadt in der Nähe von Eonstantinopel, zugetragen. Es ist immer wieder die unsinnige Blutgeschichtc. Der St a mb ul, eine Zeitung von Eonstantinopel, gibt in seiner Nummer vom 2». Oerober nähere Mittheilungcn über diese Angelegenheit. Hier einige Auszüge aus derselben: Am Freitag, den -r. Oktober, verschwand ein griechisches Kind in Tchorlou. Es hatte sich am Morgen damit amüsirt, in Gesellschaft mehrerer anderen Kinder, einer Truppe Seiltänzer uachzulaufen, die am Orte ihre Vorstellung gegeben hatte. Da es um Mittag nicht znrückkehrt'e, lies; es seine Mutter bis zum Abend suchen, doch umsonst. Alsdann benachrichtigte sie hiervon ihren Mann, der auf dem Lande war und gleich nach seiner Ankunft die Sache bei der Polizei meldete. Alle Nachforschungen blieben erfolglos. Am vierten Tage nach dem Verschwinden eilte eine griechische Frau, Nantes Efthimia, zu den Eltern und erklärte, das; sie das Jammern des Kindes ans einem benachbarten, von einem Inden bewohnten Hanse, gehört habe. Der Vater begab sich augenblicklich zum Richter von Tchorlou, machte ihn mit dieser Mittheilnng bekannt und bat ihn um die nöthige Unterstützung, damit er in dem besagten Hause nachforschen lassen könne. Es scheint, das; der Eaimakam (Richter) den Anschuldignngen der Frau keinen Glauben schenkte, und der Sache keine Folge gab. Die Eltern wandten sich hierauf an die Stadtältcsten. Inzwischen hätte sich in der ganzen Stadt das Gerücht verbreitet, das Kind sei von den Juden entführt worden, um zn Ostern hingeschlachtet zu werden, und es begaben sich einige Griechen nach dem von Efthimia bezcichneten Hause, um dessen Ausgänge zu bewachen. Da die Polizei noch immer nicht kam, drückten die Griechen die Thüren ein und stürmten das Haus, welches ganz leer war; die Bewohner hatten sich über die Gartenmauer geflüchtet. Das verlorene Kind ist 5 Jahre alt; sein Vater, ein Schäfereibesitzer ist einer der wohlhabendsten Leute, in Tchorlou. Das israelitische, von der Frau Esthimka bczeichuete Haus gehört Samuel Barocca, einem Kaufmann in Tchorlou. Die Untersuchung, welche S. E. der Mnttcsarif von Rodosto, unter dessen Gerichtsbarkeit sich Tchorlon befindet, in eigener Person cröffnete, hat gar nichts ergeben. Die Griechen, welche das Haus gestürmt, und einige Juden, welche man - beschuldigt hatte, ihre christlichen Mitbürger mißhandelt zu haben, hatte man cingesperrt, seitdem wieder freigegcben. Der Stambonl vermnthet, das; das Kind von den Seiltänzern gestohlen wurden. Paris. In der Jahressitznng der Akademie der Wissenschaften wurde Herrn Adolph Renbaner, llniversitätsbibliothekar in Oxford, ein Preis znerkannt. E n g l a.» b. Dr. Al exaul»cr Baic wurde zumReewr der Universität Aberdeen erwählt. ' London. Bei Gelegenheit der Montefiore Feier erinnert ein amerikanisches Blatt an das hohe Ansehen, in welchem dieser Philantrope bei Said